Filmfestival in Graz

Diagonale-Eröffnung mit Promis und Volksschülern

Steiermark
04.04.2024 20:00

Mit einer bezaubernden und positiv stimmenden Dokumentation, einer Preisverleihung und einer Grundsatzrede der neuen Intendanten Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh wurde die Diagonale am Donnerstagabend in der Grazer Helmut-List-Halle eröffnet.

Dass Graz gerade die Diagonale beherbergt, sieht und spürt man in der Stadt. Es ist alles ein bisschen bunter und freundlicher. Dieser Eindruck verstärkt sich auch durch den Eröffnungsfilm des Festivals: Ruth Beckermanns hinreißende Doku „Favoriten“. Drei Jahre begleitete die Filmemacherin für diesen Streifen die Lehrerin Ilkay Idiskut und ihre Volksschulklasse in Wien Favoriten, in der keines der Kinder Deutsch als Muttersprache hat.

Lehrerin Ilkay Idiskut mit „ihren“ Kindern (Bild: Ruth Beckermann Filmproduktion)
Lehrerin Ilkay Idiskut mit „ihren“ Kindern

Es ist ungemein berührend, dabeizusein, wenn diese engagierte Lehrerin ihren bunten Haufen zu einer Gemeinschaft formt, wenn Probleme aller Art ausdiskutiert werden, wenn die Burschen erkennen, dass Mädchen die gleichen Rechte haben und Mädchen erkennen, dass sie die gleichen Chancen haben.

Unaufgeregter Beitrag zu hysterischer Debatte
Quasi nebenbei macht der Film klar, dass die Probleme sogenannter „Brennpunktschulen“ nicht an den Kindern liegen, sondern an einem Schulsystem, das an den falschen Ecken spart. Und, dass in Zeiten, in denen krampfhaft nach einer Leitkultur gesucht wird, schon der Begriff Kultur kaum definiert werden kann – übrigens eine der vielen großartigen Szenen in dieser Dokumentation.

Regisseurin Ruth Beckermann (Bild: Diagonale Alexi Pelekanos)
Regisseurin Ruth Beckermann

Große und kleine Tragödien stehen in dieser Klasse ebenso auf dem Stundenplan, wie die Freude über gute Noten, das gemeinsame Tanzen und das Träumen von einer guten Zukunft. Beckermann gelingt mit dieser Dokumentation, in der sie keines der vielen Probleme verschweigt, ein unaufgeregter und damit umso eindringlicherer Beitrag zur oft hysterisch geführten Integrationsdebatte, ein positiver Ausblick nicht nur auf die Zukunft dieser Kinder. Und ein überaus sehenswerter Film.

Schauspielpreis für Miko
Feststimmung und viel Rührung gab es schon vor dem Filmscreeening in der List-Halle: Etwa als Lukas Miko mit dem großen Schauspielpreis – diesmal gestaltet von Wiener Times –  ausgezeichnet wurde, und die beiden Jury-Mitglieder Goran Rebić und Zeynep Buyraç eine wunderbare Laudatio hielten.

Preisträger Lukas Miko (Bild: Erwin Scheriau / KRONE)
Preisträger Lukas Miko

Durch den Abend führte übrigens Hilde Dalik, und im Wahljahr durfte man sich über besonders viel Politprominenz – angeführt von Kunststaatssekretärin Andrea Mayer und Landeshauptmann Christopher Drexler – im Publikum freuen. Schön, dass viele Filmschaffende, angefangen von den beiden Ex-Intendanten Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger über Michael Ostrowski, Philipp Hochmair, Pia Hierzegger und Margarethe Tiesel bis hin zu Dieter Pochlatko, Ulrich Seidl, Lisl Ponger und natürlich Ruth Beckermann ein starkes Gegengewicht boten.

Michael Ostrowski und Hilde Dalik (Bild: Erwin Scheriau / KRONE)
Michael Ostrowski und Hilde Dalik

Eröffnungsrede zweier Kinoliebhaber
Wie sehr der Eröffnungsfilm unsere Zeit widerspiegelt, lässt sich auch an der Eröffnungsrede der beiden Intendanten Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh ablesen, die sich immer wieder auf ihn beziehen. Darüberhinaus aber eine Brücke von „The Sound of Music“ bis hin zum neuen grafischen Selbstbild der Diagonale schlagen. 

Philipp Hochmair (Bild: Erwin Scheriau / KRONE)
Philipp Hochmair

Slanar und Kamalzadeh sehen das Kino als einen Ort der kollektiven Erfahrung. „Das Kino ist ein Ort, an dem sich Zeit dafür genommen werden kann“, sind sich die beiden einig, fordern aber auch eine aktive Teilnahme des Besuchers: „Nicht indem wir als passive Konsumenten im Kinosaal sitzen, still gestellt, wie es die Theorie einmal postuliert hat. Sondern indem wir uns bewusst für den Film im Kino und für die Aktivität eines präsenten Zuhörens und Zusehens entscheiden, das in einen Neuanfang im Denken münden kann.“

Zitat Icon

Das Kino ist ein Medium, mit dem man die Komfortzone verlässt.

Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh

„Die Diagonale muss möglichst viele Stimmen inkludieren – und hat in dieser Hinsicht auch Wachstumspotential und Handlungsbedarf“, heißt es da weiter. In den kommenden Tagen kann man viele dieser Stimmen in den Kinosälen erleben. Die beiden Intendanten wünschen jedenfalls: „berauschende Entdeckungen und unerwartete Begegnungen“.

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