Teil der Trauer

Weinen schafft Verbesserung des Gemütszustands

Wissen
22.12.2008 12:30
Weinen führt in der Mehrzahl der Fälle zu einer deutlichen Verbesserung des Gemütszustands des Weinenden. Wie sich der Fluss der Tränen konkret auswirkt, hängt jedoch auch von äußeren Umständen, wie der Unterstützung einer anwesenden Person oder der Persönlichkeit des Weinenden ab, zeigten Psychologen der niederländischen Universität Tilburg. Ihre Analyse von 3.000 Weinsituationen außerhalb des Labors, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Current Directions in Psychological Science" veröffentlicht wurden, zeigt demnach positive langfristige Folgen des Weinens.

Nur bei jedem Dritten stellte sich dieser Effekt nicht ein, gar nur jeder Zehnte fühlte sich nachher sogar schlechter als zuvor. Als positiv empfanden die befragten Personen, wenn sie beim Weinen nicht alleine waren, sondern von jemandem Unterstützung erfuhren. Problematisch war das Weinen hingegen bei Menschen, die an Angst- und Verwirrungszuständen leiden, sowie bei "gefühlsblinden" Menschen. Darunter werden Menschen verstanden, die eigene Gefühle kaum wahrnehmen können. Die Studienautoren vermuten, dass bei diesen Menschen der Mangel an Selbsterkenntnis die Umwandlung einer traurigen in eine positive Erfahrung verhindert.

Nur als Dauerzustand bedenklich
Die Wiener Psychotherapeutin Sonja Kinigadner beschreibt zwei grundsätzlich verschiedene Formen des Weinens. "Wohltuendes Weinen schafft Lösung, ermöglicht Abschied sowie Loslassen und ist Teil der Trauer. Ganz anders ist hingegen das ohnmächtige In-sich-Hineinschluchzen, das Gefühle wie Wut, Verzweiflung und Zorn ersetzen soll. Dieses kraftlose, depressive Weinen lässt kaum Aussicht auf Veränderung zu." Die beste Unterstützung eines Anwesenden sei in diesem Fall, feinfühlig dem Weinen Platz zu geben. "Wer trösten möchte, soll nicht das Gefühl geben, dass gleich etwas verändert werden muss. Einfach dabei zu sein, zu verstehen und Zustimmung zu zeigen hinterlässt das Gefühl, dass das Weinen ankommt." Wird das Weinen zum Dauerzustand und überschreitet es das Ausmaß der Belastung oder Trauer, sei es ratsam, professionelle therapeutische Hilfe zu suchen, so Kinigadner. 

Wein-Forschung kompliziert
Die Erforschung des Weinens bringt übrigens hohe methodische Herausforderungen mit sich. Die niederländischen Psychologen in Tilburg wählten die Beobachtung außerhalb des Labors, um Scham und andere negative Gefühle zu reduzieren, die Beobachtung und Videoaufnahme bei zum Weinen gebrachten freiwilligen Testpersonen bewirken. Solche früheren Laborexperimente konnten jedoch die körperlichen Folgen des Weinens zeigen. Weinen verursacht zunächst unangenehme Erregungen, hohen Puls und Schwitzen, später setzen jedoch beruhigende Mechanismen ein wie die langsame Atmung. Diese positiven Effekte wirken länger als die anfängliche Anspannung, weshalb bei der Mehrheit der Betroffenen das Weinen in guter Erinnerung bleibt. (pte)

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