Körperverletzung?

Nachwuchs-Kicker wegen rüdem Foul vor Gericht

Tirol
16.02.2024 08:00

Ungewöhnlicher Prozess am Landesgericht Innsbruck: Ein 16-Jähriger verursachte bei einem Fußballspiel einen Bänderriss beim Gegner. Das Gericht hatte nun zu entscheiden, ob das eine schwere Körperverletzung war.

Eine Frustattacke kann es nicht gewesen sein, denn die Mannschaft des Angeklagten lag 3:0 voran. Dennoch „säbelte“ der Jugendliche im Herbst bei einem U-16-Fußballspiel in Tirol seinen Gegenspieler nieder. „Absichtlich mit gestrecktem Bein gegen den Köchel“, präzisierte es die Anklage. Resultat war ein Bänderriss beim Kontrahenten – Vorwurf der schweren Körperverletzung und nun Prozess am Landesgericht.

Beim Trainer um grünes Licht für Foul gebeten
Rüde Fouls gibt es im Fußball öfters, warum landete ausgerechnet dieses vor Gericht? Der Angeklagte hatte zuvor seinen türkischstämmigen Trainer um „grünes Licht“ für das Foulen gebeten, die Einwilligung bekam auch der andere Trainer mit, der ebenfalls türkisch versteht. Vor allem deshalb ließ der Verein den Bänderriss seines Nachwuchskickers nicht auf sich beruhen und man erstattete Anzeige.

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Wenn in Zukunft sogar solche Dinge mit einer Anklage enden, dann laufen bald nur mehr Verbrecher herum.

Der Verteidiger des 16-Jährigen

„Wir sind nur Schulter an Schulter gelaufen“, beteuerte der Angeklagte, dann sei im Zuge des Zweikampfes irgendwie auch der Knöchel seines Gegners in Mitleidenschaft gezogen worden.  Die Staatsanwältin berief sich hingegen auf Zeugen: „Das Foul passierte ohne jede Chance auf den Ball.“ Der Schiedsrichter konnte hingegen nicht zur Wahrheitsfindung beitragen, er habe die Situation zu wenig genau gesehen, gab er an.

Verteidiger: „Ein ganz normaler Zweikampf“
Der Verteidiger des 16-Jährigen rief im Schlussplädoyer fast schon empört: „Wenn in Zukunft sogar solche Dinge mit einer Anklage enden, dann laufen nur mehr Verbrecher herum.“ Ein Zweikampf wie dieser sei „die normalste Situation“ auf einem Fußballfeld.

Foul heißt noch nicht Verletzungsabsicht
Der Richter machte sich den Fall nicht einfach, bat um einige Minuten Zeit zur Urteilsfindung. Letztlich fällte er einen Freispruch im Zweifel, der bereits rechtskräftig wurde. Als Begründung ergänzte er: „Die Einwilligung des Trainers zu einem Foul bedeutet noch längst keine Verletzungsabsicht. Und ich kann nicht feststellen, was sich der Spieler beim Foul gedacht hat.“

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