Die Personalnot trifft auch die steirische Kinder- und Jugendhilfe. In Kapfenberg musste ein Krisenzentrum sogar für drei Monate geschlossen werden. Nun schnürt die Landesregierung ein sieben Millionen Euro schweres Paket - das den Bedarf an Mitarbeitern allerdings noch weiter erhöht.
Im Sommer geriet die Steiermark bundesweit in die Schlagzeilen. Mitarbeiter beklagten sich über schwierige Arbeitsbedingungen. Und weil Personal fehlte, musste das Krisenzentrum Krisun in Kapfenberg, in dem Jugendliche in Not untergebracht werden, sogar schließen! Seit September hat es wieder geöffnet. Auch in anderen Einrichtungen ist die Mitarbeiter-Situation nicht rosig.
„Die letzten Monate waren schwierig“
Die Politik geriet unter Zugzwang. Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ) legt nun ein sieben Millionen Euro schweres Maßnahmenpaket vor, das am Donnerstag von der Landesregierung abgesegnet wurde. „Ich bin erleichtert, die letzten Monate waren schwierig“, gesteht Kampus. Denn zum Arbeitskräftemangel kommt der Umstand, dass die „sozialen Folgen von Corona noch lange nicht vorüber sind“ und mehr Kinder und Jugendliche aus ihren Familien genommen werden müssen.
Daher werden - „in einem ersten Schritt“, so Kampus - 20 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen: Dazu zählen bereits die sechs Plätze im wiedereröffneten Krisun in Kapfenberg, aber auch 14 tatsächlich neue: In der landeseigenen Einrichtung Aufwind in Graz steigt die Zahl von 24 auf 30, dazu kommen acht weitere Plätze verteilt auf die Regionen.
Woher Mitarbeiter nehmen?
In den stationären Einrichtungen wird zudem die maximale Gruppengröße von 13 auf neun Personen reduziert. Das entlastet die Mitarbeiter - es werden aber mehr von ihnen benötigt. Woher aber nehmen? Um den Job attraktiver zu machen, werden sie laut Kampus in die gleiche (höhere) Gehaltsstufe eingestuft. Auch die Rahmenbedingungen sollen künftig verbessert werden, etwa durch flexiblere Gestaltung der Arbeitszeiten.
Und ein von den Betreibern oft geäußerter Wunsch steht vor der Umsetzung: Die Qualitätserfordernisse für Mitarbeiter werden „angepasst“, aber, das betont Kampus, nicht „heruntergeschraubt“. Personen, die etwa ein Psychologie-Studium abgeschlossen haben oder hohe Erfahrung mitbringen, sollen Zugang zu den Jobs bekommen.
Personal wird deutlich aufgestockt
In den Bezirkshauptmannschaften und der Sozialabteilung des Landes sind derzeit zwölf Vollzeit-Stellen unbesetzt. Sie sollen so schnell wie möglich nachbesetzt werden, betont Personallandesrat Werner Amon (ÖVP). Und nächstes Jahr wird das Personal im Bereich Sozialarbeit, Psychologie und in den Elternberatungsstellen um 35 Vollzeitstellen aufgestockt - das kostet 2,5 Millionen Euro pro Jahr. Amont: „Budgetär eine Herausforderung, aber notwendig.“
Auch aus den Bezirkshauptmannschaften erreichten uns Hilferufe. Wir müssen entgegensteuern.
Landesrat Werner Amon (ÖVP)
Im Finale ist das Erstellen einer Datenbank, dass Sozialarbeitern tagesaktuell einen Überblick über verfügbare Plätze geben soll. Und ein Aufstocken der „Soziale Arbeit“-Studienplätze an der FH Joanneum wird vom Bund in Aussicht gestellt.
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