„Red Bull Show 100“

AUT Of ORDA: Livepremiere vor laufender Kamera

Wien
03.08.2023 11:00

Mit AUT Of ORDA hat die heimische Musikszene seit vergangenen November eine unerwartete Supergroup. Christopher Seiler, Paul Pizzera und Daniel Fellner gehen nach ein paar Singles nun in die Vollen und konzipieren für die „Red Bull Show 100“ unter Kameras innerhalb von 100 Stunden eine 100-minütige Show - eine Mammutaufgabe für die Vollblutkünstler. Der „Krone“ verrieten sie im Interview, worauf es dabei ankommt und dass eine gesunde Angst durchaus dienlich sein kann.

Wie stellt man eine Liveshow auf die Beine? Welche Lieder werden gewählt und wie werden sie angeordnet? Haben wir überhaupt genug Lieder und falls nicht, wie improvisieren wir? Wie bewegen wir uns während der Songs und wie soll sich ein abendfüllendes Konzert denn überhaupt ausgehen? Diese und noch viele weitere Fragen werden am 21. Oktober in der Wiener Marx Halle beantwortet, wenn das Austro-Projekt AUT Of ORDA durch ein regelrechtes Stahlbad gegangen ist. Unter dem Banner „Red Bull Show 100“ haben die drei Vollblutmusiker Christopher Seiler, Paul Pizzera und Daniel Fellner ab 17. Oktober exakt 100 Stunden Zeit, um von A bis Z eine 100-minütige Show vorzubereiten, die dann vor zahlender Kundschaft eben am 21. Oktober live präsentiert wird. Ein in dieser Form noch nie dagewesenes Projekt mit einer Band, die zusätzlich noch nie gemeinsam auf der Bühne stand.

Nur weniges ist planbar
„Wir müssen in einem Minimum an Zeit das Maximum an Entertainment herausholen“, zeigt sich Pizzera im „Krone“-Talk vorfreudig und nervös zugleich, „das wird physisch und psychisch eine immense Herausforderung. Es gibt potenziell an die 17 Wege, wie wir das Projekt krachend zum Scheitern bringen, aber natürlich wird es das nicht.“ Cheaten ist im Prinzip unmöglich und in der Vor-Vorbereitung sind nur wenige Dinge planbar. Etwa eine komplette Band zusammenzustellen oder genügend Songs zu schreiben, denn mit den bisher veröffentlichten fünf Singles lässt sich kein Konzert füllen. „Wir sind ja zum Glück im Songwritingmodus“, erzählt Musiker Fellner, „da wir ja für uns das Debütalbum schreiben und jetzt diesen Schwung einfach mitnehmen. Aber eine 100-minütige Show lässt sich nicht so leicht füllen. Die eine oder andere Coverversion und vielleicht ein Stargast sind sicher möglich.“

Wie „Big Brother“ oder „Taxi Orange“ darf man sich das Event nicht vorstellen. „Es gibt jetzt keine Nachtsichtkamera, die uns bis aus Klo verfolgt, aber es wird jeden Tag einen komprimierten Inhalt geben, der zeigt, wie bei uns der kreative Prozess abläuft. Gerade das wird schwierig, weil der normalerweise hinter verschlossenen Türen passiert.“ Bei AUT Of ORDA geht es da weniger um magische Kreativzaubertricks, sondern mehr darum, dass man für gewöhnlich das Scheitern nicht öffentlich dokumentiert. „So ein Konzept geht ein bisschen gegen all das, was gerade en vogue ist“, so Pizzera, „normal ist heute ja alles perfekt eingespielt, die Stimmen sind glockenklar und man hört keinen falschen Ton. Das wird bei diesem Projekt eher nicht der Fall sein. Dafür bekommt man einen guten Einblick, was und wie oft man etwas tun muss, bis es auch wirklich sitzt.“ Fellner fürchtet leere Kilometer. „Manchmal arbeitet man lange an etwas und es wird nichts. Das wäre in dem Fall sehr blöd, aber ganz ausschließen lässt es sich leider nicht.“

