"Himmlischer Palast"

Chinas Raumfahrer betreten erstmals ihre Raumstation

Wissenschaft
18.06.2012 09:53
Das chinesische Raumschiff "Shenzhou 9" hat am Montag erfolgreich an das Raummodul "Tiangong 1" angedockt. Es war das erste bemannte Andockmanöver in der Geschichte der chinesischen Raumfahrt. Rund drei Stunden später sind drei chinesischen Taikonauten - wie die Raumfahrer aus China genannt werden - erstmals in das Raummodul "Tiangong 1" (Himmelspalast) umgesteigen.

Laut Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua gelang das automatisch gesteuerte Andockmanöver um 14 Uhr Ortszeit (8 Uhr MESZ) mit einem kurzen Schub aus dem Antriebssystem des Raumschiffs.

Der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV zeigte live, wie die Teamchef Jing Haipeng die Tür zum Modul öffnete und es betrat. Ihm folgte Liu Wang, etwa eine Viertelstunde darauf betrat die erste Chinesin im All, die 33-jährige Liu Yang (Bild 3) das "Tiangong 1". Das Trio testete einige Instrumente in der Schwerelosigkeit und unterbrach dann seine Arbeit kurz, um sich für die Kameras aufzustellen (Bild 2), während im Kontrollzentrum Applaus aufbrandete.

Manuelles Andocken geplant
Informationen aus China zufolge sollen das Raumschiff und das Testmodul sechs Tage lang miteinander verbunden bleiben, bevor sie wieder getrennt werden. Anschließend soll Liu Wang manuell andocken - eine weitere Premiere im chinesischen Raumfahrtprogramm. 

Die Taikonauten übten das schwierige Manöver auf der Erde rund 1.500 Mal. Es ist so gefährlich, weil die beiden Raumschiffe mit einer Geschwindigkeit von rund 28.000 Stundenkilometern um die Erde kreisen und sich bei einem Zusammenprall zerstören würden.

Experimente und Tests geplant
Die Taikonauten waren am Samstag mit einer Trägerrakete vom Typ "Langer Marsch 2F" vom Weltraumbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi aus ins All gestartet (Bericht in der Infobox). Die Besatzung von "Shenzhou 9" (was übersetzt Magisches Schiff bedeutet) wird sich mehrere Tage in "Tiangong 1" aufhalten, um wissenschaftliche Experimente, technische Tests und physische Übungen durchzuführen.

"Shenzhou 9" unternimmt den erst vierten bemannten Raumflug in der Geschichte der chinesischen Raumfahrt. Im Jahr 2003 gelang es China nach den USA und der Sowjetunion als weltweit dritter Nation, mit einem eigenen Raumfahrzeug einen Menschen ins All zu schicken.

China will eigene Raumstation bauen

Frühestens 2016, eher aber 2020, will China dann eine richtige Raumstation, für die noch ein Name gesucht wird, bauen. Einem 18 Meter langen Hauptteil mit 4,2 Meter Durchmesser sollen zwei 14,4 Meter lange Labormodule folgen. Mit 60 bis 70 Tonnen wäre diese Raumstation immer noch klein, zumindest gemessen an den 450 Tonnen der Internationalen Raumstation ISS. 

Da dieses Gemeinschaftsprojekt aber bis dahin aufgegeben wird (Bericht in der Infobox), wäre China die einzige Nation mit einem bemannten Außenposten im All. Es wäre ein Riesenerfolg für die junge Raumfahrer-Nation, die technisch noch auf dem Niveau der USA in den 1960er-Jahren liegt.

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