Mi, 13. Dezember 2017

Uber in der Krise

01.12.2017 16:51

Horrorjahr für das teuerste Start-up der Welt

Uber wurde für die aggressive Gangart unter dem Chef Travis Kalanick bewundert, gefürchtet und heftig kritisiert. Doch 2017 bezahlte das Start-up den Preis für die Sünden der Vergangenheit - und ein Ende der Aufräumarbeiten ist nicht in Sicht.

Als Anfang September ein neuer Chef an die Spitze des US-Fahrdienstvermittlers Uber rückte, sollte das ein Signal des Neuanfangs beim skandalgeschüttelten Start-up werden. Doch Dara Khosrowshahi, der vom Online-Reisebüro Expedia kam, wurde schon nach wenigen Wochen im Job von den Sünden der Vergangenheit eingeholt. London - ein Prestigemarkt für jede Firma - warf Uber raus.

"Für schlechten Ruf zahlt man einen hohen Preis"
Das US-Start-up agiere verantwortungslos, unter anderem wenn es um das Melden von Straftaten und medizinische Kontrollen der Fahrer gehe, hieß es zur Begründung. Khosrowshahi war nach dem aggressiven Auftreten der Vergangenheit bemüht, einen Ton der Demut anzuschlagen. Für Uber sei jetzt Zeit, darüber nachzudenken, wie es soweit gekommen sei, schrieb er in einer E-Mail an die Mitarbeiter. "Die Wahrheit ist, dass man für einen schlechten Ruf einen hohen Preis bezahlt."

London ließ sich durch die Charme-Offensive nicht umstimmen, Uber musste ins Berufungsverfahren, der Ausgang ist offen. Und auf Khosrowshahi wartete schon die nächste Zeitbombe: Im November musste er einräumen, dass Uber seit Oktober 2016 einen Cyberangriff verschwieg, bei dem Hacker Daten zu 50 Millionen Passagieren und sieben Millionen Fahrern erbeutet hatte. Statt Betroffene und Behörden zu informieren, zahlte Uber den Hackern 100.000 Dollar (84.395 Euro) und vertraute darauf, dass sie die Daten vernichtet hatten.

Uber-Gründer setzte sich über alle Regeln hinweg
Die große Vertuschung wirft einen bleiernen Schatten auf die Ära des Mitgründers und langjährigen Chefs Travis Kalanick, unter dem die Firma zum wertvollsten Start-up der Welt wurde. Waghalsig steuerte er die Firma auf einen globalen Expansionskurs, setzte sich oft über geltende Regeln hinweg, brachte damit Behörden und Taxi-Fahrer gegen Uber auf. Den Investoren gefiel aber die Vorstellung vom aggressiven Herausforderer, der den Transportmarkt aufrollt und bisherige Platzhirsche vom Platz fegt. Sie standen Schlange, um bei Uber einzusteigen. Trotz hoher Verluste schoss die Gesamtbewertung von Uber an die Marke von 69 Milliarden Dollar hoch - weil die Investoren bereit waren, viel Geld auch für kleine Beteiligungen zu bezahlen.

Jahr der Abrechnung begann mit Sexismus-Skandal
Uber schien auf der Gewinnerstraße, doch 2017 kam das Jahr der Abrechnung. Die Demontage von Kalanick begann mit dem Blogeintrag einer früheren Software-Entwicklerin von Uber, die Sexismus, Diskriminierung und eine miese Firmenkultur beschrieb, in der Manager einander auflauerten. Der Verwaltungsrat setzte den früheren Justizminister Eric Holder als Aufklärer ein - und sein Bericht deckte massive Missstände bei der Unternehmensführung auf. Dabei kamen auch immer neue Vergehen zutage. Etwa dass sich Ubers Top-Manager unbefugt die medizinischen Unterlagen einer von einem Uber-Fahrer in Indien vergewaltigten Frau beschafft hatten. Oder dass Uber mit dem sogenannten "Greyballing" Behördenkontrolleuren eine falsche Ansicht in der App einspielte, damit sie den Dienst bei Regelverstößen nicht auf frischer Tat ertappen konnten.

Mit den Enthüllungen wurde der Druck auf Kalanick immer größer. Er selbst ritt sich noch tiefer in den Schlamassel, als er in arroganter Manier einen unzufriedenen Uber-Fahrer belehrte. Der Streit wurde auf Video aufgezeichnet und landete im Internet. Kalanick hoffte, er könnte den Sturm mit einer unbefristeten Auszeit überstehen und danach wieder den Chefposten einnehmen. Doch unzufriedene Investoren zwangen ihn im Juni zur Aufgabe.

Bis zum Börsengang 2019 müssen die Zahlen stimmen
Uber ist jetzt ein Unternehmen auf der Suche nach einer neuen Identität. Mit dem rücksichtslosen Gebaren der Vergangenheit soll Schluss sein, zugleich muss aber auch der Betrieb weitergehen - im harten Wettkampf mit Rivalen wie Lyft, die von der Schwäche des Marktführers profitieren wollen. Für 2019 peilt Khosrowshahi einen Börsengang an. Bis dahin müssen auch die Zahlen stimmen. Wie hoch dann der Börsenwert sein wird, ist unklar. Der japanische Technologiekonzern Softbank, der bei Uber einsteigen will, macht Druck auf die Preise. Er will laut Medienberichten zwar direkt bei Uber Aktien für eine Milliarde Dollar zur bisherigen Spitzen-Bewertung erwarben. Bisherigen Aktionären sollen die Anteile aber nur zu einer Bewertung von 48 Milliarden Dollar abgekauft werden.

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