Keine Zeit für den Abschleifprozess
Die drei Kumpels haben weniger Angst vor eventuell fehlendem Songmaterial, sondern mehr vor der ganzen organisatorischen Umsetzung. „Am Schwierigsten wird sein, dass das Ganze überhaupt nach etwas ausschaut“, gibt Seiler zu bedenken, „wir sind jetzt zwar alle nicht ganz unerfahren, haben aber in dieser Konstellation überhaupt keine Live-Erfahrung, weil wir überhaupt noch nie aufgetreten sind. Normalerweise beginnt ein kleiner Act mit einer Club-Tour, um sich in Ruhe die Ecken und Kanten abzuschleifen. All das muss jetzt aber schon in der Vorplanung passieren, weil wir uns diesen zeitlichen Luxus gar nicht leisten können.“ In jedem Fall wird die Besetzung sechs Personen umfassen und eine gewisse Form von Anarchie vorherrschen. „Dieses Projekt gibt uns die einzigartige Möglichkeit, zu blödeln und puren Spaß zu haben. Jeder weiß, wie Seiler und Speer und Pizzera & Jaus klingen, aber bei AUT Of ORDA ist alles möglich.“

Die drei Granden der modernen Austromusikszene fanden sich im November 2022 tatsächlich zufällig zusammen. Fellner und Seiler nahmen gerade im Grazer Stressstudio Material auf, als der Steirer Pizzera auf Besuch kam. Eine Kiste Bier später war die erste Single „Wigl Wogl“ geschrieben - so sagt es zumindest die Legende der persönlich Beteiligten. „Wir haben aber schnell erkannt, was für eine schöne künstlerische Spielwiese das ist und konnten aus dem Formationsdenken unserer anderen Projekte rausspringen. Es hat zu viel Spaß gemacht, um es nicht einfach weiterzuführen.“ Wenig später rief ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick Pizzera wegen eines offiziellen Team-Songs an, die Idee landete schließlich bei der Band und daraus resultierte „Hoch gwimmas (n)imma“. Mit „Mir Amor“ persiflierte das Trio unlängst den erfolgreichen Latino-Pop mit klassisch-literarischem Pizzera/Seiler-Schmäh.

Alles ist möglich
„Wir haben viele Ideen, aber kein musikalisches Korsett und das wollen wir unbedingt so beibehalten“, erklärt Seiler, „wir sind ein Künstlerkollektiv. Ich kann mir vorstellen, dass wir Heimatstolz mit volkstümlicher Musik in die Mangel nehmen oder auch in Richtung Rocktheater á la EAV gehen - es ist alles möglich.“ Neben dem Spaß ist den Musikern die nötige Portion Selbstironie in den Songs am wichtigsten. „Wir dürfen natürlich auch ernste Nummern schreiben, aber die großen, ergreifenden, die werden hier eher nicht dabei sein.“ Ein weiterer Vorteil ist eine strikt ausgelebte Demokratie. „Jede Stimme hat denselben Wert und wenn eine Idee mal nicht so gut ist, dann muss derjenige damit zurückstehen. Das ist nicht bei allen Projekten der Fall, aber hier immens wichtig.“ Neben der „Red Bull Show 100“ und einem Album 2024 wird dann nächstes Jahr auch eine Clubtour folgen. „Jetzt aber erst einmal volle Konzentration auf dieses Projekt.“

Live in der Marx Halle
Unter www.redbull.com kann man ab 17. Oktober live die „Red Bull Show 100“ verfolgen und den Künstlern bei diesem einmaligen Projekt über die Schulter schauen, wie sie eine abendfüllende Show von der Pike weg auf die Beine stellen. Das Konzert, das 100 Minuten dauern wird, findet dann am 21. Oktober in der Wiener Marx Halle statt. Unter www.oeticket.com gibt es die Tickets und weitere Informationen dazu.

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