Di, 12. Dezember 2017

Tat aus Eifersucht?

02.12.2017 06:56

Bruder nach Ehrenmord: "Ich liebte sie abgöttisch"

Es geschah am 18. September, im Innenhof eines Wohnhauses: Mit 28 Messerstichen tötete Hikmatullah S. seine Schwester Bakhti. "Sie hat die Ehre meiner Familie beschmutzt", sagte der Afghane bei seiner Verhaftung. Jetzt spricht er plötzlich bloß noch über seine Verachtung für sich selbst: "Ich habe den Menschen, den ich am meisten geliebt habe, umgebracht."

Das Verhältnis zu Bakhti sei "immer schon besonders innig" gewesen, behauptet der Mann in der Vernehmung: "Deshalb hatten wir auch vor, so bald als möglich zusammen eine eigene kleine Wohnung zu beziehen. Ich wollte mir einen fixen Job suchen und sie sollte weiter zur Schule gehen."

"In den Monaten davor fühlte ich mich verfolgt"
Aber spätestens seit Sommer 2017 hatte das Mädchen andere Pläne. Es wollte sich integrieren, westlich leben, kein Kopftuch tragen, manchmal ausgehen. Mit einem Landsmann, den sie über Facebook kennengelernt hatte. Die Verbindung - zum Scheitern verurteilt, von Beginn an. Weil Bakhtis "Clan" dagegen war.

Sie werde daheim geschlagen, mit Mord und einer Zwangsheirat bedroht, gab die junge Frau wenige Wochen vor ihrem Tod der Kripo zu Protokoll, flüchtete in ein Krisenzentrum, traf sich weiterhin mit ihrem Freund.

Waren sie gar nicht Bruder und Schwester?
Konnte der Täter es nicht verkraften, dass sie sich von ihm laufend mehr abwandte? Waren sie vielleicht gar nicht Bruder und Schwester? Wurde das Mädchen von dem Ehepaar S. 2013, gleichzeitig mit seiner Flucht nach Österreich, "angenommen"?

Auffällig scheint: Sie ließen Bakhtis Leiche gleich nach der Obduktion nach Afghanistan überstellen, wo sie im Familiengrab von Freunden - ohne Anwesenheit der Eltern oder der Geschwister - bestattet wurde.

"Ich haschte viel, nahm Crystal Meth"
Was sagt Hikmatullah S. jetzt über sein Verbrechen? Dass er es zutiefst bereue und nicht verstehe, "wie ich dazu fähig sein konnte, so etwas Grauenhaftes zu tun". "In den Monaten davor", behauptet er, "befand ich mich in einem psychischen Ausnahmezustand. Ich haschte viel, nahm Crystal Meth, konnte kaum schlafen, ging nachts ziellos auf den Straßen umher. Fühlte mich verfolgt."

Mit Psychopharmaka behandelt
Weswegen er zuletzt ständig ein Messer bei sich getragen hätte, "um mich gegen mögliche Angriffe wehren zu können". Und er will "Stimmen gehört" haben. Im Gefängnis wird Hikmatullah S. mittlerweile mit Psychopharmaka behandelt, darunter auch mit einem Medikament, das bei Schizophrenie verordnet wird.

Nach wie vor steht sein Vater unter Verdacht, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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