Russland trauert
Russisch-orthodoxer Patriarch Alexi II. beigesetzt
In seiner Predigt würdigte der Übergangsnachfolger des Patriarchen, Metropolit Kirill, Alexi II. als bedeutenden Geistlichen. Er habe 1990 die Führung einer Kirche übernommen, die durch jahrzehntelange Unterdrückung geschwächt gewesen sei. "Jetzt hinterlässt er eine starke Kirche", sagte der 62-jährige Kirill (Kyrill). In politischen Konflikten habe er sich stets für Einheit und Frieden eingesetzt.
Russische Staatsführung vor Ort
Medwedew und Putin hielten lange Kerzen in den Händen und bekreuzigten sich immer wieder. Am Ende des Trauergottesdienstes verneigten sie sich vor dem offenen Sarg und küssten die Bischofsmütze des Verstorbenen. Alexi II. war am Freitag im Alter von 79 Jahren in seiner Moskauer Residenz gestorben. Sein mit Rosen und Kerzen geschmückter Sarg war von 200 orthodoxen Bischöfen in weißen Gewändern umringt, ein Schleier verhüllte das Gesicht des Verstorbenen.
Russisches Fernsehen übertrug live
Das staatliche russische Fernsehen übertrug Bilder aus dem riesigen Gotteshaus, in dem am Wochenende bereits mehr als 50.000 Menschen dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen hatten. Zu dem Trauergottesdienst waren erneut Hunderte Gläubige in die Erlöser-Kathedrale geströmt.
Gäste auch aus Nachbarländern
Unter den Trauergästen waren auch zahlreiche ausländische Staatsgäste, darunter der serbische Präsident Boris Tadic, der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko sowie der frühere ukrainische Regierungschef Viktor Janukowitsch. Auch der Regisseur Nikita Michalkow und eine Nachfahrin des letzten russischen Zaren Nikolaus II., Großfürstin Maria Wladimirowna, waren in die Kathedrale gekommen.
Auch Vertreter anderer Religionen trauern
Für die katholische Kirche nahmen der deutsche Kardinal Walter Kasper und der französische Kardinal Roger Etchegaray an der Trauerfeier teil. Unter den muslimischen Vertretern war der iranische Ayatollah Mohammed Ali Tashiri. Nach der Totenmesse setzte sich der Trauerzug in Richtung Epiphania-Kathedrale in Bewegung, wo Alexi II. gemäß seinem letzten Willen beigesetzt wurde. Wie russische Nachrichtenagenturen berichteten, nahmen an der kurzen Zeremonie nur Geistliche teil.
Gespanntes Verhältnis zur katholischen Kirche
Der 1929 unter dem Namen Alexej Ridiger in Estland geborene Patriarch hatte 1990 die Führung der russisch-orthodoxen Kirche übernommen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verhalf Alexi II. der Religion in Russland zu neuer Stärke. Im vergangenen Jahr trug er entscheidend zur historischen Vereinigung seiner Kirche mit der russisch-orthodoxen Kirche außerhalb Russlands bei.Ein weniger gutes Verhältnis hatte Alexi II. zur katholischen Kirche. Der Patriarch warf dem Vatikan immer wieder "Bekehrungseifer" vor. Aus diesem Grund hatte er sich stets geweigert, Papst Johannes Paul II. zu treffen. Mit dem Beginn des Pontifikats von Benedikt XVI. hatten sich die Beziehungen zuletzt aber entspannt.
Wer folgt Alexi II. nach?
Als Favorit für die Nachfolge von Alexis II. gilt sein Übergangsnachfolger Kirill. Ob er dauerhaft an der Spitze der russisch-orthodoxen Kirche bleibt, entscheidet sich binnen der kommenden sechs Monate bei einer weiteren Zusammenkunft von Kirchenvertretern. Am Mittwoch soll ein Termin für die Wahl eines Nachfolgers festgelegt werden.
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