Mo, 23. Juli 2018

Alarmierende Zahlen

29.05.2012 19:24

40% der 13- bis 15-Jährigen greifen schon zur Zigarette

Anlässlich des Weltnichtrauchertages am Donnerstag hat die Österreicherische Krebshilfe am Dienstag alarmierende neue Zahlen präsentiert. 40 Prozent aller Krebserkrankungen - jährlich gibt es 38.000 neue Krebspatienten - entstehen demnach durch aktives und passives Einatmen von Zigarettenrauch. Besonders besorgniserregend: 40 Prozent der 13- bis 15-Jährigen zählen bereits zu den regelmäßigen Rauchern.

"Zah ausse de Dreia und gib ma a Feia, i brauch a Spü, mi kon kana rettn, i rauch stotn betn", besang schon Georg Danzer den Tabakteufelskreis. Betrachtet man aktuelle Studien zum Zigarettenkonsum in Österreich, verfliegt die Romantik des Wienerliedes schnell – und wird zu tödlichem Ernst. 38 Prozent der Österreicher bezeichnen sich in einer repräsentativen Umfrage der Österreichischen Krebshilfe vom März 2012 als Raucher, 33 Prozent greifen regelmäßig zur Zigarette. Nach Geschlechtern aufgeteilt, greifen 38 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen regelmäßig zum Glimmstängel.

Risikobewusstsein nicht gerade hoch
Nicht gerade hoch ist laut der Umfrage auch das Risikobewusstsein der heimischen Bevölkerung bezüglich des Tabakkonsums: Als "weniger gefährlich" stufen demnach 53 Prozent der regelmäßigen Raucher den Zigarettenkonsum ein - obwohl fast alle Fälle von Lungenkarzinomen und ein erheblicher Teil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit dem Rauchen in Verbindung zu bringen sind.

Da ist es dann auch wenig überraschend, dass Österreich in der Tobacco Control Scale (TCS) den 30. - und damit ex aequo mit Griechenland letzten - Platz belegt. Bei TCS wird gemessen, was Regierungen tun, um den Tabakkonsum zu kontrollieren. Selbst unsere östlichen Nachbarländer wie Bulgarien, die Slowakei und Rumänien machen das demnach besser als Österreich.

Alarmierende Zahlen bei den Jugendlichen
Das Einstiegsalter beim Zigarettenrauchen konzentriert sich ganz klar auf die Gruppe der 13- bis 19-Jährigen, so das Ergebnis der aktuellen Krebshilfe-Umfrage. Bis zu einem Alter von zwölf Jahren sind es neun Prozent, in der Gruppe der 13- bis 15-Jährigen 40 Prozent und bei den 16- bis 19-Jährigen 37 Prozent der später regelmäßigen Raucher, die in diesen Altersgruppen damit begonnen haben. Unter den 20- bis 30-Jährigen beginnen dann nur noch sechs Prozent der später regelmäßigen Raucher mit dem Tabakkonsum. Das Durchschnitts-Einstiegsalter beträgt den Umfragedaten zufolge 16 Jahre.

Auch der internationale Vergleich lässt Österreich dabei in einem schlechten Licht dastehen: Laut einem OECD-Ranking weisen wir mit 40 Prozent gar den zweithöchsten Anteil an 15-Jährigen auf, die Zigaretten konsumieren. Dass Österreichs Jugendliche beim Tabakkonsum international vorne dabei sind, hatte zuletzt auch eine Studie der britischen Wissenschaftszeitung "The Lancet" (siehe Infobox) befunden.

Zugang zu Tabak für Kinder viel zu leicht
"Kinder und Jugendliche werden durch das österreichische Tabakgesetz nicht geschützt. Auch Säuglinge und Kleinkinder darf man in völlig verrauchte Lokale mitnehmen", kritisiert etwa "Rauchersheriff" Dietmar Erlacher vom Verein "Krebspatienten für Krebspatienten". Es brauche konsequentere Kontrollen der bestehenden Rauchergesetzgebung, fordert auch der Präsident der Österreichischen Krebshilfe, der Wiener Gynäkologe Paul Sevelda. "Langfristig ist ein komplettes Rauchverbot in allen Bereichen, wo sich Jugendliche aufhalten, unvermeidlich. Zudem muss verstärkt kontinuierliche und umfassende Aufklärung der Kinder und Jugendlichen über die schädlichen Folgen des Rauchens und des Passivrauchens erfolgen", so Sevelda.

Auch bei der Raucherentwöhnung unterscheidet sich Österreich von vielen anderen europäischen Ländern: Diese wird nicht von den Krankenkassen übernommen – auch nicht jene für Jugendliche.

Kaum Geld für Präventionsarbeit
Die Pharmig, eine Interessensvertretung der österreichischen Pharmaindustrie, kritisierte am Dienstag in einer Aussendung, dass in Österreich im Jahr 2010 nur 1,4 Prozent der öffentlichen Gesundheitsausgaben für die Raucherprävention ausgegeben werden. "Mit der Orientierung an Vorbildern wie Finnland könnten wir uns viele teure Folgebehandlungen sparen", so Generalsekretär Jan Huber. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will bis zum Jahr 2040 den Anteil der Raucher an der Weltbevölkerung jedenfalls bei nur noch fünf Prozent sehen.

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