So, 18. November 2018

Autobombe detoniert

19.10.2012 19:02

Geheimdienstchef bei Anschlag in Beirut getötet

Eine gewaltige Explosion hat am Freitag die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert. Acht Menschen wurden getötet und Dutzende weitere verletzt, als eine Autobombe im Osten der Stadt detonierte, teilten die Behörden mit. Unter den Todesopfern auch der Chef des Geheimdienstes der Polizei, Wissam al-Hassan. Er galt als Feind der syrischen Regierung. Gegner des Assad-Regimes machten dieses umgehend für den Anschlag verantwortlich.

Die Explosion ereignete sich laut der amtlichen Nachrichtenagentur ANI in der Hauptverkehrszeit gegen 14 Uhr in einer engen Straße in der Nähe des Sassine-Platzes im Viertel Ashrafiyeh, einem überwiegend von Christen bewohnten Stadtteil Beiruts. Zwei Gebäude wurden bei der Detonation der Bombe schwer beschädigt.

Fernsehbilder zeigten eine große schwarze Rauchwolke und Menschen, die über Trümmer stiegen. "Wir haben eine gewaltige Explosion gehört. Der Boden zitterte unter unseren Füßen", sagte ein 19-jähriger Passant. Anwohner rannten in Panik durch die Straßen und suchten neben brennenden Fahrzeugen nach Angehörigen. Rettungskräfte brachten blutüberströmte Verletzte aus den schwer beschädigten Gebäuden.

Innenminister Marwan Charbel begab sich an den Anschlagsort, auch die Armee wurde in das Viertel geschickt. Nach Angaben des Generalstaatsanwaltes Hatem Madi wurde das mit Sprengstoff beladene Auto "Dutzende Meter weit" geschleudert. Ermittlern zufolge sei die Sprengladung rund 30 Kilogramm schwer gewesen.

Assad-Gegner als Anschlagsziel?
Nur etwa 200 Meter vom Anschlagsort entfernt befindet sich die Zentrale der christlichen Falangisten-Partei Kataeb. Sie zählt zu den Gegnern des syrischen Machthabers Bashar al-Assad, der im Nachbarland in einen blutigen Machtkampf mit der Opposition verstrickt ist. Der Chef der Falangisten-Partei, Sami al-Gemayel, erklärte, der Staat müsse seine Bürger schützen. "Wir dulden da keinen Aufschub mehr, wir können so nicht weitermachen. Wir haben seit einem Jahr davor gewarnt."

Zu den Gegners Assads zählte auch der laut Angaben der libanesischen Regierung bei dem Anschlag getötete Polizei-Geheimdienstchef Wissam al-Hassan. Er war ein Vertrauter von Oppositionschef Saad Hariri, der der syrischen Führung feindlich gegenübersteht. Hassan war einem Bericht der Onlineausgabe des britischen "Guardian" zufolge zuletzt verantwortlich für die Vereitelung eines Bombenattentats, die zur Verhaftung eines mit Assad verbündeten libanesischen Ex-Ministers führte.

Hassan hatte auch die Untersuchungen des Bombenanschlags geleitet, bei dem 2005 der libanesische Ex-Premier Rafik al-Hariri getötet worden war. Hinter dem Attentat werden nach wie vor das Regime in Syrien und die mit ihm verbündete radikale libanesische Schiitenorganisation Hisbollah vermutet. Ende des Jahres sollte Hassan Chef der Polizei werden.

Abgeordneter der Opposition beschuldigt Syrien
Empörte Anhänger des Top-Geheimdienstlers strömten im ganzen Land zu Protesten gegen den Anschlag auf die Straßen. Der zur oppositionellen Zukunftsbewegung gehörende Abgeordnete Nihad al-Mashnuk sagte: "Die Explosion von Ashrafiyeh ist eine Botschaft des syrischen Regimes, das dabei ist, sich aufzulösen. Es ist eine Botschaft, mit dem Ziel, die Libanesen in Angst und Schrecken zu versetzen."

Die syrische Regierung wies hingegen jede Verantwortung von sich. Schon wenige Minuten nach dem Anschlag im Nachbarland veröffentlichten die staatlichen syrischen Medien eine Stellungnahme von Informationsminister Omran al-Zoubi. Dieser verurteilte den Anschlag als "feigen Akt des Terrorismus".

Lage durch Bürgerkrieg im Nachbarland angespannt
Der Anschlag nährt jedenfalls die Sorge, dass sich die ohnehin seit Jahren angespannte Lage im Libanon durch den Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien wieder verschärfen könnte. Die libanesische Bevölkerung ist gespalten: Ein Teil der Libanesen unterstützt Assad, einen Alawiten. Andere Libanesen halten es mit den Rebellen, als deren Rückgrat die Sunniten gelten. In der nordlibanesischen Stadt Tripoli war es bereits zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern Assads gekommen.

Der Libanon war zuletzt zwischen 2004 und 2008 von einer Serie von Sprengstoffanschlägen erschüttert worden. Schon damals kam der Verdacht auf, das Assad-Regime könnte an der Planung der Anschläge beteiligt gewesen sein. Als Folge des Bombenattentates auf al-Hariri im Februar 2005 hatte Syrien seine letzten Truppen aus dem Nachbarland abziehen müssen.

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