Österreichs „Stunde der Wintervögel“ hat geschlagen! Noch nie war das Interesse so groß: Über 33.000 Naturbegeisterte haben eine Stunde lang Vögel gezählt – also rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. Auf den Stockerlplätzen landeten Kohlmeise, Haussperling und Feldsperling.
Den ersten Platz als häufigster Wintervogel im Siedlungsraum sicherte sich die Kohlmeise, gefolgt von Haussperling und Feldsperling. Durchschnittlich tummelten sich 29 Vögel in den heimischen, winterlichen Gärten. Insgesamt wurden 733.671 Vögel von 25.256 Zählorten in ganz Österreich gemeldet.
Riesiges Interesse
„Unsere `Stunde der Wintervögel´ begeistert so viele Menschen wie noch nie“, freut sich Evelyn Hofer, Projektleiterin bei der Vogelschutzorganisation „BirdLife Österreich“: „Wir sind überwältigt vom Interesse an unserer Zählung und dankbar für jede Meldung, die uns wertvolle Informationen über unsere heimische Vogelwelt liefert!“
Kohlmeise als Spitzenreiter
Die Kohlmeise war zum Zählzeitpunkt der häufigste Vogel im winterlichen Siedlungsraum und wurde an neun von zehn Zählorten angetroffen. Zweithäufigster Vogel war der Haussperling, gefolgt vom Feldsperling auf Platz drei. Die Top-3-Plätze waren damit ident besetzt wie im Vorjahr. Es wurden durchschnittlich 29 Vögel an jedem Zählort beobachtet, zwei weniger als im Vorjahr.
Immer weniger Vögel
„Diese Kennzahl ist über die letzten sechs Jahre bei leichten Schwankungen mehr oder weniger stabil. Im Langzeitvergleich über 17 Jahre zeigt sich jedoch eine deutliche Abnahme. Während in den ersten sechs Zähljahren noch durchschnittlich um die 40 Vögel pro Zählort anwesend waren, sind es in den letzten sechs Jahren nur mehr durchschnittlich um die 30 Vögel je winterlichem Zählort“, so Hofer.
Die wichtigsten Trends
Im Vergleich zu 2025 blieben in Österreich heuer die Einflüge vieler Wintergäste aus dem Norden Europas weitgehend aus. Arten wie Bergfink, Kernbeißer oder Erlenzeisig wurden bei der „Stunde der Wintervögel“ deutlich seltener beobachtet. Die Ursachen dafür sind vielfältig. „Der Einflug von Wintergästen aus dem Norden wird immer durch eine Kombination mehrerer Faktoren bestimmt“, erklärt Evelyn Hofer. „Dazu zählen vor allem der Bruterfolg und das winterliche Nahrungsangebot in den nordischen Brutgebieten.“
Ungünstige Bedingungen
Zusätzlich beeinflusst das Nahrungsangebot in Österreich, ob durchziehende Vögel hierbleiben oder weiterziehen. „Sind die Bedingungen bei uns ungünstig, ziehen viele Arten weiter nach Süden und bleiben nicht in Österreich“, so Hofer. Das Ausbleiben der Einflüge kann daher sowohl auf gute Bedingungen im Brutgebiet als auch auf ein geringeres Nahrungsangebot bei uns zurückzuführen sein.
Rückgang auch beim Stieglitz
Auch beim Stieglitz wurde heuer ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr festgestellt. Langfristig zeigt er jedoch als einziger Finkenvogel keinen negativen Trend im Winter. „Wir beobachten, dass der Stieglitz sein Zugverhalten verändert hat und infolge milderer Winter zunehmend ganzjährig bei uns bleibt“, erklärt Evelyn Hofer: „Der heuer wieder strengere Winter mit Frost und Schnee dürfte jedoch vermehrt zu einem Abzug in wärmere Regionen geführt haben.“
Erhebung zeigt Änderungen
Bei Arten wie Bergfink, Erlenzeisig oder Stieglitz können also die Winterbestände je nach Zuzug aus dem Norden oder Abzug in den Süden im Jahresvergleich stark schwanken. Die Datenreihe zeigt aber auch kontinuierliche Trends auf: Bei Sperlingen, Kohlmeisen, Blaumeisen und manchen Finkenarten kann langfristig eindeutig ein Rückgang festgestellt werden.
Lebensräume gehen verloren
„Typische Siedlungsvögel verlieren durch die zunehmende Verbauung bzw. Verdichtung des Siedlungsraums sowie naturfern gestaltete Grünräume unserer Städte und Dörfer ihre Lebensräume“, so die Ornithologin Hofer: „Je weniger heimische Hecken und alte Bäume, umso weniger Vögel!“
Grünling wurde zum Sorgenkind
Eines der größten Sorgenkinder im winterlichen Siedlungsraum ist der Grünling (Grünfink). Der langfristige, extrem starke Rückgang dieser Art ist auf die Vogelkrankheit Trichomoniasis zurückzuführen, doch: „Die zunehmenden Lebensraumverschlechterungen in unseren Siedlungen, z. B. der Verlust dichter Hecken und Bäume sowie von Blührasen mit Löwenzahn und anderen Wildblumen als Nahrungsflächen, machen es dem Grünling zusätzlich schwer, sich im Bestand zu erholen“, so die „BirdLife Österreich“-Expertin.
Gute Nachrichten für die Amsel
Eine positive Entwicklung zeigte hingegen die Amsel: Nachdem es 2018 und 2019 zu deutlichen Bestandseinbrüchen gekommen war, wird die Amsel vor allem in den östlichen Bundesländern und in Vorarlberg seit drei Jahren wieder etwas häufiger in den winterlichen Siedlungen beobachtet.
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