Jordi Savall und seine Ensembles beschließen in der Pfarrkirche Pöllau mit Monteverdis „Marienvesper“ die diesjährige Styriarte. Deren Intendant Mathis Huber zieht euphorisch Bilanz.
Mehr als 400 Jahre alt sein und dabei noch so schön klingen – die vitalen Kräfte von Monteverdis 1610 entstandener „Marienvesper“ wünscht man allen Musikstücken. Verantwortlich für den exzellenten Eindruck, den das Werk beim Styriarte-Finale hinterlässt, ist ein anderer Altgedienter: Jordi Savall. Der selbst schon 82-jährige Katalane führt seine beiden Ensembles La Capella Reial de Catalunya und Le Concert des Nations in der Pfarrkirche Pöllau mit ehrwürdiger Finesse.
Die Balance zwischen Chor, Solisten und Originalklang-Ensemble ist bemerkenswert, insofern die Musiker ohne hochgeschminkte Effekte austarierte Emotionen erzeugen. Der Ton ist glasklar, gehoben sakral und dennoch gezielt zupackend: Wie von Flügeln getragen (ein feiner Stimmeffekt!) flattert hier das „Nisi dominus“ auf, zum schwindelnden Taumel wird das Wimmelbild des „Lauda Jerusalem“.
Individuelle Klasse zeigen die neun aus dem Chor besetzten Solisten. Besonders die Gegenüberstellung gleicher Stimmpaare legt die detailverliebte Arbeitsweise offen: Wenn die beiden Tenöre Ferran Mitjans und Martí Doñate ihre Koloraturen im „Duo Seraphim“ in kontrastierenden Schärfegraden setzen, wird etwa plastisch klar, welcher Ausdrucksreichtum hier durch die Jahrhunderte bewahrt wurde.
Sehr zufrieden zeigte sich Styriarte-Intendant Mathis Huber mit dem eben zu Ende gegangenen Festival: „Es war ein Monat voller Euphorie“. Mit 29.300 verkauften Karten und 93 Prozent Auslastung hat man die Folgen der Pandemie endgültig überwunden.
Ein guter Grund, die Erfolgsformate auch zum 40. Geburtstag der Styriarte im nächsten Jahr auszubauen. Dabei bleibt das Interesse des Publikums für Huber im Fokus, das Zusammenbringen funktioniere hervorragend. „Es hat sich sogar eine Festspielgemeinde entwickelt“, freut er sich.
Mit dem zweiten Teil der Attems-Saga, einer verstärkten Kooperation mit Michael Hell sowie großen Plänen mit Mei-Ann Chen und Alfredo Bernardini will Huber den Lauf fortsetzen. Zudem arbeitet man mit der Steiermark Schau im Schloss Eggenberg zusammen. Das Motto der Styriarte von 20. Juni bis 20. Juli 2025 lautet „Raum und Klang“.
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