15.04.2017 13:55 |

Günter Riegler

Der neue Kulturstadtrat spricht Klartext

Er spricht Klartext und ist auch nicht zu eitel, um nicht zuzugeben, dass er sich in Details erst noch hineinarbeiten muss. Im Regierungsprogramm sieht er eher einen Handlungsfaden als einen Arbeitskatalog. Günter Riegler ist Kulturstadtrat, ein Pragmatiker, der fest an die Relevanz von Kunst glaubt. Uns hat er verraten, was er sich bei der Bestellung gedacht hat und warum der "steirische herbst" ein Vorbild ist.

"Krone": Was war Ihr erster Gedanke, als Sie die Kultur angeboten bekommen haben?
Günter Riegler: "Toll!" - Ich hab seit meiner frühesten Jugend Politik in Graz miterlebt, 1982 die Kulturinitiative "ARTiges Graz" mitbegründet. Wir waren Schüler aus der Oberstufe und wollten jungen und unetablierten Künstlern eine Auftrittsmöglichkeit bieten. Wir haben Lesungen und ein Jugendkunstfest produziert. Ich sehe Kultur seit langem als spannendes Betätigungsfeld.

"Krone": Das war also letztlich der Grund, warum Sie die Funktion übernommen haben?
Riegler: Ja. "Nur" Finanzen allein wäre super, aber Kultur und Kunst sind etwas, wo man ein persönliches Anliegen mittransportieren kann. Ich meine - und das klingt hoffentlich nicht naiv -, dass die Menschheit und unser Zusammenleben durch Kultur toleranter und friedlicher werden.

"Krone": Was wird das Reizvollste an der Aufgabe?
Riegler: Den Roten Faden zu entwickeln. Natürlich sind die verschiedensten Kunstgattungen wichtig, und Vielfalt ist ein Wert an sich, aber ich denke, dass wir bald eine Strategie haben sollten, Dinge entwickeln zu können, statt sie nur geschehen zu lassen. Da ist der "steirische herbst" ein Vorbild, wo es auch nicht darum geht, dass das Festival das abbildet, was jeder so gerade macht, sondern relevante Themen in den Mittelpunkt zu rücken.

"Krone": Ein großes Problem für Kulturstadträte ist der geringe finanzielle Spielraum.
Riegler: Ja, es gibt große Fixkosten wie die Bühnen, es gibt mehrjährige Fördervereinbarungen, und dann bleibt halt noch ein bissl was. Es wäre nicht seriös, wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon Antworten parat hätte.

"Krone": Bleiben wir bei den mehrjährigen Fördervereinbarungen: Unter Ihrer Vorgängerin Lisa Rücker gab es eine Evaluierung der Kulturszene, die Verträge - nun 81 statt 60 - waren unterschriftsreif. Dann kamen die Neuwahlen dazwischen. Werden Sie da nachjustieren oder die Ergebnisse übernehmen?
Riegler: Ich denke, bei der Evaluierung geht es weniger um Förderhöhen, sondern um eine allgemeine Beurteilung von Relevanz und Qualität. Ich muss mir das noch genauer anschauen. Ich denke aber nicht, dass ich da eingreifen werde. Das ist ja auch gar nicht vorgesehen.

"Krone": Aber ist es für Sie nicht auch problematisch, dass Erbe Lisa Rückers anzutreten?
Riegler: In unserem System wird Kunst im Rahmen der Evaluierung von Experten beurteilt. Ich halte nichts davon, dass ein Einzelpolitiker entscheidet, was Kunst ist und was nicht. Deshalb denke ich, ich werde das übernehmen, was hier an Vorarbeit geleistet worden ist.

"Krone": Kommen wir zur Agenda Graz 22, dem Regierungsprogramm. An den Zielsetzungen im Bereich Kunst und Kultur haben Sie mitgewirkt?
Riegler: Ich bin dazugekommen, als das Gerüst gestanden ist, aber man konnte Änderungen vornehmen. Ich habe ein paar Sachen umgestellt, ein paar Sätze geändert und gelöscht. Aber irgendwelche Ansagen wollte ich nicht hineinreklamieren. Ich sehe in der Agenda einen lockeren Orientierungsrahmen.

"Krone": Soll das GrazMuseum ein höheres Budget bekommen?
Riegler: Muss ich mir anschauen, mir gefällt gut, dass man dort oft zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung nimmt und nicht bloß irgendwelche Erbschaften und alte Schinken verwaltet.

"Krone": Allerdings steht in der Agenda, dass das GrazMuseum in "entideologisierter Weise" arbeiten soll? Gab’s dort denn "ideologisierte Arbeit", die dem Rathaus nicht gepasst hat?
Riegler: Also das ist sicher nicht meins, dass man den Kulturbetrieb vom Rathaus aus steuern möchte. Es gibt eventuell strategische Leitlinien, wo man Institutionen wie das GrazMuseum bitten wird, mitzuarbeiten. Aber irgendwelche inhaltliche Beschränkungen wird es von unserer Seite nicht geben!

"Krone": Die Regierung bekennt sich auch zu den stadteigenen Bühnen. Es gab oft Einsparungsüberlegungen, etwa fürs Ballett oder fürs Orchester. Das ist alles vom Tisch?
Riegler: Ja. Ich bin außerdem stolz darauf, in einer Stadt zu leben, in der das alles nicht in Frage gestellt wird.

"Krone": Bei manchem Agenda-Punkt gewinnt man den Eindruck, dass man sich am Land anlehnt - etwa bei der Volkskultur, der Lichtkunst. Wird die Stadtpolitik am Nikolaiplatz (Büro des Kulturlandesrats, Anm.) gemacht?
Riegler (lacht): Nein, im Gegenteil - es muss Kulturpolitik von der Stadt gemacht werden. Logischerweise gibt es aber Verschränkungen mit dem Land.

"Krone": Die Agenda kritisiert das Fachbeirats-System.
Riegler: Man muss überlegen, ob man etwas optimieren kann, aber ich erinnere mich noch aus meiner Zeit am Rechnungshof, dass das System gar nicht so schlecht ist.

"Krone": Die größte Herausforderung wird sein?
Riegler: Der Versuch, aus vielen Fragestellungen eine Handschrift zu entwickeln. Und Kunst wird oft als Luxus gesehen, ihre Bedeutung für die Gesellschaft zu wenig geschätzt. Ich möchte auch als Person kommunizieren, welchen Wert Kultur hat.

"Krone": Und budgetmäßig?
Riegler: Eine Strategie für das richtige Maß zu finden, das Vielfalt und Neues ermöglicht. Vielfalt muss gefördert werden, aber man muss aufpassen, ob sich nicht irgendwann eine Überversorgung einstellt, unter der dann alle Initiativen leiden.

"Krone": Ihr größter Wunsch?
Riegler: Ein Vertrauensvorschuss, aber wir werden nach Ostern mit sehr vielen Einzelgesprächen beginnen.

Martin Gasser, Kronen Zeitung

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