Behörde im Tiefschlaf?

Zwei Jahre auf Urteil gewartet

„Die Mühlen der Justiz mahlen langsam“, sagt der Volksmund. Offenbar zu Recht: Seinen Augen traute jüngst ein Autobesitzer aus dem Bezirk St. Pölten nicht, als ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichts Wien in seinem Briefkasten lag: Abgewiesen wurde sein Einspruch gegen eine Parkstrafe – den er vor zwei Jahren eingelegt hatte!

Der Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ scheint in manchen heimischen Amtsstuben ein Bestseller zu sein. Dieser Verdacht drängt sich zumindest auf, wenn man die Causa von Magister B. betrachtet. Dem niederösterreichischen Akademiker war im Herbst 2015 das Auto in Wien abgeschleppt worden. Gegen den Bescheid für den „Kostenersatz für die Entfernung des Fahrzeuges“ erhob er Einspruch, der im Februar 2016 abgewiesen wurde. Daraufhin berief B. auch gegen dieses Urteil.

Offenbar hatte der Autobesitzer den Fall mittlerweile schon längst aus seinem Gedächtnis gestrichen – und war daher umso erstaunter, als er kürzlich ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichts Wien zugestellt bekam. Der Inhalt: Seine Beschwerde werde abgewiesen.

„Dass Behörden nicht gerade auf Zack sind, ist mir aus eigener Erfahrung bekannt. Aber eine Bearbeitungsdauer von zwei Jahren in einem Verwaltungsstrafverfahren wegen Falschparken überrascht selbst mich“, sagt der Betroffene. Für ihn steht fest: „Würde man in der Privatwirtschaft so arbeiten, könnte eine Firma wohl rasch zusperren!“

Christoph Weisgram, Kronen Zeitung

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