Steirischer Bischof:

„Gerade jetzt braucht es die Friedensbotschaft“

Steiermark
24.12.2023 07:00

Der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl im neu renovierten Grazer Dom über das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“, Kriege und Hoffnung.

Krone: Die Messe am Heiligen Abend im neu renovierten Grazer Dom - was berührt Sie besonders daran?

Wilhelm Krautwaschl: Der Grazer Dom spiegelt Geschichte über Jahrhunderte und damit auch Glaubensgeschichte eindrucksvoll wider. Sie wird hier angreifbar und durch die Renovierung auch wieder sichtbar. Wenn man sich vorstellt, wie oft in dieser langen Zeit gebetet, Freud und Leid geteilt wurde, dann ist das besonders faszinierend für mich.

Viele sehen Weihnachten nur als Fest des Konsums, die Friedensbotschaft des Kindes in der Krippe scheint oft in den Hintergrund zu rücken. Geht der Sinn von Weihnachten immer mehr verloren?

Wenn wir von Jesus sagen, dass er der Mensch schlechthin ist, dann geht es letztendlich um den Menschen. Wenn Menschen in der Weihnachtszeit zusammenkommen, versuchen, dem Alltagstrubel zu entfliehen oder sich fragen, was der Sinn ihres Daseins ist: Dann muss das nicht immer auf dem christlichen Glauben beruhen, aber die Botschaft wird immer eine christliche sein.

In vielen Ländern stehen Kirchen leer, müssen verkauft werden. Wie bedrängt ist das Christentum in Europa?

Wir haben eine Geschichte der Kirche, die vieles geprägt hat, wie wir es ja gerade hier am Grazer Dom sehen. Das Christentum ist vor allem durch Zeitgeistiges bedrängt, und das ist tatsächlich eine Herausforderung für uns. Es gibt zunehmend Menschen, die mit Gott und mit der Religion als etwas Persönliches nichts mehr anfangen können. Der Kern der Friedensbotschaft aber bleibt, er ist wichtig und zeitlos und wird auch die nächsten Jahrhunderte bleiben. Aber ja, Kirche wird anders sein.

Das Kind in der Krippe, behütet von seinen liebenden Eltern, ist ein Idealbild, das leider oft nicht mehr der Realität entspricht. Viele Kinder wachsen in zerrütteten Verhältnissen auf. Wie kann man da gegensteuern?

Indem man jeden Menschen als Geschöpf Gottes und damit auch seine Würde ernst nimmt. Oder in der Botschaft des Evangeliums gesprochen: Ich habe den Nächsten so zu lieben wie mich selber. Das gilt im Speziellen für Kinder, die wehrlos sind. Da müssen wir genauer hinschauen, da müssen wir wachsam sein. Die Kirche hat schon vor Jahren entsprechende Schutzkonzepte erarbeitet.

Am Heiligen Abend wird das wohl schönste Weihnachtslied der Welt, das „Stille Nacht, Heilige Nacht“, gesungen. Von „Stiller Nacht“ fehlt in der Ukraine, in Israel, im Gazastreifen jede Spur. Schmerzt Sie das?

Ja sicher. „Stille Nacht“ kündet vom Frieden, und das passt auf den ersten Blick nicht zusammen. Aber gerade jetzt braucht man die Botschaft des Friedens. Wir können von Glück reden, dass wir in Österreich, auf einem friedlichen Fleckerl Erde zu Hause sind. So lange Waffen produziert werden, braucht man sich nicht zu wundern, wenn sie auch eingesetzt werden.

Stichwort Krieg: Der Hass nimmt immer mehr zu, in sozialen Medien wird geschimpft, beleidigt. Wie kann unsere Gesellschaft im Sinne der Weihnachtsbotschaft zu neuem Zusammenhalt finden?

Der Papst sagt: „Wo du ins Leben eines anderen eintrittst, betrittst du heiligen Boden.“ Egal woher wir kommen, egal welche Hautfarbe wir haben, egal welchen Glauben wir haben: Das verbindet uns. Während der Corona-Pandemie ist da leider vieles brüchig geworden, speziell die so genannten „sozialen Medien“ sind mit Vorsicht zu genießen. Hilfreich wäre es, auch die Gedankenwelt anderer kennenzulernen und auch andere Meinungen zu akzeptieren. Das Motto darf nicht sein: Nur weil die Idee nicht von mir stammt, ist sie automatisch schlecht. Wir alle müssen da dazulernen, und ich bin der Erste.

Gerade zu Weihnachten denken viele besonders an ihre Lieben, die nicht mehr unter ihnen weilen. Wie finden diese Menschen Trost?

Wir Menschen sind endliche Wesen, irgendwann wird es den Tod geben. Die Formen, wie man Trost findet, sind unterschiedlich. Man kann Kerzen anzünden und Kirchen besuchen, wo man sein Schicksal hintragen kann. Wenn man Weihnachten und damit die Geburt Christi ernst nimmt, dann heißt das: Es wurde der Mensch geboren, der ewig ist. Durch Christus ist uns das ewige Leben gegeben.

Die hohen Kosten haben viele Menschen in finanzielle Bedrängnis, ja Armut gestürzt. Kann man angesichts dessen Weihnachten feiern, während andere nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen?

Ja, wir sollen feiern, denn Weihnachten heißt: Jesus kommt ins Elend hinein. Wir tun als Kirche, was wir können, um Not zu lindern, sei es über die Caritas, die Pfarr-Caritas, die Vinziwerke. Es wird sicher immer zu wenig sein, aber unser ernstes Bemühen ist da.

Was ist Ihre Weihnachtsbotschaft an die Steirer?

Habt Hoffnung! Weil Gott mit uns ist.

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