Weltweites Abkommen
Historische Einigung bei Klimagipfel in Paris
Die UNO-Klimakonferenz in Le Bourget bei Paris hat am Samstagabend das neue weltweite Klimaschutzabkommen beschlossen. Es ist das erste Mal, dass sich alle 195 beteiligten Staaten vertraglich dazu bekennen, Anstrengungen im Kampf gegen die ErderwĂ€rmung zu unternehmen. Der Vertrag sieht eine Begrenzung der ErderwĂ€rmung auf 1,5 bis zwei Grad sowie finanzielle und technische UnterstĂŒtzung fĂŒr EntwicklungslĂ€nder vor. "Die Pariser Vereinbarung ist angenommen", verkĂŒndete Konferenzleiter Laurent Fabius unter dem Jubel und minutenlangen Applaus der Delegierten.
Langfristig sollen nicht mehr Treibhausgase ausgestoĂen werden als gleichzeitig von der Natur wieder aufgenommen werden können. Die nationalen Klimaziele werden allerdings weiterhin von den einzelnen LĂ€ndern festgelegt - bisher reichen die vorliegenden PlĂ€ne nicht aus, um den Klimawandel auf ein ertrĂ€gliches MaĂ zu begrenzen. Zahlreiche UmweltschĂŒtzer werteten den Vertragstext als starkes Signal zur Abkehr von den fossilen EnergietrĂ€gern Kohle, Ăl und Gas. Sie hĂ€tten sich aber frĂŒheres Handeln und mehr konkrete Verpflichtungen fĂŒr die einzelnen Staaten gewĂŒnscht.
In dem 31-seitigen Abkommen setzt sich die Staatengemeinschaft das Ziel, die ErderwĂ€rmung deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten. Und die BemĂŒhungen sollten fortgesetzt werden, den Temperaturanstieg bei 1,5 Grad zu begrenzen. Dies ist ein Schritt auf die besonders betroffenen Staaten zu, etwa kleine Inseln. FĂŒr diese hĂ€tte schon eine Zwei-Grad-ErwĂ€rmung katastrophale Folgen.
Weltweit solle so rasch wie möglich ein Höhepunkt und dann eine schnelle Senkung der Treibhausgasemissionen erreicht werden. EntwicklungslĂ€ndern wird dafĂŒr mehr Zeit eingerĂ€umt. Jahreszahlen sind nicht festgelegt. In der zweiten JahrhunderthĂ€lfte soll dann ein Gleichgewicht zwischen noch ausgestoĂenen Treibhausgasen und deren Bindung, etwa durch WĂ€lder, erreicht werden. Mit dieser Null-Netto-Treibhausgasemission wĂ€ren fossile EnergietrĂ€ger dann kaum noch nutzbar.
Erste ĂberprĂŒfung des Abkommens 2023
Die erste globale Bestandsaufnahme und ĂberprĂŒfung soll dem Abkommen zufolge 2023 stattfinden. In einer ergĂ€nzenden EntschlieĂung ist zudem eine informelle Bewertung der Emissionsziele 2018 vorgesehen, die Vorlage erster nachgebesserter PlĂ€ne bis 2020. Verwiesen wird dabei auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Weltklimarats IPCC.
Milliardenschwere UnterstĂŒtzung fĂŒr Ă€rmere LĂ€nder
Bestehende finanzielle Zusagen werden bekrĂ€ftigt. Dabei geht es vor allem um das Versprechen der Industriestaaten, Ă€rmeren LĂ€ndern ab 2020 jĂ€hrlich 100 Milliarden Dollar fĂŒr Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen zur VerfĂŒgung zu stellen. AusdrĂŒcklich genannt wird diese Summe allerdings nur in der ergĂ€nzenden EntschlieĂung, ebenso wie die Absicht, bis 2025 eine neue, höhere Summe festzulegen.
Im Hintergrund steht die Forderung von Entwicklungs- und SchwellenlĂ€ndern nach einer strikten "Differenzierung", wonach Pflichten nur Industriestaaten zugewiesen werden, wegen deren historischer Verantwortung fĂŒr Emissionen. Letztere wollen diese strikte Zweiteilung ĂŒberwinden. Industriestaaten sollen Ă€rmere LĂ€nder weiters bei der Anpassung an Klimafolgen unterstĂŒtzen, auch durch Technologietransfer und den Aufbau entsprechender FĂ€higkeiten. Viele EntwicklungslĂ€nder hatten im Vorfeld der Konferenz vehement Zahlungen der Industriestaaten als EntschĂ€digung fĂŒr bereits eingetretene KlimaschĂ€den gefordert. Im Vertragstext wird dieses Problem anerkannt, konkrete Zusagen gibt es dazu sonst nicht.
Abkommen muss noch ratifiziert werden
Das Abkommen wird ab 22. April 2016 im UNO-Hauptquartier in New York fĂŒr ein Jahr zur Unterzeichnung aufliegen. Nach Ablauf dieser Frist beginnt der Ratifizierungsprozess. Der Vertrag tritt in Kraft, wenn mindestens 55 Staaten ratifiziert haben und diese LĂ€nder mindestens 55 Prozent des globalen TreibhausgasausstoĂes verursachen. Das Abkommen selbst ist rechtlich bindend, nicht jedoch die nationalen Zusagen zum CO2-AusstoĂ oder zu finanziellen BeitrĂ€gen. Ein Sanktionsmechanismus bei Vertragsverletzungen ist nicht vorgesehen.
Video aus dem Archiv: IT-GröĂen forschen gegen den Klimawandel







Da dieser Artikel Àlter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: ThemenĂŒbersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.