Ein ambitioniertes Projekt zum Schutz eines der wundersamsten Fischspezies ist im Waldviertel in vollem Fluss. Dazu wird der Kamp von Experten einer Universität mit Äschen sozusagen „künstlich befruchtet“.
Leicht hat sie es ja nicht, die Äsche – lateinisch zoologisch seit Carl von Linee (1707 bis 1778) auch als „Thymallus thymallus“ benannt. Denn eine Vielzahl an Prädatoren wie Otter, Mink, Gänseseger, Kormoran und auch der Graureiher fischen gnadenlos nach der willkommenen wie wohlschmeckenden Beute. „Von Naturschützern wird diese Bedrohung totgeschwiegen“, empört sich einmal mehr Öko-Urgestein Helmut Belanyecz, der bis zu seiner Verabschiedung eine kleine Ewigkeit auf Erden das „Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz“ umsichtig leitete. Freilich gibt der Biologe aber auch der klimawandel-bedingten Erwärmung des kostbaren Nasses sowie der Verbauung und Regulierung der freien Fließstrecken schuld an der Misere unter und um das Wasser der Heimat.
Äschen-Population auf neue (alte) Höhen bringen
Das aber mindere in keinem Falle das Engagement der Fischschützer am Mittleren Kamp. Tatsächlich leisten die Experten Gerhard Käfel, Thomas Friedrich, Günther Unfer und Stephanie Popp vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur in Wien Großartiges, um die Europäische Äsche in kräftigen Populationen am Leben zu erhalten. Ihren Fokus legen die Idealisten auf den Mittellauf des romantischen Gewässers zwischen Wegscheid und der von Markus Graf Hoyos (gerade erst als NÖ-Chef der Land- & Forstbetriebe Österreichs neu gewählt) gehüteten Rosenburg.
Wir arbeiten daran, eine lebensfähige Äschenpopulation zu etablieren. Erste Erfolge ermutigen uns.
Dr. Thomas Friedrich, Äschenretter von der Universität für Bodenkultur in Wien
50.000 „Baby-Schupplinge“ bis 2028
Schon im Vorjahr wurde dafür in Steinegg am Kamp ein eigenes konstruierter Brutcontainer errichtet. Der Natur wird ihr freier Lauf insofern gelassen, als von behutsam deren Lebensraum entnommenen laichreifen Mutterfischen Eier abgestreift wurden – diese werden nun erbrütet und im echten Flusswasser aufgezüchtet. Bis 2028 sollen jährlich 50.000 Embryos in künstlichen Nestern herangezogen und die Baby-Schupplinge dann ins kostbare Nass entlassen werden.
Heuer galt trotz der Flut als besonders erfolgreiches Aufzuchtjahr. Allerdings müssen die engagierten Forscher genau wegen des Hochwassers ein besonders wachsames Auge auf ihr Jahrzehnte-Projekt haben. Der Brutkasten habe aber die Naturkatastrophe gut überstanden. „Petri Dank“ für all die beherzten Bemühungen!
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