Die Schöpfung atmet Ewigkeit im Wildnisgebiet Dürrenstein. Bei einer Öko-Expedition in den allerletzten Urwald Mitteleuropas enthüllt die Natur neue wundersame Geheimnisse.
„So hoch hinauf ist noch kein Vogel seiner Art geflogen,“ flüstert Christoph Leditznig, der sorgsame oberste Hüter des Wildnisgebietes in der südöstlichsten Waldeinsamkeit des weiten Landes. Sein ökologisches Staunen über ein neuerliches Naturwunder im 7000 Hektar großen UNESCO-Schutzgebiet, dessen Kern der Urwald Rothwald bildet, liegt im Gesang der Zipammer begründet. Denn ein Brutvorkommen dieses Vogels in 1730 Metern Seehöhe wurden in Niederösterreich noch nie nachgewiesen.
Und da ist noch eine umgestürzte Tanne, deren Alter wohl auch wegen der Mächtigkeit noch nicht genau bestimmt werden konnte. „Mir wurde berichtet, dass der Riese noch im Absterben 70 wundersame Arten angelockt, die im Totholz im wahrsten hat Sinne des Wortes Lebensraum gefunden haben“, staunt Landesvize Stephan Pernkopf, dem die Schatzkammer der Natur bei dieser Expedition sichtlich ein grünes Herzensanliegen ist.
Seit letzter Eiszeit unberührt
„Nicht nur diese Wildnis rückt uns Menschen aus dem Mittelpunkt des Universums und macht uns zu einem stillen Beobachter, welcher seine Begehrlichkeiten zurücknimmt und allen Abläufen in der Natur das Recht von Selbstbestimmung zuspricht“, philosophiert denn auch Expeditionsleiter Reinhard Pekny. Jenes Universum, in das wir uns in weihevoller Stille vorwagen, ist seit der letzten Eiszeit von Menschenhand unberührt geblieben und soll es auch eine Ewigkeit auf Erden bleiben. Nur sehr wenige Menschen dürfen diese stille Welt betreten. „Zu zerbrechlich und kostbar ist diese paradiesische Symbiose aus Wurzeln, Moos, Blättern und anderer rarster Flora. Und doch hat das Unberührte bei der jüngsten Feldforschung neue Geheimnisse preisgegeben“ heißt es weiter.
Highlights waren Nachweise einer singenden Heidelerche, von Haselhuhn, Birkhuhn und Alpenschneehuhn. Auch Dreizehenspechte, Zwergschnäpper und Halsbandschnäpper sowie Flussuferläufer bereichern die Vielfalt.
Klimapartnerschaft
Umso wehmütiger gilt es den Urwald wieder sich selbst zu überlassen. Hoffnungsvolles Licht fällt durch eine Initiative von Rangerin Nina Schönemann durch die Wipfel. Denn durch ihre Klimapartnerschaft konnten 140 Hektar weitere Flächen an das Schutzgebiet angegliedert werden. „Gegen eine einmalige Zahlung von 1,20 Euro pro Quadratmeter haben Firmen und Private die Möglichkeit, Waldflächen mindestens bis zum Jahr 2100 aus der Nutzung nehmen zu lassen“, strahlt die junge Aktivistin angesichts des ewigen Rauschens der Wälder am Dürrenstein.
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