Millionenschäden, persönliche Tragödien und Zukunftssorgen: Wie die Steiermark trotz der Unwetter das große Obst- und Weinland bleiben soll – und man Bauern vom Aufgeben abhält.
Sigi Wels findet im Moment kaum einen Moment der Ruhe: „Wenn Wolken aufziehen, denkt man schon: Jössas, hoffentlich kommt da nichts.“ Ängstliche Blicke zum Himmel, wenn es schwül-feucht ist. Oder wenn er, wie gestern, zu einem Begräbnis muss. Und ständig denkt: „Hoffentlich passiert derweil daheim nix!“ „Die Angst“, sagt der bodenständige, steirische Landwirt, „die geht nicht, wenn das Unwetter vorbei ist. Die bleibt über Monate.“
„Einen Monat lang nur aufgeräumt“
Vor allem, wenn es einen so schlimm erwischt hat wie den Biobauern, der 120 Milchkühe hält, zehn Hektar betreut. „Wir haben einen Monat lang nur aufgeräumt“, schildert er. Der schmale Lungitzbach wurde „breit wie die Donau“, trat über die Ufer, schwemmte alles mit, auch wertvollen Humusboden. Ein Heuschnitt ging verloren, Weiden wurden verschlammt.
In zwei Jahren will Wels an seinen Sohn übergeben: „Die Landwirtschaft liegt uns halt im Blut, den Hof gibt es seit dem 15. Jahrhundert. Da schmeißt man nicht einfach hin und geht.“
„Normale Jahre gibt es nicht mehr“
Ans Aufgeben denken aber viele andere steirische Bauern – und man kann es ihnen nicht verdenken, denn „normale Jahre gibt es nicht mehr“, wissen die Experten, die gestern zum Lokalaugenschein zu Sigi Wels kamen. 45 Millionen Euro an Schäden vermeldet die Hagelversicherung jetzt schon, nur für die Steiermark, nur für dieses Jahr, das noch lange nicht vorbei ist. Bislang war nur das Horrorjahr 2016 noch schlimmer.
Was tun? Landwirtschaftskammer-Chef Franz Titschenbacher erachtet den Ausstieg aus fossiler Energie als alternativlos, setzt zudem auf Frostberegnung und besseren Zugang zu Wasser. Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer versteht die Sorgen der Bauern, „da kann man keine Ernte einfahren, hat aber dennoch die Kosten, das kann nicht gehen“. Es seien nun „die klügsten Köpfe des Landes beauftragt, in die Zukunft zu schauen“.
Joanneum Research wird eine Studie erstellen, welche Gebiete am meisten von den Wetterkapriolen betroffen sind. Darauf müsse man reagieren. Zudem würden 55 Millionen in Investitionen, wie etwa den Neubau und die Instandhaltung von Dämmen und Becken gehen.
Und, so Schmiedtbauer: „Das Thema geht uns alle an, da muss sich jeder an der Nase nehmen. Also Produkte aus der Steiermark kaufen, um den Bauern auch etwas zurückzugeben.“
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