Fr, 17. August 2018

Wilde Spekulationen

06.04.2015 12:49

Anonymous deutet an: Airbus wurde abgeschossen

Tragische Ereignisse wie der Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen haben die Tendenz, Verschwörungstheoretiker auf den Plan zu rufen, die dann in kürzester Zeit das Internet mit wilden Spekulationen füllen. Das Hackernetzwerk Anonymous postete bereits wenige Tage nach dem Unglück erste dubiose Meldungen auf Facebook. Jetzt behaupten die Aktivisten sogar, dass der Airbus nicht von Co-Pilot Andreas Lubitz zum Absturz gebracht, sondern von der französischen Luftwaffe abgeschossen wurde.

Normalerweise fällt Anonymous damit auf, Websites von politisch umstrittenen Organisationen lahmzulegen. Doch der deutsche Ableger des Netzwerkes verbreitet nun Gerüchte über einen angeblichen Abschuss der Germanwings-Maschine über Facebook.

Dabei beziehen sich die Aktivisten auf eher fragwürdige Quellen wie etwa ein YouTube-Video, auf dem die Aufnahme des Voice Recorders zu hören sein soll. Dabei handelt es sich offenbar um eine geschmacklose Fälschung inklusive Atmen, Schreien und dumpfen Schlägen. Auf YouTube tauchten in den vergangenen Tagen immer häufiger derartige Aufnahmen auf - die aber alle unterschiedlich klingen. Die echte Aufnahme soll hingegen das letzte Gespräch vor dem Absturz dokumentieren.

Anschlag auf Staudamm?
Des Weiteren bezieht sich Anonymous auf die Flugdatenwebsite "Flightradar24.com". Ein Screenshot von dem Webdienst zur Positionsdarstellung von Flugzeugen soll angeblich eine Linkskurve in Richtung eines großen Staudamms zeigen. Die Mauer am Lac de Serre-Poncon staut den Oberlauf des Flusses Durance und ist Europas größter Erddamm, an der Basis ist er 123 Meter dick. Anonymous deutet an, dass der Germanwings-Jet abgeschossen worden sei, weil man einen Anschlag auf den Damm fürchtete.

Tatsache ist zwar, dass, nachdem der Funkkontakt mit der Maschine abriss, ein französischer Kampfjet des Typs Mirage 2000 aufstieg, um die Maschine abzufangen. Doch als der Pilot die zuletzt gemeldete Position der Maschine erreichte, war es bereits zu spät. Es ist ein üblicher Vorgang, Kampfjets loszuschicken, wenn der Kontakt zu Passagierflugzeugen abbricht. Hinweise auf einen Abschuss wurden von den Ermittlern nicht gefunden.

Warum es keine größeren Trümmerteile gibt
Auch wundert sich Anonymous darüber, dass es keine brennenden großen Trümmerteile gab bzw. dass das Flugzeug vollständig zerstört wurde. Angesichts der Kräfte, die auf die Maschine wirken, verwundert das allerdings wenig: Da die rund 70 Tonnen schwere Passagiermaschine mit etwa 800 km/h auf die Felswand stürzte, entspricht die Aufprallenergie von rund 1,4 Gigajoule der Detonation einer Bombe von rund 0,3 Tonnen TNT.

Prallt ein Flugzeug nicht wie die A320 frontal in einen Hang, sondern schlägt in einem flachen Winkel auf dem Boden auf, ist die Aufprallenergie deutlich geringer. Daher bleiben dabei häufig größere Teile des Flugzeugs erhalten. Die größten Trümmer, die nach dem Germanwings-Absturz geborgen werden konnten, hatten etwa die Maße eines Kleinwagens.

Weitere Verschwörungstheorien im Internet
Doch die Aktivisten von Anonymous sind nicht die einzigen, die dubiose Verschwörungstheorien ins Netz stellen. So behauptet etwa der Autor der Website "Alles Schall und Rauch", dass das Flugzeug bereits in der Luft gebrannt habe und vor dem Aufprall auseinanderbrach. Er beruft sich dabei auf angebliche Augenzeugen. Andere wiederum sehen Parallelen zur in der Ukraine abgestürzten Maschine der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17.

Für die Ermittler gilt es hingegen als sicher, dass der Co-Pilot die Maschine absichtlich zum Absturz brachte. Nach "Spiegel"-Informationen durchsuchte die Polizei in der vergangenen Woche mehrere Arztpraxen, die Lubitz konsultiert haben soll. Dabei wurden die Krankenakten des Co-Piloten sichergestellt. Lubitz suchte demnach sowohl Fachärzte für Neurologie als auch für Psychiatrie auf. Seine Depressionen dürften der Auslöser für seine Wahnsinnstat gewesen sein.

Staatsanwaltschaft will Handys auswerten
Die Absturzstelle wird weiter von Polizei und Gendarmerie gesichert. Am Osterwochenende waren die Arbeiten nach Angaben der Präfektur weitgehend eingestellt worden, die Einsatzkräfte suchen aber noch weiter nach persönlichen Gegenständen der 150 Opfer. Die Staatsanwaltschaft in Marseille hatte bereits von zahlreichen Handys berichtet, die gefunden worden seien, die Auswertung der Daten ist aber wegen des Zustands der Telefone nicht gesichert. In der kommenden Woche soll damit begonnen werden, Wrackteile von der Unglücksstelle abzutransportieren.

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