Jeden Freitag und Samstag öffnet Karin Bauer ihren Flohmarkt im obersteirischen Neuberg - mit Jahresende ist allerdings Schluss. Weggeschmissen soll aber weiterhin nichts werden.
Eine Ära geht zu Ende, wenn Ende Dezember Karin Bauer ihren privaten Flohmarkt in Neuberg schließen wird. Zwölf Jahre lang hatte er jeden Freitag und Samstag offen. Nur zu Covid-Zeiten mit den Veranstaltungsverboten und neulich, als ihr Sohn heiratete, blieb er geschlossen.
Man findet Kleidung, Bücher, Werkzeug, Geschirr, Elektrogeräte, Spielzeug, Hausrat und Möbel, Rahmen und Bildern, alte Holztruhen usw. Vor mehr als 20 Jahren begann bei Bauer das Flohmarkt-Fieber mit einem Trödelmarkt in Mürzzuschlag: „Es ist traurig, was bei uns alles im Müll landet. Da sind oft so schöne Sachen dabei! Die Leute sollten viel mehr nachdenken, bevor sie etwas einkaufen.“
Die Leute sollten viel mehr nachdenken, bevor sie etwas einkaufen.
Karin Bauer
Mit wenigen Handgriffen wird aus Altem Schönes
Man müsse nicht immer mit dem neuesten Trend mitgehen, sie selber und ihr Mann Günther seien gern Bastler: „Man glaubt oft nicht, mit wie wenigen kleinen Handgriffen man etwas so verändern kann, dass wieder etwas Schönes daraus wird! Mein Sohn hat heuer geheiratet, da habe ich die Dekoration übernommen: Aus Vorhangstoffen, Spitzen und Bordüren habe ich die schönsten Schleifen gemacht.“
Ihr Flohmarkt hat übrigens System. Die „Chefin“ weiß sehr genau, wo was zu finden ist: Glas zu Glas, Seidentücher beieinander, die Kleidung oben im Haus und im Schuppen, die Pelzmäntel im zweiten Schuppen, Möbel oder Waschmaschinen in der Garage usw. Dazwischen alte Keramik, Riedel-Gläser, Designer-Stühle und gusseiserne Kreuze aus Gusswerker Produktion.
Faire Preise locken Kunden an
Die Preise sind fair, Hemden kosten z. B. 50 Cent oder maximal einen Euro. Das wissen auch die ukrainischen Familien, die seit Kriegsbeginn in Neuberg leben und gern hierher kommen, um Kinderkleidung oder Spielzeug zu kaufen.
Dass daneben auch kleinere Diebstähle oder Beschädigungen zu verbuchen sind, ist für Bauer nicht enttäuschend. Sie bezeichnet sich als fröhlichen und leutseligen Menschen. Kaum verwunderlich, war sie doch in den 1980er-Jahren für vier Jahre Wirtin auf der Schneealm-Hütte: „Es wird mir sicherlich fehlen, nicht mehr so viel Kontakt zu den Leuten zu haben.“
Wegschmeißen ist letzte Option
Noch gibt es den Neuberger Flohmarkt, am 30. Dezember ist Schluss. Ab 2024 werden sich Karin und Günther vermehrt um die Enkelkinder kümmern. Zunächst wird aber alles, was übrig bleibt, sorgsam getrennt und nach Möglichkeit gespendet. Das Holz wird zum Verbrennen zusammengeschnitten. Wegschmeißen ist weiterhin nur die letzte Option.
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