Was bedeutet es, dazuzugehören? Stefan Wipplingers Jugendstück „Kri“, 2025 mit dem Retzhofer Dramapreis für junges Publikum ausgezeichnet, wurde in Graz uraufgeführt. Danach kommt „Kri“ auch nach Wien und Salzburg.
Die Geschichte ist so einfach und doch so besonders: Ein junges Mädchen siedelt sich in einem Wartehäuschen an. Woher sie kommt? Was sie hier will? Wie lange sie bleiben wird? Das weiß niemand – sehr zum Ärger der Dorfgemeinschaft, die mit dem Störfaktor namens Kri nun einen Umgang finden muss.
TaO!-Chef Manfred Weissensteiner inszeniert die Uraufführung von Stefan Wipplingers Stück am Next Liberty mit einem achtköpfigen Chor, der sich an dem so eigenwilligen wie selbstbewussten Mädchen abarbeitet – ein Kniff, der auch wegen der Melodien von Felix Klengel ausgezeichnet funktioniert. Die Dorfbewohner schwanken zwischen Scham und Mitgefühl, bringen dem Mädchen einen Kühlschrank, einen Deko-Fisch und ein Wurstsemmerl. Und Kri? Die begegnet jeder Feindseligkeit mit Offenheit und packt ihre Sachen nur dann, als eine Dorfbewohnerin mit einem Jagdgewehr vor ihr steht. Und selbst dann schafft sie es, zu reden – im wahrsten Sinne entwaffnend.
Wie man mit dem Fremden umgeht
Wipplingers preisgekrönter Text lotet Themen wie Heimat, Zugehörigkeit und die Frage, wie wir mit dem Fremden, dem Seltsamen, umgehen, aus, ohne jemals plakativ oder allzu politisch zu werden. Das verleiht ihm das Potenzial, zu einem zukünftigen Klassiker des Jugendtheaters zu werden. Der Erfolg von „Kri“ unterstreicht einmal mehr, wie wichtig und über die Grenzen Österreichs hinaus bedeutend die Arbeit des Drama Forums Graz in Sachen Gegenwartsdramatik ist.
Auf der Bühne ist der Star des Abends „Kri“ Michaela Neuhold, eine sture und wunderbare Pippi-Langstrumpf-Figur voller Geheimnisse, die vom Dach aus schonungslos auf das Dorf blickt. „Menschen sind schon komische Vögel, gell?“, sagt sie einmal zu einer Krähe. Die Vögel flattern um ihr Häuschen und jagen den Hintertupfingern genauso viel Angst ein wie das harmlose Mädchen.
Als Nächstes macht „Kri“ Stopp im Dschungel Wien, dann im Hessischen Landestheater Marburg, bevor die Inszenierung im Mai ans TaO! und zum Dramatiker*innenfestival zurückkehrt. Im Sommer wird das Stück bei den Salzburger Festspielen neu inszeniert. Nächste Abendvorstellung am 6. 2., 19.30 Uhr, im TaO! Graz.
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