So, 19. August 2018

Wirbel am Grazer LKH

13.04.2015 17:38

"Keine Spitzenmedizin mehr!"

Hinter den Kulissen der Grazer Uniklinik brodelt es. "Gefahr im Verzug!" haben ja Unfallchirurgen ausgerufen; sogar deren Chef ließ per Mail wissen, dass er die Haftung für die Unfall-Chirurgie nicht mehr tragen könne. Und jetzt bittet die (einstige?) Spitzeneinheit gar um personelle Unterstützung aus der Peripherie...

"Wir arbeiten gerade an unserem Dienstplan", sagt Franz Josef Seibert, Chef der Unfall-Chirurgie am LKH-Graz. Und räumt ein: "Einfach ist es nicht, einen solchen zu erstellen." Ansonsten möchte er nicht "noch mehr Öl ins Feuer gießen, da ist schon so viel Porzellan zerschlagen worden". Dass er "Druck von oben" bekäme weist der Chirurg von sich. In einer Mail ließ Seibert kürzlich die Bombe platzen: Er könne die Haftung für die Unfall-Chirurgie nicht mehr tragen. Das bliebe auch aufrecht, bestätigte Seibert gestern der "Krone".

Wie berichtet ist die Personaldecke an der Unfall-Chirurgie dünn geworden. "Sieben Oberärzte sind in den letzten drei Jahren gegangen", sagt Rainer Gumpert. Er ist einer davon und will "nicht länger schweigen". "Ich kämpfe für die beste Versorgung der Patienten. Und die ist im Moment nicht gewährleistet."

Und neueste Entwicklungen geben ihm offensichtlich recht: In einer Mail auch an den Gesundheitslandesrat Christopher Drexler sprechen Mitarbeiter der Unfallchirurgie von einem "erheblichen Vakuum an hochqualifizierten Spezialisten in der letztversorgenden unfallchirurgischen Klinik der Steiermark, dem einzigen Level 1 Traumazentrum". Auch Äußerungen von KAGes-Vorstand Karlheinz Tscheliessnigg in Bezug auf die Trennung von Rainer Gumpert weisen die Mitarbeiter "auf das Schärfste" zurück. Die meisten Kollegen "bedauern den Verlust einer treibenden Kraft in der Wirbelsäulen-Traumatologie". Auf "Verständnislosigkeit" stößt auch die Versetzung eines Kollegen nach Wagna. Die besonders pikant wird, wenn man hört, dass das Spitzenzentrum in Graz jetzt um Hilfe aus der Peripherie bittet! Die wurde aus Feldbach u.a. in Form von zwei "Alt-Assistenten" angeboten.

Dr. Rainer Gumpert: "Das alles ist wie ein Fleckerlteppich, hat mit Spitzenmedizin nichts zu tun. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um die Patienten."

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