Kommenden Montag, 13. April, feiert die welterfolgreiche Serie „Kommissar Rex“ um 20.15 Uhr auf ORF 1 ihr Comeback, mit neuen Kommissaren, neuen Handlungssträngen und in sechs Episoden auf Spielfilmlänge. Je drei Folgen wurden von Esther Rauch und Andreas Kopriva inszeniert – wir haben das Regie-Duo dazu genauer befragt.
„Krone“: Frau Rauch, Herr Kopriva – „Kommissar Rex“ war wahrscheinlich die erfolgreichste österreichische Serie aller Zeiten und wurde in 125 Länder verkauft. Jetzt gibt es eine Neuauflage, Sie haben jeweils drei Episoden inszeniert. Kann man bei so einem Projekt nicht tief fallen?
Andreas Kopriva: Die Nervosität und der Respekt waren natürlich da, aber letztendlich hat die Herausforderung gewonnen.
Sie waren beide mit Feuereifer dabei?
Kopriva: Selbstverständlich.
Esther Rauch: Ich habe vorher schon einmal kurz durchgeatmet und mir durch den Kopf gehen lassen, was das für ein Projekt ist. Ich bin mit „Kommissar Rex“ quasi aufgewachsen und war ungefähr zehn Jahre alt, als er erstmals ausgestrahlt wurde. Einerseits war die Entscheidung mutig, andererseits wollte ich natürlich herausfinden, was der Kern von „Kommissar Rex“ ist. Unabhängig davon, dass die Länge einer Episode anders ist, dass wir in einer anderen Zeit leben und andere Figuren dabei sind. Rex ist eigentlich weder Hund, noch Mensch, sondern ein Superheld. Gemeinsam mit seinem menschlichen Partner kann er einfach mehr als ein Durchschnittskommissar.
Kopriva: Und zwar kein Superheld von Marvel. (lacht)
Rauch: Ein Superheld ohne Cape.
„Kommissar Rex“ ist in gewisser Weise eine zeitlose Serie. Tier bleibt Tier. Ein Tier unterläuft über die Jahre keine so große Veränderung wie etwa Humor oder gewisse Ansichten zum Leben. War das ein Vorteil beim Drehen?
Rauch: Da hat sich schon viel getan. Das ist bei „Kommissar Rex“ sicher nicht so extrem der Fall. Bei „Rex“ stellt sich nicht die Frage, was sich in der Gesellschaft getan hat, sondern es geht um die Beziehung zwischen ihm und seinem Herrl. An den Eckpfeilern gab es da nichts zu rütteln. Genauso wie die Tatsache, dass es eine Krimiserie ist, wo jede Folge ein bisschen in ein anderes Genre hineinreicht.
Kopriva: Unumstößlich ist natürlich auch die Wurstsemmel.
Sie werden lachen, aber die Frage, ob Rex auch anno 2026 die klassische Wurstsemmel essen wird, hat im Medienbereich viele Menschen beschäftigt …
Kopriva: So wie Rex ein Schäferhund sein muss, muss auch die Wurstsemmel sein. Das geht ja gar nicht anders. Die Wurstsemmel gehört außerdem zu Wien dazu.
Wien wird in den neuen Episoden natürlich auch wieder sehr schön ins rechte Licht gerückt. Habt ihr euch bei den Dreharbeiten Anleihen an den alten Folgen genommen oder noch einmal alte Episoden durchforstet, bevor ihr losgelegt habt?
Kopriva: Ich habe natürlich reingeschaut, um ein Gefühl zu kriegen, wie damals der Hund eingesetzt wurde oder man gewisse Dinge im Schnitt gelöst hat, aber direkt Anleihen habe ich mir keine genommen. Letztendlich wollte ich mich auch nicht zu sehr davon beeinflussen lassen. Heute haben wir eine ganz andere Filmerzählsprache, die Zuschauer sind andere Tempi gewohnt.
Rauch: In der sechsten und letzten Folge hatte ich ein paar Schwierigkeiten, weil dort die Geschichte erzählt wird, wie Rex zu Chefinspektor Max Steiner gekommen ist. Das ist sehr nah an der allerersten alten Folge, wo man sieht, wie Rex zu Tobias Moretti gekommen ist. In der Folge gibt es viele Parallelen und Wiedererkennungsmomente, was ich sehr schön finde. Damals fuhr etwa ein Auto am Türkenschanzpark vorbei und das haben wir wieder so gedreht. Auch Textanleihen sind vorhanden. Ich glaube nicht, dass jemand genau nachrechnet, aber diese Folge kann man schon als Hommage an damals verstanden wissen. Damit kann man den Zuseher vielleicht emotional näher an die Sache heranbringen.
