Olympia, Doping, Lewis

Big Ben: „Ich bleibe der Schnellste aller Zeiten!“

Olympia
03.08.2024 07:18
Porträt von Olaf Brockmann
Von Olaf Brockmann

Ben Johnsonn ist überzeugt: „Ich bleibe der Schnellste aller Zeiten.“ Im „Krone“-Interview spricht der Superstar über Olympia, Doping und Carl Lewis.

Die „Krone“ berichtet aus Paris

Seit Olympia 1988 in Seoul läuft der größte Dopingskandal der Geschichte wie ein Schreckgespenst bei allen Spielen mit. Ben Johnson wurde nach seinem vermeintlichen 100-m-Sieg in 9,79 vor Carl Lewis (9,92) des Dopings überführt und 1993 nach einem neuerlichen Dopingfall lebenslänglich gesperrt. Was macht „Big Ben“ jetzt? In einem Telefon-Interview von Paris nach Toronto berichtet Ben Johnson, 62, über seine Vergangenheit, sein heutiges Leben, über seine Prognosen für den Sprint („Noah Lyles kommt nicht aufs Podium!“) und sein neues Buch mit dem sehr provokanten Titel „World’s Fastest Man“, womit er nicht Usain Bolt, sondern sich selbst meint… 

„Krone“: Ben, wie geht’s? Bist du fit?
Ben Johnson: „Danke, ich fühle mich super, ich trainiere noch viel - auch Krafttraining.“

Du bist in Toronto noch als Trainer engagiert, wen betreust du derzeit?
„Ich trainiere noch ganz privat, auch einige Kinder. Aber das ist nicht das, was ich machen will. Ich würde gerne professionell in Europa, Doha oder Dubai als Trainer arbeiten. Aber das geht nicht, weil ich lebenslänglich gesperrt bin.“

Freust du dich auf die Leichtathletik bei den Spielen? Oder hast du mit Olympia abgeschlossen?
„Nein, ich schaue nicht die Spiele. Daran habe ich kein Interesse mehr. Ich genieße mein Leben.“

Wer ist dein Favorit für die 100 m?
„Ich schätze den Jungen aus Italien (Anm. Olympiasieger Marcel Jacobs) und das Talent von Jamaika (Anm. Kishane Thomson/mit 9,77 der Weltjahresbeste).“

Und Noah Lyles?
„Lyles kommt nicht aufs Podium!“

Dein neues Buch sorgt in Kanada für Aufsehen, du hast viele Auftritte im kanadischen TV, was ist die Kernaussagen deines Buches?
„Erstens: Ich bin entgegen dem Gesetz lebenslang vom Training ausgeschlossen. Zweitens: In Seoul hat es sechs bis acht weitere positive Fälle gegeben, die nicht geahndet worden sind.“

(Bild: zVg)

Woher weißt du das?
„Das wurde in einer Zeitung geschrieben.“

Der Titel des Buches aber lautet: „World’s Fastest Man. The Incredible Life of Ben Johnson“. Siehst du dich also weiterhin als der schnellste Mann der Welt? Trotz Usain Bolt?
„Ben Johnson ist der Schnellste aller Zeiten. Meine 9,79 bin ich nicht voll durchgelaufen, ich bin nur 90 m gerannt. Nicht nur das, auch die Technologie hat sich vollkommen geändert. Die 9,58 sind gar nicht so schnell. Wenn ich die Technologie von heute gehabt hätte, würde ich alle schlagen. Ben Johnson ist Ben Johnson.“

Aber der Buchtitel ist unfair und nicht korrekt, da du ja deine schnellsten Zeiten nachweislich mit verbotenen Mitteln erreicht hast!
„Die Drugs allein machen dich nicht schnell. Du kannst nur härter trainieren, kannst dich schneller erholen. Der schnellste Mann der Welt ist Ben Johnson.“

Du hast selbst zugegeben, gedopt zu haben und wurdest deshalb lebenslänglich gesperrt. Wie oft hast du bereut, verbotene Mittel genommen zu haben?
„Niemals! Andere haben nicht das Recht, mit dem Finger auf mich zu zeigen. Dann müssten sie auch mit dem Finger auf sich selbst zeigen.“

Auch wenn du gedopt warst, deine Duelle mit Carl Lewis bei Olympia 1988, der WM 1987 oder in Zürich haben die Menschen elektrisiert – und sind auch heute noch auf „you.tube“ ein Renner, ja ein Klassiker. Wie siehst du diese Duelle im Rückblick?
„Das war eine große Zeit, eine eigene Welt! Eine solch große Rivalität gibt’s heute nicht mehr.“

Zitat Icon

Niemals!

Ben Johnson auf die Frage, wie oft er bereut hat, verbotene Mittel zu sich genommen zu haben.

Hast du nach Seoul jemals länger mit Carl Lewis gesprochen? Ich erinnere mich nur, wie er dir bei der Hallen-WM in Toronto 1993 ganz kurz die Hand gab …
„Nein, er war nur neidisch auf mich.“

Eine Zeitlang wurdest du - auch in Kanada – wie ein Verbrecher behandelt, wie reagiert die Öffentlichkeit jetzt auf dich? Glaubst du, man hat dir verziehen? 
„Seit mein neues Buch herausgekommen ist, habe ich nur Mengen von positiven Nachrichten erhalten!“

Eine ganz persönliche Frage: Vor über 30 Jahren warst du mit Österreichs Sprint-Rekordlerin Sabine Tröger befreundet. Der Kontakt ist aber wohl ganz eingeschlafen, oder?
„Ja, der Kontakt ist verloren gegangen.“

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