11.10.2002 15:50 |

Fortschritt

Das Rätsel um Schizophrenie ist gelöst

Schizophrene können nach einer neuen Studie Schallquellen nicht orten, verwechseln manchmal sogar rechts und links. Die "inneren Stimmen" könnten also die eigenen Gedanken sein!
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Bei Schizophrenie erleben die Betroffenen ofteinen tiefen Riss zwischen ihrer Wahrnehmung und der Umwelt. Sohören die Patienten unter anderem laute "innere Stimmen".
 
Forscher einer Technischen Hochschule in Deutschlandfanden jetzt heraus, dass Schizophrene mit derartigen Wahnvorstellungenauch bei der Ortung wirklicher Schallquellen irren. Dazu wurdenPatienten in einen schalldichten Raum mit zwölf Lautsprechern,die wie ein Zifferblatt angeordnet waren, platziert. Sie solltensagen, aus welcher Richtung verschiedene Geräuschen kamen.Die Boxen wurden dabei nach dem Zufallsprinzip angeschaltet.
 
Falsche Ortung von Schallquellen
Es zeigte sich, dass Schizophrene fast doppelt sohäufig eine falsche Schallquelle angaben wie gesunde Testpersonen.Die Kranken verwechselten teilweise sogar links und rechts. DerPsychiater und Akustiker Ralf Erkwoh sieht darin ein Indiz, dassbei Schizophrenen die so genannte "Wo-Bahn" defekt ist. Denn dasGehirn trennt nicht nur visuelle, sondern auch akustische Reizein die beiden Informationsqualitäten "Was?" und "Wo?".
 
Sind die "inneren Stimmen" die eigenen Gedanken?
Die "Wo-Bahn" ist den Angaben zufolge auch mit denNervenbahnen der Sprachverarbeitung verbunden. Sie werden dannaktiv, wenn ein inneres "Sprechen" die Gedanken begleitet - zumBeispiel beim innerlichen Aufsagen einer Telefonnummer. Die "innerenStimmen" von Schizophrenen könnten deshalb durch eine fehlerhafteVerknüpfung von Sprach- mit Ortinformationen verursacht werden.
Sonntag, 03. Juli 2022
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