Das „Sonnenorchester“ mit blinden und sehbehinderten Musikern ist eines von weltweit drei Blindenorchestern.
Selbst wenn sich Star-Dirigenten wie Riccardo Muti oder Andris Nelsons für eine Zusammenarbeit anbieten würden, das „Sonnenorchester Salzburg“ würde wohl dankend ablehnen. Denn: Die sehbehinderten Musiker brauchen keinen Dirigenten und erst recht keine Partitur!
„Wir haben da ein paar Tricks: Zum einen arbeiten wir über den Atem, um Einsätze zu erkennen. Zum anderen sind wir sehr akribisch beim Lernen“, sagt Pianist Matthias Gampe. Er studiert die Partitur komplett mit Blindenschrift.
Andere Orchestermitglieder können Umrisse der Noten zumindest stark vergrößert erkennen, wie etwa Violinist Go Yamamoto. Er ist das neueste Mitglied des Orchesters, ist neben seinem Engagement im Sonnenorchester Konzertmeister des Rodenkirchener Kammerorchesters. „Ich habe bisher nur mit Sehenden zusammengearbeitet. Die Erfahrung in einem Blindenorchester ist neu“, so Yamamoto.
Auch Sängerin Alina Koarska-Schmidt musste sich an das Sonnenorchester wortwörtlich erst herantasten: „Ich musste lernen, wie ich mit Blinden kommuniziere. Hier gibt es keinen Dirigenten, der an meinem Kopfschütteln sieht, dass ich bereit bin“, scherzt die Opernsängerin, die sonst an der Mailänder Scala auf der Bühne steht.
Am Freitag muss alles sitzen. Dann tritt das Orchester in der Schlosskirche Mirabell auf. Als Projekt wollen sie auf die Integration Sehbehinderter aufmerksam machen – und suchen gleichzeitig noch weitere Musiker für das Orchester. Bewerbungen sind ausdrücklich erwünscht.
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