"Vier Pfoten"-Erfolg

Illegaler Welpenhandel auf willhaben.at aufgedeckt

Tierecke
04.08.2014 12:54
Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" kritisiert die groß angelegte Aufklärungskampagne gegen illegalen Welpenhandel, die gemeinsam von der Online-Verkaufsplattform willhaben.at und dem Österreichischen Tierschutzverein ins Leben gerufen wurde, als unzureichend. Der Anlassfall: Aktivistinnen haben vergangenen Donnerstag ein ungarisches Welpenhändler-Paar überführt, das Hundebabys über das Anzeigenportal angeboten hatte.

Die Händler seien den "Vier Pfoten" bereits seit Längerem aufgefallen, so die Tierschützer in einer Aussendung. Das Paar habe immer wieder Inserate unter unterschiedlichen Namen und mit wechselnden Adressen auf willhaben.at eingestellt. Im konkreten Fall war im Inserat eine Adresse in Wien-Liesing angegeben worden, die Händler brachten die Hunde dann aber aus dem ungarischen Sopron.

Tierrettung brachte Welpen ins Tierschutzhaus
Die sehr schwächlich wirkenden Mischungen aus Mops und West Highland White Terrier, die um je 170 Euro angeboten wurden, waren nicht gechippt und hatten lediglich ungarische Impfpässe. Die acht bis neun Wochen alten Tiere waren auf illegalem Weg nach Österreich gebracht worden. Einer der Welpen war offensichtlich schwer krank, weshalb der Amtstierarzt auch unverzüglich die Tierrettung anrief, die beide Tiere ins Wiener Tierschutzhaus brachte.

Die konfiszierten Welpen befinden sich mittlerweile im Wiener Tierschutzhaus. (Bild: Wiener Tierschutzhaus)
Die konfiszierten Welpen befinden sich mittlerweile im Wiener Tierschutzhaus.

Händler angezeigt, willhaben.at in der Kritik
Während nun gegen die Händler Anzeige wegen öffentlichen Feilbietens von Tieren sowie dem Transport von Tieren über EU-Grenzen ohne EU-Heimtierausweis erstattet wird, üben die "Vier Pfoten" Kritik an der Verkaufsplattform willhaben.at: "Auch wenn man dort beteuert, alles gegen den illegalen Handel mit Hunden zu tun: Unsere Aktion zeigt, dass man den Kampf gegen die Welpenmafia niemals gewinnen kann, solange man ihr selbst eine Plattform bietet", sagt Kampagnenmitarbeiterin Irina Fronescu.

Tierschützer: "Online-Handel mit Tieren verbieten"
Die Tierschützer bleiben bei ihrer Forderung, den Online-Handel mit Tieren explizit zu verbieten - so wie es auch Tierschutzstadträtin Ulli Sima Anfang Juli vorgeschlagen hat. Grundsätzlich dürfen private Anbieter laut §8a des Österreichischen Tierschutzgesetzes schon jetzt keine Tiere öffentlich verkaufen. Dazu berechtigt sind lediglich gemeldete Züchter oder Gewerbetreibende sowie Tierschutzorganisationen. Allerdings ist der Vollzug dieser Regelung im Online-Bereich schwierig, und Anbieter sind nicht zur Kontrolle der Inserate verpflichtet.

Vier Pfoten: "willhaben.at-Kampagne nicht nachhaltig"
Laut den "Vier Pfoten" geht die Kampagne von willhaben.at nicht auf das Kernproblem ein und kann somit niemals nachhaltig sein: "Privates öffentliches Feilbieten von Tieren ist nicht gestattet – so einfach ist das", sagt Irina Fronescu. "Diese Bestimmung wird durch das derzeitig gültige System auf willhaben.at, das es Privatleuten und gewerblichen Anbietern gleichermaßen erlaubt, Tiere auf der Plattform feilzubieten, unterwandert."

Beschlagnahmte Welpen in Quarantäne
"Wir haben gerade wieder den sprichwörtlichen lebenden Beweis dafür, dass die derzeitige Strategie nicht zielführend ist: Die beiden konfiszierten Welpen müssen nun wegen der Seuchengefahr monatelang in Quarantäne bleiben, isoliert von anderen Hunden – in einem Alter, in dem Sozialisierung für sie so wichtig ist. Und nach wie vor wissen wir gar nicht, ob der eine der beiden überhaupt überlebt", so Fronescu.

Willhaben: "Ein Verbot würde nicht greifen"
Michael Gawanda, Sicherheitsbeauftragter bei willhaben.at, kann die Forderungen nach einem Totalverbot nicht nachvollziehen: "Wir wollen den Käufern vermitteln, worauf beim Hundekauf zu achten ist, und ihnen damit helfen, gute Entscheidungen zu treffen. Bei Hunden, die besonders billig angeboten werden, wird eine Extra-Warnung eingeblendet." Die Welpeninserate würden stichprobenartig kontrolliert. "Ein Verbot würde nicht greifen - wir suchen eine Lösung im Sinne der Tiere und setzen daher auf Aufklärung der Käufer", so Gawanda.

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