Hohe Erfolgsquote

Pilotprojekt beim Heer: 70 % wurden zu Nichtrauchern!

Tirol
11.10.2009 09:46
Seit einem Jahr hält Oberstarzt Michael Said im Innsbrucker Heeresspital eine stationäre Raucherentwöhnung. Der Erfolg ist als schlichtweg sensationell zu bezeichnen: 70 Prozent seiner Patienten greifen auch ein Jahr nach der Behandlung keine Zigarette mehr an.

"Rauchen verkürzt die Lebenserwartung um 12 bis 15 Jahre. Zigaretten sind das einzig  legal erhältliche Produkt, das bei richtiger Anwendung 50 Prozent der Konsumenten tötet – davon wiederum  50 Prozent zwischen 35 bis 69 Jahre, also im besten Alte": Das sagt Michael Said, Chef der Inneren Medizin im Militärspital Innsbruck – und startete ein spektakuläres Pilotprojekt beim Kaderpersonal.

Drei Jahre dauerten die Vorbereitungsarbeiten, bis Said im Juni 2008 die erste stationäre Raucherentwöhnung  starten konnte. "Unter jenen, die sich freiwillig zum Entzug meldeten, waren starke Raucher, die bis zu 80 Zigaretten am Tag konsumierten", berichtet Said: "Nach dem einwöchigen Programm hatten alle zu rauchen aufgehört, nach einem Jahr waren immer noch 70 Prozent der Teilnehmer Nichtraucher."

Zum Vergleich: Laut internationalen Studien  liegt die Erfolgsquote nach einem Jahr bei rund 30 Prozent. Wo liegt nun das Erfolgsgeheimnis von Dr. Said? "Ich will motivieren und aufzeigen, was für den Patienten besser wird. Angst zu erzeugen ist in meinem Entwöhnungsprogramm nicht vorgesehen."

Die Kurse beginnen mit einer gründlichen Voruntersuchung, der ein fünftägiger stationärer Aufenthalt folgt. Said: "Ich arbeite nach der  so genannten Endpunktmethode. Bereits am ersten Tag ist Schluss mit Zigaretten." 

Vier Schwerpunkte kennzeichnen das Programm:

  • Medizin. Der Entzugswillige erhält neben Aufklärung Nikotin-Ersatzpräparate.
  • Sport. Bewegung ist eine große Hilfe, Said bietet ganz gezielt und individuell abgestimmte Ausdauer- und Kraftsportübungen an.
  • Ernährung. "Wer mit dem Rauchen aufhört, nimmt mitunter bis zu 30 Kilo zu. Bei meinen Teilnehmern blieb das Gewicht konstant, einige nahmen sogar bis zu zwei Kilo ab."  Dafür sorgten eine intensive Aufklärung mit zehn Lehrstunden.
  • Psychologie. In Gruppen- und Einzeltherapien wird  erklärt, dass die Zigarette im Leben nicht weiterhilft…

"Jedes Jahr sterben in Österreich 14.000 Menschen an den Folgen des Rauchens, das sind 38 pro Tag – genau so viele hat die Lawinenkatastrophe in Galtür und Valzur gefordert. Da ging ein Aufschrei durchs Land", sagt der überzeugte Nichtraucher Michael Said, der heuer noch zwei Kurse für das Kaderpersonal startet.

Der einzige Wermutstropfen der Erfolgsgeschichte: Aus rechtlichen Gründen ist Zivilisten die Teilnahme an  den Kursen im Militärspital nicht gestattet.

Fakten zum blauen Dunst
Dr. Michael Said hat einige interessante Zahlen recherchiert, die eigentlich zu denken geben müssten:

  • Tabak ist in Österreich alljährlich für rund 20 Prozent aller  Sterbefälle verantwortlich.
  • Lungenkrebs wird in 90 Prozent aller Fälle durch Raucher verursacht, jährlich werden in Österreich rund 3.000 Neuerkrankungen registriert.
  • In einer Zigarette sind rund 4.000 Chemikalien enthalten, darunter etwa 400 anerkannte Gifte.
  • In einer Zigarette befinden sich auch 1,5 Milligramm Formaldehyd – dreimal mehr als an Arbeitsplätzen erlaubt ist.
  • Die Feinstaubbelastung durch drei qualmende Zigaretten ist höher als wenn ein Dieselmotor 30 Minuten in einer Garage mit einem Luftvolumen von 60 Kubikmeter läuft.
  • Für Tabak gibt der Österreicher – laut Statistischem Zentralamt – zwischen 10 bis 20 Prozent seines Nettoeinkommens aus. Für Ernährung sind es rund 10 Prozent, für den Urlaub rund vier Prozent – und für Bildung gar nur ein Prozent!

von Günther Krauthackl, Tiroler Krone

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