




Der Cirque Noël ist Jahr für Jahr das kulturelle Highlight der Weihnachtszeit in Graz: Heuer ist die australische Compagnie Gravity & Other Myths mit „The Mirror“ zu Gast. Mit dem fantastischen Stück hält die Truppe dem Publikum den Spiegel vor.
Es ist alles eine große Inszenierung. Was beim Zirkus schon seit Jahrhunderten gilt, gilt spätestens seit dem Aufkommen der Sozialen Medien in unser aller Leben. Aber was hat die Unterhaltungskunst uns in Zeiten der omnipräsenten Selbstinszenierung eigentlich noch zu bieten? Dieser Frage geht die australische Compagnie Gravity & Other Myths in „The Mirror“ nach.
Sie tut das, indem sie dem Publikum den titelgebenden Spiegel in Form eines LED-Screens vorhält, der zentral auf der Bühne steht und clever umspielt wird. Mit Handykameras und Selfie-Sticks ausgerüstet, erobern die Akrobaten nicht nur den Zuschauerraum, sondern übertragen ihre Einlagen teilweise auch live auf den Bildschirm.
Vignetten der Selbstinszenierung
Es sind akrobatische Momentaufnahmen, die die Truppe in einem rasanten Tempo vor den Augen des Publikums abspult – als würde man sich durch die Instagram-Reels der Akrobaten bzw. ihrer Figuren swipen. Mehr als passend ist die Klangkulisse, die Musiker Ekrem Eli Phoenix dafür live auf die Bühne zaubert: Wie ein lebendes Radio auf Dauersendersuche performt er sich famos durch die Hits der Popgeschichte – und fungiert zeitgleich mit seinen Pop-Zitaten auch als Kommentator des Geschehens.





Jeder Trick, jedes Kunststück, jede kurze Szene wird so zu einer Vignette der Selbstinszenierung. Und weil Akrobaten nun mal eindrucksvolle Körper haben, tragen Sie dabei mitunter kaum mehr als knappe Dessous – freilich stets mit einem Augenzwinkern.
Mit ganz viel Humor, einer smarten Bühnenshow und unglaublich kreativer Akrobatik surfen die Darsteller (Lewis Rankin, Emily Gare, Maya Tregonning, Hamish McCourty, Sandy Tugwood, Leann Gingras, Ashley Youren und Nadav Sadlik) durch diese Welt der Selbstbespiegelung – bis sie letztlich den Bildschirm durchbrechen und selbst zum Spiegel werden.
Die Show „The Mirror“ ist noch bis zum 29. Dezember im Grazer Orpheum zu sehen. Von 3. bis 6. Jänner zeigen Gravity & Other Myths dort dann mit „10.000 Hours“ noch eine weitere Produktion.
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