Eva Balogova hat kein fixes Zuhause in Graz. Eine große Herausforderung für die 69-Jährige, vor allem bei den aktuellen Höchsttemperaturen. Ihr Alltag auf der Suche nach dem nächsten schattigen Platzerl.
„Im Sommer wird mir oft schwindelig, ich nehme Medikamente gegen Bluthochdruck. Winter finde ich besser, die Kälte ist mir egal“, sagt Eva Balogova. Sie sitzt an einem Tisch im Hof des Vinzinests, einer Notschlafstelle in der Grazer Maria-Stromberger-Gasse. Hier lässt sie ihren Tag ausklingen, nachdem sie ihre Routine abgearbeitet hat: „Ich bin zuerst in Andritz bei der Post – da halte ich es aber nur zwei Stunden aus. Heute habe ich 15 Euro bekommen. Danach sitze ich im Park und warte, dass das Vinzinest aufsperrt“, sagt die 69-Jährige.
Betteln als Alltag
Wie viele Klienten stammt Balogova aus Hostice, einer kleinen slowakischen Gemeinde mit einer Arbeitslosenquote von etwa 80 Prozent. Arbeit zu finden gelang ihr nicht, also bettelt sie heute um Geld für ihre Familie – ihren Mann, ihre drei Kinder, fünf Enkelkinder und sechs Urenkel. Morgen will sie wieder nach Hause fahren, gemeinsam mit drei anderen Frauen in einem Auto ohne Klimaanlage.
„Überall ist es heiß – in Hostice genauso wie in Graz“, sagt sie und fächert mit ihrer Hand. „Ich schaue, dass ich genug Wasser trinke. Manchmal kaufe ich mir eine Flasche, manchmal fülle ich sie in Andritz auf. Manchmal bekomme ich aber auch ein Wasser oder eine Sonnenbrille angeboten. In Graz leben viele gute Herzen.“
Im VinziMarkt (Karl-Morre-Straße 9) können armutsbetroffene Menschen außerdem Lebensmittel und Hygieneartikel einkaufen, die zu einem Maximalpreis von 30 Prozent des Ursprungspreises verkauft werden.
Genau an diese Solidarität appellieren aktuell die steirischen Sozialeinrichtungen: „Wenn Sie jemanden sehen, der im Freien liegt und offensichtlich unter der Hitze leidet, dann sprechen Sie die Person an oder wenden Sie sich an uns. Sollte sich die Person verwirrt wirken, nicht ansprechbar oder sogar ohnmächtig sein, dann verständigen Sie bitte sofort die Rettung“, sagt Nicola Baloch, stellvertretende Koordinatorin der Vinziwerke. Außerdem: Gerade im Sommer sei man dankbar über jede Sach- und Geldspende sowie freiwillige Mitarbeiter.
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