„Habe einen Makel“

Junger IT-Experte bekommt keine Chance am Jobmarkt

Steiermark
28.09.2023 06:00

Viele Firmen suchen händeringend nach Informatikern - trotzdem lädt einen jungen, hoch motivierten Steirer fast niemand zum Vorstellungsgespräch. Wegen eines Handicaps?

Philipp ist ein sehr witziger, schlagfertiger Gesprächspartner, kompromisslos ehrlich, selbstkritisch und sehr intelligent. Der junge Oststeirer hat eine Fachschule für Informationstechnik abgeschlossen und bei seinen Praktika immer viel Lob kassiert.

Dennoch: Seit gut einem Jahr sucht er einen Job. Händeringend. Dutzende Bewerbungen hat er bereits abgeschickt - und fast nie eine Rückmeldung bekommen. Das einzige Vorstellungsgespräch verlief aus seiner Sicht positiv, aber auch da: keine Antwort.

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Ich bin einfach etwas aus der Norm.

Philipp

Makel wird nicht verschwiegen
Wie kann das bei einem Informatiker sein? Philipp geht davon aus, dass der Grund sein, wie er es selber nennt, Makel ist. Den man nicht gleich bemerkt, den er aber in keiner Bewerbung verschweigt. Er leidet nämlich an einer Autismusform: Asperger.

Kann er damit seinen Job nicht machen? Kein Top-Informatiker sein? „Nein!“, sagt er. „Ich bin einfach etwas aus der Norm. Ich erledige gern und gut meine Aufgaben - aber in meinem Tempo. Ich brauche Strukturen, Gewohnheit, nicht zu viele Menschen um mich.“

„Möchte endlich arbeiten“ 
Langsam verzweifelt er. Er macht zwar Fortbildungen, aber er möchte „endlich arbeiten! Ich will mich einbringen, auch Geld verdienen, mit meinen 20 Jahren wie ein Erwachsener leben.“

Seine Eltern stehen voll hinter ihm - sein Vater ortet aber Politikversagen und ist mittlerweile schon verärgert über „das System. Mein Sohn fällt voll durch. Ja, es gibt solche Menschen wie ihn! Eigentlich müsste sich doch das AMS voll für so jemanden einsetzen. Firmen müsste klar sein, dass dies Inklusionsmitarbeiter sind, für die es auch Förderungen gibt.“ Und Philipp sei nicht der Einzige. „Aus seiner Klasse, in der zwölf waren, haben nur vier einen Job.“

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Mittlerweile gehen uns die Anlaufstellen aus. Einen Termin bei Politikern kriegt man auch nicht so einfach.

Der Vater von Philipp

Man habe sich schon bei so vielen Stellen bemüht, „mittlerweile gehen uns die Anlaufstellen aus. Einen Termin bei Politikern kriegt man auch nicht so einfach.“

„Nicht einmal eine Chance“
Was ihn entsetzt: „Gerade in Sachen EDV und Informatik wird sogar überlegt, Leute aus Indien zu holen, weil Tausende Fachkräfte fehlen. Und dann kriegt jemand aus Österreich, der hoch motiviert ist, nicht mal eine Chance, sich zu bewähren.“

Vielleicht fühlt sich ein Betrieb in der Oststeiermark angesprochen? Kontakte leiten wir gerne weiter: christa.bluemel@kronenzeitung.at

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