Mi, 15. August 2018

"Überarbeitung"

19.12.2011 05:20

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il während Zugfahrt gestorben

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il ist tot. Der 69-Jährige sei bereits Samstag früh während einer Zugfahrt an einem schweren Herzinfarkt gestorben, berichtete am Montag das staatliche nordkoreanische Fernsehen. Als Grund für den Infarkt gab eine in schwarz gekleidete Ansagerin mit Tränen in den Augen körperliche und geistige Überarbeitung des Staatschefs an. Zum Nachfolger an der Spitze des Landes wurde Kims Sohn Kim Jong Un ernannt.

Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete, der Staatschef sei nach einem "großen mentalen und physischen Leiden dahingeschieden". Kim sei außerhalb der Hauptstadt Pjöngjang verstorben, als er sich auf einer seiner Reisen durchs Land befunden habe. Am Sonntag sei eine Autopsie der Leiche vorgenommen worden.

"Szenen unbeschreiblicher Trauer"
KCNA berichtete von "Szenen unbeschreiblicher Trauer". Die Menschen "versuchen nicht einmal, die Tränen wegzuwischen, und ringen mit Schmerz und Verzweiflung angesichts des Verlusts", hieß es. Das Staatsfernsehen zeigte in Tränen aufgelöste Passanten auf den Straßen von Pjöngjang, aber auch Mitglieder der regierenden kommunistischen Partei, die schluchzten, schrien und auf Tische schlugen. Anschließend brachte der Sender stundenlang Bilder des Kim Jong Ils bei Besuchen von Fabriken und Schulen.

Die Staatsspitze ordnete eine Trauerphase bis zum 29. Dezember an. Während der Trauerzeit ist Singen und Tanzen verboten. Kim Jong Ils Beisetzung soll am 28. Dezember in Pjöngjang stattfinden. Ausländische Delegationen würden dazu nicht eingeladen, meldete die Agentur. Im stalinistischen Nordkorea dürfte es zu riesigen - staatlich verordneten - Trauerbekundungen kommen. Die Propaganda bezeichnete Kim Jong Il, der die Macht 1994 von seinem Vater Kim Il Sung übernommen hatte, stets als "Geliebten Führer" und machte ihn zu einem Halbgott.

Kurs des "großen Nachfolgers" Kim Jong Un noch unklar
Nun kommt Kim Jong Un an die Macht. "Alle Parteimitglieder, Soldaten und die Öffentlichkeit sollten nun treu der Führerschaft von Kamerad Kim Jong Un folgen und die vereinigte Front der Partei, der Streitkräfte und der Öffentlichkeit schützen und weiter stärken", hieß es in der KCNA-Meldung. Kim Jong Un wurde als "großer Nachfolger" seines Vaters bezeichnet, das Land müsse "den geachteten Genossen treu verehren". Kim Jong Un hatte bereits in den vergangenen Jahren wichtige Posten in der kommunistischen Partei erhalten und offizielle Termine wahrgenommen.

Laut südkoreanischen Experten zeigen die Aufrufe der Staatsmedien an die Bevölkerung, dem Sohn des Verstorbenen die Treue zu halten, dass die seit Jahren vorbereitete Erbfolge ohne Hindernisse ablaufe. Kim Jong Un werde in absehbarer Zeit sicher keine drastische Kursänderung vornehmen und eine strategische Allianz mit der Armee suchen, erklärte der südkoreanische Politologe Baek Seung Joo vom Seouler Institut für militärische Analysen. "Alle Verantwortlichen, die unter Kim Jong Il mitzureden hatten, haben sich offenkundig in den vergangenen 48 Stunden darauf verständigt, Kim Jong Un als neuen Führer zu unterstützen."

Südkoreas Streitkräfte in Alarmbereitschaft
Als Reaktion auf die Meldung über den Tod Kims versetzte Südkorea seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Wie ein Sprecher des Generalstabs sagte, wurde zudem die Luftüberwachung an der Grenze verstärkt. Jede Bewegung der nordkoreanischen Armee werde genau beobachtet. Staatspräsident Lee Myung Bak sagte laut Seoul alle Termine ab und rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. In Japan, das überraschend sein Beileid ausgesprochen hat, berief die Regierung eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitskabinetts ein. Und auch das Weiße Haus in Washington erklärte, es verfolge die Berichte aus Nordkorea aufmerksam.

Ursache für diese Reaktionen ist die Angst, dass entweder das Militär die Gunst der Stunde für einen Staatsstreich nutzt oder dass Neo-Staatschef Kim Jong Un gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine Machtdemonstration vollführt. Über den neuen Diktator ist bislang nur wenig bekannt, daher ist auch noch völlig unklar, in welche Richtung er sein Land steuern wird. Nordkorea verfügt nach eigenen Angaben über Atomwaffen.

Auch wie sich nun die Lage der nordkoreanischen Bevölkerung entwickeln wird, ist noch völlig unklar. Während der Amtszeit von Kim Jong Il war das ohnehin schon bettelarme Land weiter ausgeblutet. Während Pjöngjang weiter in sein Atomprogramm investiert, leidet die Bevölkerung Nordkoreas immer wieder unter Lebensmittelmangel. Eine Million Nordkoreaner soll unter Kims Führung verhungert sein. Laut einer Schätzung der Vereinten Nationen sind ein Drittel der nordkoreanischen Kinder von Mangelernährung betroffen.

In ersten Reaktionen ließen westeuropäische Regierungen Hoffnung auf einen beginnenden Wandel in dem ostasiatischen Land anklingen. Er hoffe sehr, dass das Volk in Nordkorea "eines Tages seine Freiheit finden" möge, erklärte Frankreichs Außenminister Alain Juppé. "Der Tod eines Menschen ist nie erfreulich, aber was mich erschüttert, ist das Leiden eines Volkes." Der britische Außenminister William Hague sieht im Tod von Nordkoreas Machthaber die Möglichkeit für einen Wendepunkt - die Nachfolger müssten anerkennen, dass die Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft die beste Möglichkeit biete, die Lebensqualität des Volkes zu heben. Die deutsche Regierung rief die neue Führung in Pjöngjang zu einer politischen und wirtschaftlichen Öffnung des Landes auf.

Formaler Kriegszustand und Atomprogramm
Nord- und Südkorea befinden sich formal noch immer im Kriegszustand. Der Korea-Krieg wurde 1953 mit einem Waffenstillstand beendet. Immer wieder kommt es im Grenzgebiet zwischen beiden Staaten zu militärischen Zwischenfällen. Der Verdacht, dass Nordkorea heimlich eine Atombombe baut, heizte die Spannungen in den vergangenen Jahren zusätzlich an. Pjöngjang stieg im April 2009 aus den Sechs-Nationen-Gesprächen über sein Atomprogramm aus, an denen die USA, Japan, Russland, China und Südkorea beteiligt sind.

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