13.12.2017 09:17 |

Doppel-Überfall

Innsbruck: Jagd auf flüchtigen Supermarkt-Räuber

Jede Spur fehlt nach wie vor von jenem Täter, der - wie berichtet - am Montag Abend in Innsbruck-Hötting zwei Supermärkte überfallen und für große Panik gesorgt hatte! In beiden Fällen feuerte der maskierte Räuber aus einer Faustfeuerwaffe einen Schuss ab - eine Kassierin wurde sogar kurzzeitig als Geisel genommen. Die "Krone" rekonstruierte den spektakulären Doppel-Überfall und sprach mit Augenzeugen des Einsatzes.

Schwer bewaffnete Polizisten samt schusssicheren Westen und Helmen, unzählige Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht, Hundestaffeln, abgeriegelte Straßen, geschockte Zeugen: In Innsbruck herrschte Montag am Abend Großalarm!

Was war geschehen? Gegen 19.15 Uhr stürmte ein maskierter Mann in einen Supermarkt im Untergeschoß des Einkaufszentrums "West" und bedrohte im Bereich der Kassa Personal und Kunden mit einer Faustfeuerwaffe. "Der Täter habe dabei auch einmal in die Luft geschossen", bestätigt LKA-Chef Walter Pupp.

Panik machte sich breit - Zeugen außerhalb des Geschäftes warfen sich teils auf den Boden, andere wiederum suchten auf schnellstem Wege das Weite. Kurzzeitig soll der Täter sogar eine Kassierin als Geisel genommen und sie gezwungen haben, mit ihm in die Tiefgarage zu gehen. Nachdem er die völlig eingeschüchterte Frau dort wieder freigelassen hatte, ergriff er mit einem "relativ geringen Bargeldbetrag" die Flucht aus dem riesigen Gebäude. Doch der unbekannte Ganove hatte offenbar noch lange nicht genug!

Waffe in Rücken gerammt

Während die Polizei zum Einsatzort eilte, gab es nur rund 350 Meter weiter den nächsten Überfall. Tatort war der Spar-Supermarkt am Fürstenweg, der Ablauf komplett derselbe. Ein bewaffneter Mann stürmte zur Kassa, bedrohte die Kassierin und gab einen Schuss ab. Danach habe der Täter einer Kundin die Pistole heftig in den Rücken gerammt. Laut Chefermittler Pupp erlitt die Frau dabei leichte Verletzungen. Letztendlich machte sich der schießwütige Ganove - erneut mit nur geringer Beute - aus dem Staub.

Zwei Überfälle, ein Täter

Eine sofort eingeleitete Alarmfahndung blieb bis dato erfolglos. Die Spurensicherung arbeitete die ganze Nacht über und auch noch am Dienstag auf Hochtouren. Die Ermittler gehen jedenfalls davon aus, dass es sich in beiden Fällen um ein und denselben Täter handelte. "Nach Auswertung der Videoaufzeichnungen ist das für uns klar. Besonders die Schuhe des Mannes sind auffällig", erklärt Pupp. Die Schüsse sollen aus einer Schreckschusspistole abgefeuert worden sein.

Die ersten Zeugenbefragungen gestalteten sich schwierig, weil viele teils schwer geschockt waren. Im Gymnasium über dem Einkaufszentrum "West" wurde noch am Abend ein Notlager eingerichtet - dort wurden laut Rotem Kreuz 35 Betroffene von einem Kriseninterventionsteam betreut.

Von Seiten des Shopping-Centers hieß es am Dienstag, dass zum Tatzeitpunkt nur noch die zwei Supermärkte offen gehabt und sich deshalb nur relativ wenige Kunden im Gebäude befunden hätten.

Coups waren genau geplant

Um den Täter doch noch überführen zu können, hofft die Polizei nun auf Hinweise. Pupp vermutet, dass die Coups im Vorfeld genau geplant wurden. "Der Täter verfügt entweder über gute Ortskenntnisse oder hat die Umgebung im Vorfeld genau ausgekundschaftet."

