Herr Bürgermeister, Sie wollten Eva Maria Fluch vorige Woche als Stadträtin ablösen, konnten sich aber gegen Teile Ihrer Partei nicht durchsetzen. Fühlen Sie sich im Stich gelassen?
" Nein. Schwere Entscheidungen brauchen Zeit. Es geht ja auch in einer politischen Partei um ein großes Maß an Menschlichkeit."
Sie mögen Ihre Partei also immer noch?
"Selbstverständlich. Dieser Fall zeigt doch klar, dass es in der ÖVP Konsequenzen gibt, wenn politische Fehler passieren."
Tatsache ist, dass Teile der Partei, wie die Frauen und der ÖABB, Fluch unbedingt halten wollten. Ist die ÖVP jetzt gespalten?
"Nein, es gibt keine Krise. Wir sind eine demokratische Partei mit hohen Ansprüchen, was Ehrlichkeit und Transparenz betrifft. Wir haben eben einen gemeinsamen Weg gesucht, mit dem Fall umzugehen. Die Partei ist geschlossen."
Fluch beharrte auf ihrem Polit-Posten. Hat sie der Partei dadurch geschadet?
"Die Partei stand hinter Fluch. Und sie hat mir ihrem Rücktritt auch bewiesen, dass sie hinter der Partei steht. Fluch hat als Gemeinderätin und Stadträtin elf Jahre lang höchst engagiert und gut für die Stadt gearbeitet. Aber sie hat einen schweren Fehler begangen."
Die Gerüchteküche brodelt. Fiel Fluch gar einer parteiinternen Intrige zum Opfer?
"Nein. Es hat den Fehler gegeben, und der musste ans Licht kommen."
Ihr strahlendes Wahlsieger-Image ist angekratzt, weil Sie sich jetzt offenkundig nur auf Raten durchsetzen konnten.
"In schwierigen Zeiten fällt es jedem von uns schwer, guten Mutes am Morgen auszustehen. Ich habe hohe Ansprüche an die politische Moral. Die müssen wir in der Politik haben, wenn wir das Vertrauen der Wähler wollen."
Hatten Sie in den letzten Tagen Rücktrittsgedanken?
"Nein. Ich weiß, was ich für Graz zu tun habe und nehme meine Verantwortung wahr. Wie gesagt: An manchen Tage fällt es schwer weiter diszipliniert zu sein."
Gibt es schon einen Nachfolger für Fluch?
"Ich brauche jetzt ein paar Tage Zeit, um zu überlegen. Dann werde ich der Partei einen geeigneten Kandidaten vorschlagen."
Sie wurden kritisiert, dass Sie sich in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht um die Stadt kümmern.
"Unsinn. Wir schaffen 500 Gemeindewohnungen. Unser Hauptprojekt ist die Neuordnung des Magistrats und der Stadttöchter, was von der SPÖ immer verhindert wurde. Ich denke täglich darüber nach, wie wir die 190.000 Jobs in Graz sichern können. Auch der Wirtschaftsgeipfel ist auf Schiene. Das Budget 2009 wird halten. Eines ist aber klar: Die Weltwirtschaftskrise kann Graz allein nicht lösen."
Interview Gerald Richter, "Steirerkrone"
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