Diese Parallelen sind aber sicher gut, weil man die alte „Rex“-Klientel damit vielleicht schnell ins Boot holt. Ich habe die beiden ersten Episoden vorab gesehen und habe das Gefühl, Rex selbst bekommt etwas mehr Raum um zu glänzen und aufzufallen als es in den 90er-Jahren der Fall war. War das eine bewusste Entscheidung?
Kopriva: Wir haben sicher verstärkt darauf geachtet, dass wir unseren Superhelden Rex maximal featuren. Es gab immer wieder bewusste Strecken beim Dreh, wo wir uns sehr auf den Hund fokussiert und ihn bewusst mit seinen Fähigkeiten in den Mittelpunkt gestellt haben. Schon in den Drehbüchern gab es da optisch und akustisch Anregungen, die wir beim Dreh dann auch ausreizen wollten. So gesehen haben Sie das richtig beobachtet.
Dennoch ist es auch für Sie als Regisseure sicher etwas ganz anderes, ein Projekt zu drehen, bei dem ein Hund im Mittelpunkt steht. Worauf mussten Sie besonders achten und hat sich die Zusammenarbeit schnell gefügt?
Rauch: Ich fand, es war fantastisch mit Rex zu drehen und das liegt auch an den Hundetrainerinnen, die ein Wahnsinn sind. Sie sind bestens vorbereitet, sagen ganz klar, was der Hund kann und machen selbst Vorschläge. Tiertrainerin Farina Klause hat mir gesagt, dass Rex für eine Actionsequenz auf ein Fass springen, es zum Rollen bringen und jemanden damit umhauen kann. Oder von oben etwas auf jemandes Kopf fallen lassen kann – unglaublich. Das habe ich dann noch in die Drehbücher eingebaut. Mit Hunden herrscht wahnsinnig konzentriertes Arbeiten. Wenn der Hund reinkommt, wird es still. Alles ist perfekt geprobt und jeder weiß, was zu tun ist.
Kopriva: Natürlich muss man sich auf gewisse Dinge einstellen und zum Teil anders arbeiten, als man es sonst gewohnt ist. Man dreht zum Beispiel immer zuerst die Einstellungen mit dem Hund. Wenn man die erledigt hat, dann dreht man den Rest mit den Schauspielern.
Rauch: Das ist lustig, denn ich habe es genau andersrum gemacht. (lacht)
Kopriva: Wir wurden bei den ersten drei Folgen so gebrieft, dass wir alles mit dem Hund beginnen sollen. Offensichtlich haben wir ihn gut für euch vorbereitet.
Die jeweils drei Episoden von Ihnen wurden komplett getrennt voneinander abgedreht?
Rauch: Richtig. Andreas hat die ersten drei gedreht, ich die zweiten drei. Mit dem Hund wäre es aber auch nicht anders gegangen, weil das viel zu viel Arbeit am Stück gewesen wäre.
Gab es für Sie während der Dreharbeiten viele „Aha“- und „Wow“-Momente?
Kopriva: Es war immer wieder ein Lernprozess zu schauen, was in welcher Form funktioniert und was nicht. Ein bisschen kann man es mit einem Dreh mit einem Kind vergleichen. Wenn ein Schauspieler etwa sehr emotional in einer Szene sein muss, kann das für den Hund sehr viel Stress bedeuten. Damit muss man sensibel umgehen. Dann können die Schauspieler etwa einen Streit nicht so intensiv führen im selben Raum mit dem Hund, wie das vielleicht im Drehbuch vorgesehen ist. Das muss man anders lösen. Erst wenn der Hund nicht mehr am Set ist, kann man wieder in die volle Emotionalität gehen.
Rauch: Ich hatte auch viele interessante Momente. Etwa als Rex einmal einen Flur entlang ging, Stimmen hörte und sich instinktiv versteckte. Das konnte man gleich eins zu eins so drehen, weil der Hund sofort wusste, was zu tun ist. Ein riesengroßer Aha-Moment war auch, wo ich das erste Mal den dahergaloppierenden Hund in Slow Motion gedreht habe. Als ich das sah, war ich auf einen Schlag wieder zehn Jahre alt und der größte Rex-Fan, der ich eben als Kind auch war. (lacht)
Viele Menschen werden bei der Neuauflage der Serie mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert sein. Es ist kein Projekt wie andere.
