Grundsätzlich wäre Tirol ja auf einem guten Weg – und das entgegen dem allgemeinen „Österreich-Trend“. Wäre da nicht die größte Pleite der 2. Republik – nämlich die von René Benkos Signa! Und im Privaten schaut die Sache auch wieder anders aus, die Teuerung ist bei den Tirolerinnen und Tirolern spürbar angekommen.
148 Unternehmen sind in Tirol in den ersten sechs Monaten des Jahres insolvent geworden, wie der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) berichtet. Im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt 167 – ein Rückgang um 11,4 Prozent. Im Bundesschnitt gab es eine Zunahme um 26 Prozent.
Die beiden größten Insolvenzverfahren in Österreich – und zwar jene der Signa-Gruppe – werden am Landesgericht Innsbruck verhandelt. Ende März 2024 wurde über das Vermögen der Familie Benko Privatstiftung ein Konkursverfahren eröffnet.
„Bisher haben die Gläubiger knapp 2,3 Milliarden Euro an Forderungen angemeldet. Der Insolvenzverwalter hat bisher erst knapp 50 Millionen Euro als zu Recht bestehend anerkannt. Ähnlich ist die Situation im Verfahren gegen Benko selbst. Auch da wurden etwa zwei Milliarden Euro angemeldet, wobei bisher nur 47 Millionen Euro als zu Recht bestehend festgestellt wurden“, so der KSV. Alle Insolvenzen zusammen umfassen 4,5 Milliarden € – ein Plus von 5300 Prozent.
Viele Privatpersonen mit einem geringeren Haushaltseinkommen haben gelernt, sich anzupassen. Die Gründe für die Mittelverwendung werden in den vergangenen Monaten häufiger kritisch hinterfragt.
Klaus Schaller, KSV
Die Teuerung ist bei den Tirolern angekommen
Indes steigt die Zahl der Schuldenregulierungsverfahren von Privatpersonen von 341 auf 359 an. Die Anzahl der Privatinsolvenzverfahren ist in Gesamtösterreich im Vergleich zum Vorjahr nahezu stabil (+0,7 Prozent) geblieben. In Tirol zeigt sich hingegen seit 2022 ein Trend, wonach die Menge an Schuldenregulierungsverfahren konstant – jedoch im geringen Ausmaß – ansteigt.
„Viele Privatpersonen mit einem geringeren Haushaltseinkommen haben gelernt, sich anzupassen. Die Gründe für die Mittelverwendung werden in den vergangenen Monaten häufiger kritisch hinterfragt. Vielfach werden dann Investitionen in Konsumgüter nicht durchgeführt oder verschoben. Es ist für mich daher offensichtlich, dass die erhöhten Lebenserhaltungskosten in den Geldtaschen der Tirolerinnen und Tiroler angekommen sind“, berichtet Klaus Schaller, Leiter des KSV 1870 in Innsbruck. Bis Jahresende rechnet er mit 700 Verfahren, die abgewickelt werden müssen.
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