Elevate-Festival

Kräftiges Lebenszeichen in angespannter Situation

Steiermark
27.01.2026 16:20

Trotz – nach wie vor unverständlicher – Budgetkürzung durch das Land Steiermark bietet das Elevate-Festival auch heuer einen dichten und starbesetzten Reigen an Konzerten, Vorträgen, Kunstprojekten und langen Clubnächten. Von 5. bis 8. März wird Graz zum 22. Mal auf die internationale Landkarte gehievt.

Mit mehr als 150 Musikerinnen und Musikern und gut 30 internationalen Vortragenden in insgesamt 15 Locations in Graz verwandelt das Elevate-Festival die Stadt an vier Tagen in einen brodelnden Schmelztiegel der hochaktuellen Bestandsaufnahme politischer, gesellschaftlicher, technologischer und kultureller Zustände. Dass diese aktuell durch Kriege, Krisen und mitunter Wahnsinn bestimmt sind, verhindert nicht die hoffnungsvolle Suche nach Lösungen, der sich die beiden Festival-Gründer Bernhard Steirer und Roland Oreški sowie Diskurs-Kuratorin Irina Nalis verschrieben haben.

Auf welchem Niveau die „Vital Signs – Lebenszeichen unserer Gegenwart“ (so lautet das heurige Motto) ablaufen, zeigt nicht nur der Umstand, dass 50 Prozent der Tickets außerhalb von Graz verkauft werden, einige sogar in Australien und den USA, sondern auch das internationale Line-up der Künstler, die Graz mit einem Konzert beehren. Dazu gehört etwa 80er-Ikone Marc Almond, dessen Abschlusskonzert am 8. März auch eine Hommage an seinen jüngst verstorbenen Soft-Cell-Partner Dave Ball sein wird. Oder die britischen Elektro-Pioniere von Cabaret Voltaire, die auf ihrer letzten Tournee auch im Orpheum Station machen. 

Marc Almond beschließt heuer das Elevate-Festival
Marc Almond beschließt heuer das Elevate-Festival(Bild: Mike Owen)

Ebenso im Programm: Kult-Stimme Anika, Kelman Duran, Lukas König, Eli Preiss oder Modeselektor, die bereits beim allerersten Elevate mit von der Partie waren. Experimental-Star Maxime Denuc ist sogar dreimal vertreten – die Domorgel lässt er im Rahmen der Weltpremiere seines neuen Albums von einem Roboter bespielen, im Mausoleum lädt er zu einer spannenden Installation, die auch schon auf der Biennale in Venedig begeisterte, und er wird die Elevator-Music für den Lift im Grazer Schloßberg komponieren.

Maxime Denuc ist mit drei Projekten beim Elevate-Festival vertreten.
Maxime Denuc ist mit drei Projekten beim Elevate-Festival vertreten.(Bild: andrea avezzu')

Auch die aktuellen sowie die „Future Stars“ der elektronischen Musik, etwa Darwin, das indonesische Duo Kuntari oder die Wiener DJs Distortina und Jackhammer sind in Graz zu Gast, und auf heimische Größen wird ebenfalls nicht vergessen. Spannend ist die Kooperation mit dem PPCM-Ensemble der Grazer Kunstuniversität, das zur Eröffnung Steve Reichs „Music for 18 Musicians“ spielen wird, oder der Auftritt des jungen Komponisten Benedikt Alphart aus Graz.

Hoffnungsvoller Diskurs
Der Diskurs spielt seit jeher eine tragende Rolle beim Elevate-Festival. Seit fünf Jahren ist Irina Nalis die Programmverantwortliche, und ihr sind heuer einige Coups gelungen. So konnte sie die Bestsellerautorin Şeyda Kurt als Eröffnungsrednerin gewinnen. Keynotes von Cathryn Clüver Ashbrook, Simon(e) van Saarloos, Grimme-Preisträger Christian Schiffer („Die Peter Thiel Story“) und vom renommierten Medien- und Technologietheoretiker Douglas Rushkoff werden das Private im Politischen erkunden, die Machtverschiebung in Richtung Tech-Milliardäre aufzeigen und Wege eröffnen, um trotz der gesellschaftlichen Erschöpfung handlungsfähig zu bleiben.

Führender Medien- und Technologietheoretiker: Douglas Rushkoff
Führender Medien- und Technologietheoretiker: Douglas Rushkoff(Bild: Rebecca Ashley)

Kunst im öffentlichen Raum
Ein weiterer Bestandteil des Elevate-Festivals ist die bildende Kunst. In Kooperation mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum werden auch heuer Plakatwände von acht internationalen Künstlern gestaltet. Zusätzlich unternimmt das Duo zweintopf Interventionen im öffentlichen Raum, bespielt Nava Ebrahimi die BIX-Fassade des Kunsthauses und setzt Oliver Ressler einen Akzent auf der Fassade des Forum Stadtpark.

(Kein) Bekenntnis zu internationalem Festival
Als „unerfreuliches Thema“ bezeichnet Bernhard Steirer die Subventionskürzung von 70.000 Euro, vor allem, weil es bis jetzt keine Begründung dafür gibt. Auch das Vertrösten auf Projektförderungen ist zweischneidig. „Bis heute wissen wir nicht, um wie viel und wie wir um diese ansuchen sollen. Die Entscheidung dazu fällt erst nach dem Festival“, zeigt sich Steirer enttäuscht. Verständnislos sind auch Grazer Wirtschaftstreibende, sorgt das Elevate-Festival allein durch etwa 2400 Nächtigungen für gute Geschäfte in sonst wenig gebuchten Zeiten.

„Das Land wird eine Richtungsentscheidung treffen müssen“, so die Elevate-Gründer weiter, „das langsame Sterben ist nichts für uns“. Die Alternativen sind entweder abwandern oder aufhören – beides wäre für die steirische Kulturszene und ihren internationalen Ruf eine Katastrophe.

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