Volkskundemuseum Graz

So wurde ein Wiener Dandy zum Trachtensammler

Steiermark
29.01.2024 13:00

Das Grazer Volkskundemuseum zeigt zum 100. Todestag von Konrad Mautner die Ausstellung „Das andere Leben“. Darin präsentiert man einen der bekanntesten Volkskundler Österreichs in einem neuen Licht.

Ein fescher Kampel, der in einer prächtigen Tracht in der Landschaft des Salzkammerguts posiert - so kennt man Konrad Mautner, einen der bekanntesten Volkskundler Österreichs. Anlässlich seines 100. Todestages zeigt das Grazer Volkskundemuseum die Ausstellung „Das andere Leben“. Kuratorin Birgit Johler, hat für diese Schau eng mit Konrads Enkel Stephen Mautner zusammengearbeitet und 19 prächtige Fotoalben (einige davon von der Wiener Werkstatt gestaltet) mit Tausenden von Fotos durchforstet.

Dandy aus dem Wiener Großbürgertum
Viele Aufnahmen aus dem Familienleben, von seinem Bruder Stephan, den Schwestern Käthy und Marie und seiner Frau Anna sowie den Eltern Isidor und Jenny sind da zu sehen, aber auch Konrad als junger „Dandy“ - schließlich ist er als Teil des Wiener Großbürgertums aufgewachsen.

Fasziniert vom ländlichen Leben
Schon als Kind hat Mautner mit seiner Familie die Sommer am Grundlsee im Gasthof Veit verbracht und war fasziniert vom ländlichen Leben. Als 14-Jähriger hat er schon Gstanzltexte aufgeschrieben. Nicht viel später begann er mit dem Sammeln von Trachten. Seine Freunde und Nachbarn waren seine Quellen, von ihnen ließ er sich vom Brauchtum erzählen und Lieder vorsingen, die er in seinem „Steyerischen Raspelwerk. Lieder Vierzeiler und Gasselreime“ 1910 veröffentlichte.

Im Ersten Weltkrieg verlegten Konrad und Anna mit ihren Kindern ihren Lebensmittelpunkt endgültig nach Gößl. Mautner gründete dort einen Trachtenverein und organisierte große Trachtenfeste. Seine Bekanntschaft mit Viktor Geramb, mit dem er am „Steyrischen Trachtenbuch“ arbeitete, ist legendär.

Mautners „anderes“ Leben in Wien
Doch die Ausstellung zeigt auch Mautners „anderes“ Leben. Er war und blieb Mitglied der Wiener High Society, die er in seinem Stadthaus im eigens eingerichteten „Gößl-Zimmer“ empfing und ihr dort seine Trachtensammlung präsentierte. Die noch junge Volkskunde war zu Beginn des 20. Jahrhunderts chic, auch der Kaiser begeisterte sich dafür.

Was die Schau ebenfalls andeutet, sind die vielen schönen Landmädchen, die den reichen Gönner aus der Stadt umschwärmt haben. Und auch der Antisemitismus, der Mautner und seiner Familie entgegenschlug, klingt leise an, die Enteignung der Familie in der NS-Zeit und die ungeklärte Provenienz einzelner Exponate.

Schau auch in Bad Ischl zu sehen
Doch es gelingt Birgit Johler, Stephen Mautner und Gestalterin Erika Thümmel in dieser Schau, eine ungemeine Leichtigkeit zu transportieren, die neue Blickwinkel auf den Volkskundler Konrad Mautner (1880-1924) ermöglicht. Im Juli wandert die Ausstellung als Teil der Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 nach Bad Ischl weiter.

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