„Korbweible“

Franz Tilg ist der Älteste im Imster „Kroas“

Tirol
02.02.2024 19:00

Der „fanatische Fasnachtler“ Franz Tilg wird am Sonntag der älteste im „Kroas“ (Kreis von Roller-Schellerpaare) der Imster Schemen sein. Als „Korbweible“ hat er freie Sicht auf das mystische Treiben - vielleicht zum letzten Mal.

Wenn Sonntagmittag die Glocken der mächtigen Imster Pfarrkirche den Start des Schemenlaufens einläuten, wird auch der Puls von Franz Tilg deutlich erhöht sein. Vielleicht der letzte Auftritt des „fanatischen Fasnachtlers“, denn mit 75 Jahren ist er im „Kroas“ der Älteste. Als „Korbweible“ genießt er mit den Vogelhändlern gemeinsam das Privileg, im „geschützten Bereich“ des Kreises (Kroas) der Roller-Schellerpaare zu agieren, geschützt durch die Ordnungsmasken.

Tilg wurde sogar „Säckelmoaschter“
„1955 bin ich als Sechsjähriger zum ersten Mal als Bauresacknerle in die Fasnacht gegangen“, erinnert sich Tilg nur schemenhaft. Dann klafft eine Erinnerungslücke bis in die 1980er, in denen er seine Bestimmung gefunden hat: Wagenbauer! Und das nicht nur sporadisch, denn der „Pfeiferwagen“ war legendär. „Haus am Sparket“ hieß der erste Wagen 1984, gebaut in den Hallen von Holz Pfeifer.

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Zuschauen könnte ich nie. Die Maske des ,Korbweible’ war für mich perfekt, heuer geh’ ich zum dritten Mal.

Franz Tilg

Es folgten sieben weitere Kunstwerke, wie etwa ein überdimensionales Grammophon oder eine Nähmaschine. Als „Säcklmoaschter“ – quasi Chef aller Wagenbauer – schaffte er sogar das Höchste seiner Zunft. Im Lauf der Jahrzehnte sei in der Fasnacht alles pompöser geworden, auch die Wägen. Einmal habe man beim Aufzug ein ganzes Vordach abschneiden müssen. Ein anderes Mal habe man ein Gestell so groß wie der Wagen gebaut und vorher probehalber die Route abgefahren

„Das Fasnachts-Gen konnte ich vererben“
Das Überreichen einer Ehrenurkunde hat immer - wie auch beim „verdienten Wagenbauer“ Tilg - einen schalen Beigeschmack: Ende der Karriere. Was nun mit dem Franz? „Zuschauen könnte ich nie“, lacht der Fasnachtsfanat, „die Maske des ‘Korbweible’ war für mich perfekt, heuer geh’ ich zum dritten Mal.“ Eine interessante Maske mit optischer Täuschung. Man würde meinen, das Weible trägt im Rückkorb einen Mann. Natürlich trägt der sich selbst, die Kombination eines Holzgestells mit der Kleidung täuscht. Umso privilegierter die Wahrnehmung des „Korbweibles“, denn das kann innerhalb des Kreises das mystische Treiben barrierefrei genießen. Und die zwei Larven schnitzte sich der „alte Diener“ selbst, denn der Franz ist auch Holzkünstler.


Und er ist stolz. Stolz auf das vererbte Fasnachts-Gen. Sohn Stefan geht Wiflig-Sackner und Enkel Tobias Altfrank-Spritzer. Ob es das letzte Mal ist? Vielleicht, das hänge von der Gesundheit ab. Erst mal freue er sich auf das gemeinsame Anziehen am Sonntag. Da treffen sich nämlich alle drei Fasnachtsgenerationen bei ihm und seiner Frau Hertha, die beim Einnähen ebenfalls eine tragende Rolle einnehmen wird.

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