14.01.2004 14:40 |

Epsteins Nacht

Gegen das Vergessen: Epsteins Nacht

Ein Weihnachtsabend Mitte der 80er Jahre. Der Jude Epstein (Mario Adorf) betritt eine Kirche in Berlin-Spandau, um die Tochter seiner Haushaltshilfe singen zu hören - und hat Sekunden später das Grauen vor Augen: in Person des Gemeindepriesters, in dem er seinen Peiniger aus dem KZ Birkenau wiederzuerkennen glaubt.
Der SS-Hauptsturmführer Giesser (GüntherLamprecht) hat offenbar nach dem Zweiten Weltkrieg die Identitätdes ermordeten KZ-Pfarrers Groll angenommen und kümmert sichseither um "seine Schäfchen".
 
Epstein wird am nächsten Tag mit seinen ehemaligenMithäftlingen, den Brüdern Karl Rose (Otto Tausig) undAdam Rose (Bruno Ganz, Träger des "Iffland-Ringes"), zurückkommen.Um Gewissheit zu haben. Und um den Gottesmann zur Rede zu stellen.Doch der beteuert vehement, nur ein einfacher Häftling gewesenzu sein. Eine dramatische Konfrontation: Zeit der Wunden.
 
Die Banalität des Bösen
"Opernball"-Regisseur Urs Egger fokussiert das Schicksaldreier Juden, deren Leben durch die Schatten der Vergangenheitaus den Fugen gerät. Kernthematik seines anspruchsvollen,emotionalen Films, der auf mehreren Zeitebenen spielt und derganz bewusst mit der "Banalität des Bösen" jongliert:Schuld, Sühne und die Qual der Vergebung.
 
Ein herausragendes Ensemble stellt sich dem bedrückendenSujet NS-Vergangenheit, prangert die Nachkriegsmachenschaftender "Täter" an. Die Grande Dame des französischen FilmsAnnie Girardot verleiht einer Nebenrolle Seele und Bedeutung.Filmschaffen gegen das Vergessen.
 
Von Christina Krisch
Mittwoch, 26. Februar 2020
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