Mi, 22. August 2018

Gnade für Kult-Dieb

18.02.2009 20:47

Ronnie Biggs kommt noch vor 80. Geburtstag frei

Der britische Posträuber Ronnie Biggs soll noch vor seinem 80. Geburtstag im September aus dem Gefängnis freikommen. Im Juli soll sich ein Bewährungsausschuss mit der Begnadigung des schwer erkrankten 79-Jährigen beschäftigen. Nach Informationen der britischen Zeitung "Daily Mail" handelt es sich dabei allerdings nur noch um eine Formalität. "Jedem ist klar, dass er ein schwer kranker Mann ist, der keine Gefahr für die Öffentlichkeit mehr darstellt", zitierte die "Mail" eine Quelle aus dem Strafvollzug. Am Wochenende waren wieder Rufe nach einer Begnadigung Biggs laut geworden, nachdem dieser mit einer Lungenentzündung in eine Klinik gebracht worden war. Der Posträuber ist eine Kultfigur in Großbritannien und gilt fast schon als Volksheld.

Biggs Sohn Michael zeigte sich wegen einer Begnadigung seines Vaters zuversichtlich. Er gehe davon aus, dass er seinen Vater nach dessen Freilassung in einem Pflegeheim unterbringen werde. "Ich hatte mehrere Besuche von Bewährungshelfern und dem Bewährungsausschuss und wir haben gemeinsam erörtert, wie das Leben in Freiheit für meinen Vater wäre", sagte er dem TV-Sender ITV. "Die Öffentlichkeit wird wohl erschrocken sein, wenn sie sieht, in welchem Zustand sich mein Vater befindet. Ich glaube, die Leute erwarten niemanden, der so gebrechlich und alt ist." Biggs hatte mehrere Schlaganfälle erlitten.

Biggs verbüßt im Gefängnis im ostenglischen Norwich eine 30-jährige Haftstrafe, auch weil er nach dem spektakulären Überfall auf den Nachtzug von Glasgow nach London im August 1963 insgesamt 35 Jahre lang auf der Flucht war. Er gilt als einer der führenden Köpfe des Coups, bei dem Die Gangster mit einer damals sagenhaften Beute von 2,6 Millionen Pfund entkamen - heute wären das nach Schätzungen fast 40 Millionen Pfund (etwa 44,6 Millionen Euro).

Abenteuerliche Flucht nach Rio de Janeiro
Die meisten Posträuber wurden bald gefasst, so auch Biggs. Doch nach 15 Monaten brach er in einer ebenfalls spektakulären Aktion aus dem Gefängnis aus. Gemeinsam mit drei anderen Häftlingen überkletterte er in der Nacht die sechs Meter hohe Mauer mit einer Strickleiter und sprang durch das ausgesägte Loch im Dach eines bereitstehenden Möbelwagens. Er fuhr mit seiner Familie nach Paris, besorgte sich gefälschte Papiere und ließ sich sein Gesicht operieren. Danach flüchtete er nach Australien und in weiterer Folge - ohne Familie - nach Rio de Janeiro, wo er eine Stripperin schwängerte und deshalb nicht aus Brasilien ausgewiesen werden durfte.

Über die Jahre gewann der meistgesuchte Ganove Großbritanniens Kultstatus, Punkbands wie die Sex Pistols und die Toten Hosen besuchten ihr Idol und nahmen auch einige Songs mit Biggs auf. Erst 2001 kam er nach einem Schlaganfall in die Heimat zurück und stellte sich der Justiz. Die Beute wurde nur zum kleinen Teil nach der Festnahme der Gangster sichergestellt. Es wird vermutet, dass flüchtige Räuber wie Biggs Teile des Geldes auf ihrer Odyssee ausgegeben haben.

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