Nächstes Kapitel im Streit um den A9-Ausbau: Fachleute plädieren bei einem runden Tisch in Graz für eine umsichtige Lösung. Eine dritte Spur sei zu kurz gegriffen, es brauche mutigere politische Schritte, die dem Autoverkehr gegensteuern.
Eine dritte Spur für die A9 von Graz bis nach Wildon wurde in den Gesprächen der letzten Wochen oft für alternativlos gehalten. Obwohl das Hunderte Millionen Euro schwere Projekt frühestens 2032 realisierbar wäre. Sandra Krautwaschl, Klubobfrau der „Grünen“, fordert eine schnellere und zugleich nachhaltigere Lösung, weshalb sie Experten zu einem runden Tisch einlud.
Martin Fellendorf von der TU Graz ergriff als Erster das Wort. Er ist Mitautor einer Studie, die den Ausbau für notwendig hält. „Die Anzahl der Staustunden auf der Autobahn würde sich von 138 auf 370 Stunden pro Jahr bis 2040 erhöhen.“ Eine Horrorvorstellung für jene, die heute schon genervt im Stau stecken.
„Eine dritte Spur würde 10 bis 15 Prozent mehr Verkehr bringen“
Karl Steininger, Wegener Center Uni Graz
Jedoch: Eine Betrachtung rein aus Verkehrsperspektive scheint zu kurz gegriffen. Denn ein Ausbau würde gar Anreize für das Autofahren schaffen. Karl Steininger vom Wegener Center kalkuliert mit 10 bis 15 Prozent zusätzlichem Verkehr, sollte das Pendeln leichter gemacht werden. Der Faktor Zeit spreche ohnehin allzu oft für das Autofahren, bestätigt Werner Prutsch, Leiter des Grazer Umweltamts. Vergessen würden dabei aber Klimaschutz und Raumplanung.
Experten fordern mutigere Politik
Der Lösungsvorschlag: Ein Maßnahmenbündel, das den Umstieg leichter macht. Dazu zählen Schienenausbau, Tarifänderungen - „aber es braucht auch restriktive Maßnahmen für den Autoverkehr“, betont Fellendorf. Gemeint sind beispielsweise weniger oder teurere Parkplätze in der Stadt. Vorschläge, für die nur schwer Mehrheiten in der Bevölkerung gefunden werden können. „Hier braucht es mutigere Politik“, sagt Steininger.
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