Rauch: Du kannst damit nur voll gewinnen oder voll verlieren. Eines von beiden. (lacht)
Kam es Ihnen bei der Regie zu Gute, dass die neuen Episoden nicht mehr 45, sondern 90 Minuten lang sind?
Rauch: Dadurch, dass es zwei Blöcke, zwei Regisseurinnen und zwei Kamerateams gab, hat doch jede Episode irgendwie ihr eigenes Subgenre und alle Folgen unterscheiden sich stark voneinander. Aus der Krimisicht finde ich es dankbar, weil man nicht komplett durcheinanderdreht und alles zusammenbastelt, sondern jede Episode für sich abgeschlossen ist.
Kopriva: Und ich kann in 90 Minuten Geschichten schon ganz anders erzählen als in 45. Es gibt viel mehr Luft zum Atmen, man kann weiter in die Tiefe gehen, andere Zusammenhänge und viel mehr Privatleben neben der Krimihandlung zeichnen.
Hat die Zusammenarbeit zwischen Darstellern, Hund und den Personen hinter den Kameras von Anfang an reibungslos und gut funktioniert?
Kopriva: Das war natürlich für alle ein Lernprozess, dass ein Hund im Zentrum des Geschehens steht und der immer wieder Kommandos der Trainerinnen braucht. Wenn er sich zum Beispiel hinsetzen oder was machen soll. Die Aufgabe der Schauspieler war dann dabei, das bei ihrem Spiel zu ignorieren und trotzdem einfach weiterzumachen, als wäre nichts. In der Postproduktion macht man dann den Ton sauber und entfernt die Kommandos der Trainerinnen. Da gab es in Summe schon viele überraschende Momente und herausfordernde Aufgaben.
Rauch: Ich hatte einen ganz besonderen Moment bei einer Szene mit Margarethe Tiesel. In einer Folge stupst Rex sie an, geht weiter, stupst das Gartentor auf, geht raus und läuft weiter. Das sind alles einzelne Schritte, die man den Hund als gesamte Abfolge antrainieren musste. Als wir die Szene drehten, hat Rex das punktgenau hinbekommen, Margarethe war aber so beeindruckt und überrascht davon, dass sie stehenblieb und ihren Teil der Szene einfach vergessen hat. (lacht) Man sagt der Schauspielerin: „Wenn der Hund rausgeht, gehst du nach“. Das hat nicht geklappt.
Haben Sie besonders darauf geachtet, dass Krimi, Dramatik und Komödie in den einzelnen Folgen möglichst gut austariert sind?
Kopriva: Definitiv, aber die Überschrift der Produktion war immer, das so weit wie möglich über Rex zu transportieren und zu erzählen. Im Schnitt muss man dann darauf achten, dass man das nicht überdosiert. Es ist natürlich herrlich, wenn der Hund einen anschmachtet und den treuherzigen Blick aufsetzt, aber auch da braucht es im fertigen Film die richtige Dosis.
Rauch: Ich habe bei meinen Folgen sogar eine Episode, die ein richtiger Psychothriller ist. Was bei allen Situationen und Szenen immer hilft, ist die Beziehung zwischen Kommissar Max Steiner und Rex. Über diese Kommunikation geht so viel mit. Es gibt eine Episode, wo sie den Donaukanal entlanggehen und angeregt darüber diskutieren, wer jetzt recht hatte. Das ist per se schon lustig und bei den beiden noch mehr. Vom Max kommt auch im sprachlichen Sinne so viel Humor mit und Rex trägt mit der Mimik und Gestik dazu bei. Wichtig ist immer, dass es am Ende Familienentertainment bleibt – egal, wie schwer Teile der Handlung oder der Geschichten zuweilen sein mögen.
Dass die Beziehung zwischen Hauptdarsteller Maximilian Brückner und Rex so gut funktioniert kann man sich wünschen, aber wahrscheinlich nicht aussuchen?
Kopriva: Richtig, Max hat das aber wirklich toll gemacht. Zum anderen lag das an den Trainerinnen, die ihr okay geben mussten und in dieser Beziehung viel Potenzial gesehen haben. Es wäre nicht auszudenken gewesen, hätte der Hund Max nicht leiden können.
Ich nehme an, Sie beide sind bereit, weitere Episoden von „Kommissar Rex“ zu drehen?
Kopriva: Wenn es weiterhin ähnlich spannende Bücher gibt, natürlich gerne. Jetzt hoffen wir erst einmal, dass die Leute den Rex so gerne anschauen, wie wir ihn gemacht haben.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.