Do, 20. September 2018

Schon in 2 Jahren

13.04.2015 10:31

Dieser Mann will 1. Kopftransplantation der Welt

Ein todkranker Russe hat sich für die erste Kopftransplantation der Welt bereit erklärt. Valery Spiridonov leidet unter Spinaler Muskelatrophie - unheilbarem, sich stetig verschlechterndem Muskelschwund. Die Operation durchführen will der italienische Neurochirurg Sergio Canavero, der überzeugt ist, Spiridonovs Kopf schon in zwei Jahren mit einem Spenderkörper verbinden zu können. Andere Mediziner sind vom Vorhaben schlichtweg entsetzt.

Canaveros Projekt, das er in Turin leitet, nennt sich HEAVEN - Head Anastomosis Venture (übersetzt in etwa: Kopf-Verbindungs-Projekt). Aus zahlreichen Bewerbern habe er Spiridonov ausgewählt, weil er überzeugt sei, dass eine Person mit Muskelschwund der erste Patient sein solle, sagte der Neurochirurg gegenüber CNN.

Die Krankheit wurde bei Spiridonov mit zwölf Monaten diagnostiziert, seither verschlechtert sich der Zustand des 30-jährigen Informatikers stetig. "Meine Entscheidung ist endgültig und ich habe nicht vor, es mir anders zu überlegen", so Spiridonov gegenüber der "Daily Mail". Er habe Angst, aber das Vorhaben sei auch sehr interessant. Er habe kaum eine Wahl, erklärte der 30-Jährige. "Wenn ich diese Chance nicht nütze, wird mein Schicksal sehr traurig sein."

So soll die Operation ablaufen
Sein Leben legt er nun in die Hände Canaveros, den er bisher nur durch Videochats über das Internet kennt. Der Arzt erklärte gegenüber "New Scientist", er wolle die Körper Spiridonovs und eines verstorbenen Spenders kühlen, sodass keine Zellen absterben. Dann werde Spiridonovs Kopf abgetrennt und alle wichtigen Blutgefäße mit Schläuchen versehen. Als nächstes werde der Kopf auf den Körper gesetzt und das Rückenmark verbunden. Gelingen soll das mit einer Chemikalie, die angeblich das Fett in den Zellmembranen dazu bringt, eine Verbindung einzugehen. Dieser Prozess müsse stundenlang wiederholt werden, dann könnten Muskeln und Blutgefäße verbunden werden.

Drei bis vier Wochen Koma zur Heilung seien dann nötig, so Canavero. Währenddessen würden über eingepflanzte Elektroden Signale gesendet, um die neuen Nervenverbindungen zu stärken. Nach etwa einem Jahr solle der Patient dann wieder gehen können. Der Arzt ist überzeugt davon, dass die Operation gelingen kann. Schließlich würden alle nötigen Techniken bereits existieren. Schon 1970 sei in den USA der Kopf eines Affen verpflanzt worden, so Canavero. Allerdings starb das Versuchstier nach nur acht Tagen, konnte nicht selbstständig atmen und sich mangels funktionierender Verbindung des Rückenmarks nicht bewegen.

Medizinerkollegen entsetzt: "Schlimmer als der Tod"
Auch wenn Canavero darauf hinweist, dass sich die Medizin inzwischen radikal weiterentwickelt habe, halten viele seiner Kollegen das Vorhaben für unmöglich und unverantwortlich. Zwar könne man vermutlich Atemwege, Blutgefäße und die Wirbelsäule verbinden, doch nicht das Rückenmark. Das Resultat sei auch beim Menschen die Unfähigkeit, sich zu bewegen und zu atmen, erklärte etwa der Vorsitzende der US-Neurochirurgen, Hunt Batjer, gegenüber CNN. "Ich würde das niemandem wünschen, ich würde niemandem erlauben, mir das anzutun. Es gibt viele Dinge, die schlimmer sind als der Tod", so Batjer.

Auch der Arzt Arthur Caplan, unter anderem für medizinethische Fragen am New Yorker Langone Medical Center zuständig, erklärte, wissenschaftlich gesehen sei die Kopftransplantation unmöglich. Es handle sich um eine PR-Aktion Canaveros, der schlicht "verrückt" sei. Vor einem derartigen Vorhaben müsse an unzähligen Tieren getestet werden, zudem sollte zuerst querschnittsgelähmten Personen geholfen werden - bisher gibt es nur einige wenige Fälle, bei denen das Rückenmark wieder verbunden werden konnte, und auch das nicht bei vollständiger Durchtrennung.

Unverantwortlich oder fortschrittlich?
Die unterschiedliche Körperchemie und die zahllosen neuen Verbindungen zwischen den Körperteilen würden zudem dazu führen, dass die Organe verrückt spielen, so Caplan. Schon bei an seinem Institut durchgeführten Gesichtstransplantationen seien so hohe Dosen von Immununterdrückern nötig, dass das Risiko für Krebs und Nierenversagen extrem hoch sei. Zudem erhielten Patienten schon bei Gesichtstransplantationen nicht immer die volle Funktionalität ihrer neuen Organe. "Es ist nicht so, als könnte man Ihren Kopf abschrauben und auf jemand anderen setzen", so Caplan.

Canavero will sich von den Kritikern aber nicht abhalten lassen. "Wir können das jetzt schon tun", so der umstrittene Mediziner. Und auch sein Patient ist überzeugt: "Ich mache das nicht, weil ich kein Leben habe, aber ich denke, dass Wissenschaft von denen weiterentwickelt wird, die bereit sind, Risiken zu tragen und sich etwas hinzugeben."

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