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"Mir war schon sehr mulmig"

Zwei Augenzeugen schildern die aufreibenden Minuten rund um die beiden Überfälle am Montag Abend. "Krone"-Redakteurin Jasmin Steiner erlebte den Großalarm in Innsbruck hautnah: Sie hielt sich zufällig in der Nähe der Schauplätze auf. Auch Samuel Fischer, dessen Geschäft gegenüber des überfallenen Spar-Supermarktes liegt, verfolgte den Einsatz der bewaffneten Polizisten in Schusswesten von seinem Fenster aus.

Jasmin, du hast die Situation rund um das EKZ West miterlebt - wie war das?
Ich war so gegen 20 Uhr vor Ort, da standen die Menschen schon auf dem Parkplatz gegenüber. Ich habe mit einem Pärchen gesprochen, das zum Tatzeitpunkt im Hofer Supermarkt einkaufen war. Sie haben erzählt, dass sie gerade an der Kassa waren, als sie einen Schrei hörten. Sie meinten, dass für kurze Zeit Panik herrschte - einige Menschen seien weg gelaufen, andere haben geweint. Der Geschäftsführer des Geschäfts habe aber schnell gehandelt und alle im Lager in Sicherheit gebracht.

Wie ging es dann weiter?
Das Pärchen schilderte, dass sie im Lager auf weitere Anweisungen der Polizei gewartet hätten - diese habe sie dann auch über die Tiefgarage hinaus gelotst. Es durfte zunächst niemand zu seinem Auto - deswegen standen auch alle am Parkplatz. Schließlich hat sich ein Kriseninterventionsteam um alle Kunden und Mitarbeiter gekümmert.

Wie war die Stimmung?
Mir war schon sehr mulmig. So ein Polizeiaufgebot habe ich in Innsbruck noch nie gesehen. Selbst die Polizisten wirkten zum Teil angespannt.

Du warst auch beim Spar am Fürstenweg. Wie war die Situation dort?
Der Spar war komplett abgeriegelt - ein Teil der Mitarbeiter stand im Freien. Sie waren ziemlich aufgebracht, haben gezittert - niemand wusste, was drinnen passiert war. Auch da stand ein Pärchen - die Frau hat geweint. Viele Nachbarn waren aufgelöst - sie haben in dieser Nacht sicher nicht sehr gut geschlafen.

"Ich sah nur Blaulichter"

Samuel, was hast du denn vom Überfall mitbekommen?
Ich habe gearbeitet - wir haben den Laden bis 20 Uhr geöffnet - als plötzlich eine Unmenge an Blaulichtern vor dem Fenster auftauchte. Es war sofort klar, dass hier was Gröberes passiert ist.

Schildere bitte die Lage.
Die Polizei hat die Straße dicht gemacht - direkt vor unserem Fenster standen mehrere große Einsatzwagen. Auch Rettung, Notärzte und Zivilpolizei waren vor Ort. Schwer bewaffnete Polizisten patrouillierten vor unserem Geschäft. Ein Mann kam aus dem Spar gerannt. Die Polizei hat ihn sofort befragt, er war sichtlich aufgewühlt. Ich nehme an, er war zum Tatzeitpunkt im Spar. Jedenfalls habe ich gehört, dass er von einer Waffe gesprochen hat. In diesem Moment war aber noch nicht klar, um welche Art von Waffe es sich handelte.

Wie ging es dir?
Es lag schon Aufregung in der Luft. Ein Mädchen kam zu mir in den Laden und fragte, was denn passiert sei. Die Polizei hat viele Passanten aufgehalten und intensiv befragt, ob jemand etwas gesehen hätte. Ich selbst hatte keine Angst. Aber andere standen unter Schock.

Hubert Rauth und Anna Haselwanter, Kronen Zeitung

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