Mo, 10. Dezember 2018

Salzburger Nockerln

29.09.2017 22:00

Stella spielt Anna an die Wand

Julian Pölsler verfilmt nach "Die Wand" erneut einen Marlen Haushofer-Roman: Premiere ist heute im Das Kino

Mit seiner Verfilmung von Marlen Haushofers Roman "Die Wand" lockte Julian Pölsler in Österreich 100.000 und in Deutschland eine halbe Million Besucher in die Kinos. Dass auch "Wir töten Stella", dessen Vorlage ebenfalls aus der Feder der oberösterreichischen Autorin stammt, ein Erfolg wird, davon ist auszugehen. Zum einem übernimmt auch diesmal die deutsche Mimin Martina Gedeck die Hauptrolle, und zum anderen dreht sich in dem Streifen, der heute im Das Kino Premiere feiert, alles um Beziehungsprobleme, und mit denen hat schließlich jeder zu kämpfen.

Kurz zum Inhalt: Die junge Stella (Mala Emde) wird von Annas (Gedeck) Ehemann Richard (Matthias Brandt) verführt, geschwängert, zur Abtreibung gezwungen und letztendlich in den Selbstmord getrieben. Anna, die stets den schönen Schein der Vorzeigefamilie wahren will, fühlt sich mitschuldig und versucht durch das Niederschreiben von Stellas Geschichte ihre Seele zu reinigen

"Anna ist eine einsame Heldin, die das Unbegreifbare und Unbeschreibbare in ihrer Niederschrift versucht zu beschreiben. Dies filmisch umzusetzen war durchaus kein Leichtes. Ich hatte es mit einer völlig passiven Heldin zu tun, deren Zerrissenheit, Gespaltenheit und Suche nach der Wahrheit sich großteils in ihrem Inneren abspielt. Sie führt quasi einen inneren Krieg und stößt dabei an ihre Grenzen, ihre inneren Wände, aus denen es kein Entkommen gibt", so Pölsler, der "Stella" als eine Art Vorlage zur "Wand" sieht. "Diese schrecklichen Wände, die Anna in ihrer Beziehung umstellen, sind ähnlich jenen Wänden, die sie dann im Wald erlebt."

An Haushofer, die "Wir töten Stella" tatsächlich fünf Jahre vorher 1958 verfasste und die beiden Romane mit "Die Mansarde" vollendete", schätzt Pölsler insbesondere ihre präzise Sprache. "Für mich steht sie völlig zu Unrecht im Schatten von Bachmann und anderen Autorinnen ihrer Zeit. Haushofer hat einen gebührenden Platz in der österreichischen Literatur verdient, und ich hoffe mit meinem filmischen Werk einen Teil dazu beizutragen. Außerdem fasziniert es mich als Mann in diese Frauenwelt vorzudringen, und so Dinge, die mir sonst verschlossen bleiben, besser zu begreifen!" Deshalb nimmt er sich in seinem nächsten Projekt mit Christine Lavant auch einer starken Frau an - er verfilmt ihre Erzählung "Das Wechselbälgchen". Zuvor inszeniert er aber im Theater in der Josefstadt Ferdinand von Schirachs Gerichtsstück "Terror". Den diesjährigen Festspiel-Redner hat er im übrigen für eine Regiebesprechung in der Mozartstadt getroffen. "Ich bin ein großer Festspiel-Freund und Salzburg-Fan. Meine zwei Brüder leben hier, außerdem haben wir auch Szenen für ,Die Wand’ im Lammertal gedreht!"

Diesmal fiel in Gosau die Klappe: "Von dort hatte ich den direkten Blick auf den Gosaukamm und somit fast ins benachbarte Salzburg", lacht der gebürtige Steirer, der sich auch für die Verfilmung von Alfred Komareks Krimiromane "Polt" verantwortlich zeigt. "Im nächsten Fall, der vermutlich im Herbst ausgestrahlt wird, steht Erwin Steinhauer Iris Berben zur Seite. Eine tolle und auch sehr starke Frau, in die ich mich sofort verliebt habe", verrät er mit einem Augenzwinkern.

Privat bleibt dem Regisseur kaum Zeit für eine Beziehung. "Dafür steht mir aber Lux, der Hund aus der ,Wand’ seit acht Jahren zur Seite. Ein treuer und sehr verlässlicher Partner."

Tina Laske, Kronen Zeitung

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
3:1 nach Verlängerung
River Plate gewinnt Krimi um Copa Libertadores!
Fußball International
Deutsche Bundesliga
Mönchengladbach weiter erster Dortmund-Verfolger!
Fußball International
Hier das Video
Zittersieg! Bale rettet Real gegen Schlusslicht
Fußball International
Für 28 Millionen Euro
Özil droht „Abschiebung“ von Arsenal zu Inter!
Fußball International
Deutsche Frauen-Liga
Prohaska, Georgieva & Billa überzeugen mit Toren!
Fußball International
In Schottland-Liga
Rapids EL-Gegner Rangers neuer Tabellenzweiter
Fußball International
Krawall in Mattersburg
Fan-Wut! Austria-Anhang geht auf Spieler los
Fußball National

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.