Ein Top-Meteorologe übt harsche Kritik an der Wetterberichterstattung des ORF in Niederösterreich. Der Grund: Kurz vor einer drohenden Hochwasserkatastrophe bezeichnete ein TV-Moderator des ORF das Wetter als „relativ fad“. „Wenn Menschen in NÖ sterben, hat sie auch der ORF auf dem Gewissen“, warnte der Experte vor einer gefährlichen Verharmlosung.
Freitagfrüh wurde von der Österreichischen Unwetterzentrale in einigen österreichischen Regionen die höchste Warnstufe ausgerufen. In Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und auch in Wien begann der Tag mit starkem und teils gefrierendem Regen.
Keine Erwähnung von drohendem Hochwasser
Im Wetterbericht von „Niederösterreich Heute“ von Donnerstagabend ist von dieser dramatischen Lage nichts zu merken. „Brrr ... ganz schön kalt“, steigt Moderator Clemens Krautzer launig in den Beitrag ein. In Teilen Niederösterreichs seien insgesamt 300 Liter pro Quadratmeter zu erwarten. „Das ist ordentlich viel“, erklärt er lapidar.
Meteorologe Jörg Kachelmann bezeichnete die Verantwortlichen bei ORF Niederösterreich daraufhin als „VerbrecherInnen“ und verlinkte den Beitrag:
Auch die Landeswarnzentrale in Niederösterreich sieht die Situation dagegen etwas. Es wurde die höchste Hochwasserwarnstufe 3 ausgegeben. Doch von drohenden Überschwemmungen ist in dem ORF-Beitrag nichts zu hören.
„Die tun so, als ob 300 Millimeter Regen nur eine kleine Inkonvenienz seien, kein Wort von den Auswirkungen und ein kleiner Schmäh dazu, ist ja bald vorbei“, ärgert sich Kachelmann, dass die Bevölkerung in dem Bericht von ORF NÖ zu wenig vor den Folgen der Wassermengen gewarnt wird.
Mancherorts drohen bis zu 30-jährliche Hochwasserereignisse
Laut Prognose ist an der Donau ein fünfjährliches (HQ5) bis zehnjährliches (HQ10) Hochwasserereignis zu erwarten. An den Zubringerflüssen könnten sich sogar bis zu 30-jährliche Ereignisse (HQ30) ereignen – in manchen Gegenden könnte es auch heftiger zugehen.
In diesen Beiträgen sieht man Vorbereitungen der Feuerwehren in Grafenwörth und Grub am Wienerwald:
In gefährdeten Regionen, wie etwa in Melk, wurden bereits Hunderte Sandsäcke vorbereitet, um gegen die Wassermassen gerüstet zu sein. Mehrere für das Wochenende geplante Veranstaltungen wurden abgesagt, unter ihnen ist auch der Wachau-Marathon.
ORF NÖ kontert: „Wetter seit Tagen Thema“
Der ORF in Niederösterreich verteidigte sich zu den Vorwürfen: „Die bedrohliche Wettersituation in Niederösterreich und im Rest des Landes ist seit Tagen in allen Medien des ORF NÖ Thema“, hieß es von ORF-Landesdirektor Alexander Hofer. So habe man einen Liveeinstieg aus Zöbing gemacht, wo sich die Feuerwehr auf Schlimmes eingestellt hatte. Zudem sei über die Absage des Wachau-Marathons berichtet worden.
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