Körperwelten

Grenzbereiche zwischen dem Leben und dem Tod

Tirol
10.06.2023 18:00

Die Medizinerin Angelina Whalley ist der kreative und wirtschaftliche Kopf hinter den Körperwelten-Ausstellungen. Die Ehefrau von Gunther von Hagens hat seit 1995 alle bisherigen Ausstellungen inhaltlich konzipiert und gestaltet. Die „Tiroler Krone“ suchte am Freitag im Rahmen der Eröffnung der erstmals in der „BALE“ Innsbruck stattfindenden Körperwelten-Ausstellung „Am Puls der Zeit“ das Gespräch mit der engagierten und kreativen Wissenschafterin.

„Krone“: Frau Doktor Whalley, empfinden Sie Ihre Arbeit hin und wieder als deprimierend?
Angelina Whalley: Nein, überhaupt nicht. Meine Arbeit dreht sich ja weniger um den Tod und das Sterben, sondern sie ist sehr lebensorientiert. Auch die Körperwelten-Ausstellung dreht sich ja um das Leben.

Schon am Eröffnungstag herrschte reger Besucherandrang in der „BALE“. (Bild: Hubert Berger)
Schon am Eröffnungstag herrschte reger Besucherandrang in der „BALE“.

Die Wurzeln Ihrer Körperwelten-Ausstellungen liegen in der Wissenschaft. Die unterschiedlichen Arrangements der platinierten Präparate wecken aber Assoziationen zur klassischen Bildhauerei der Antike und der Renaissance. Versucht man hier bewusst, Wissenschaft und Kunst in Einklang zu bringen?
Das stimmt! Wir hatten 1995 bei unserer ersten Ausstellung vier Ganzkörperplastinate ausgewählt, die nicht für öffentliche Zwecke gemacht wurden, sondern als anatomisches Modell aufrecht stehend präpariert waren. Das Interesse der Besucher war sehr groß, die einzige Kritik galt den vier Plastinaten, die von einigen als unheimlich gesehen wurden. Das war der Moment, in dem wir wussten, dass wir für das Laienpublikum diese Plastinate in ihrer Darstellung anders gestalten müssen. Wir erinnerten uns dabei an die Renaissance-Anatomie-Darstellungen, die in sehr natürlichen Körperhaltungen dargestellt wurden und nicht steif wie ein Modell. Von dem Moment an haben wir begonnen, die Ganzkörper-Plastinate tatsächlich in unterschiedlichen natürlichen Posen darzustellen, was an die klassische Bildhauerei erinnert.

Daniel Craig in seiner Paraderolle als James Bond in der „Casino Royale“-Körperwelt Szene. (Bild: Berger Hubert)
Daniel Craig in seiner Paraderolle als James Bond in der „Casino Royale“-Körperwelt Szene.

Eine Körperwelten-Ausstellung spielt im 1. James-Bond-Film mit Daniel Craig, „Casino Royale“, der 2006 in die Kinos kam, eine plakative Rolle. Wie kamen Sie zu dieser unbezahlbaren Werbung?
Die Produzenten der weltbekannten und beliebten Filmreihe rund um den britischen Agenten traten an uns heran. Sie sagten, dass sie unsere Ausstellung in London sahen und diese sie sehr beeindruckte und dass sie im nächsten Film gerne eine Körperwelten-Ausstellung miteinbinden wollen. So haben wir für diesen Dreh eigens eine Schau aufgebaut. Im Film befindet sich diese in Miami, gedreht wurde sie aber in Prag. Inwieweit das dem Bekanntheitsgrad der Sache zuträglich war, kann ich nicht sagen, da sie zu diesem Zeitpunkt schon mehr als bekannt war.

Die Körperwelten-Schau „Am Puls der Zeit“ läuft noch bis 15. Oktober im Ausstellungsraum „BALE“ Innsbruck.

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