Ein „Krone“-Gespräch mit dem Honorarkonsul der Ukraine in der Steiermark, Friedrich Möstl, zum „Krüppelnation“-Sager.
Herr Honorarkonsul, wie haben Sie reagiert, als Sie von Werner Murggs Aussage, die Ukraine sei eine „Krüppelnation“, gehört haben?
Natürlich entsetzt, aber wenig überrascht, weil ja die Haltung von Herrn Murgg ja schon in der Vergangenheit sichtbar wurde. Der Botschafter hat daraufhin einen Brief an unseren Landeshauptmann verfasst, wo er sein Entsetzen klar zum Ausdruck gebracht hat. Trotzdem sollte man Murgg keine zu große Bühne überlassen, denn so bedeutend ist er Gott sei Dank nicht.
Wie wurden diese Beleidigungen von Ukrainerinnen und Ukrainern in der Steiermark wahrgenommen?
Wir haben in der Steiermark 8500 Schutzsuchende, überwiegend Frauen und Kinder, die aus ihrer Heimat flüchten mussten. Diesen Menschen auch noch Beleidigungen an den Kopf zu werfen, ist für sie eine Belastung. Herr Murgg soll sich seine Wortwahl überlegen, denn er trifft damit Frauen und Kinder auf der Flucht.
Welche Auswirkungen hat es, wenn steirischen Kommunisten in den pro-russischen Donbass fahren und den neuen Machthabern huldigen?
Das resultiert aus einer Uralt-Ideologie, die mich verwundert, weil ich die russischen Machthaber nicht als Kommunisten sehe. Sie sind Nationalisten und auch Kapitalisten. Ich kann es persönlich also nicht nachvollziehen, wie man hier einer alten Stalin-Ideologie nachhängt. Auch die Verwunderung unserer Nachbarländer ist übrigens groß.
Es gibt breite politische Ablehnung gegen die Wortwahl des Kommunisten. Im Landtag gab es eine dringliche Anfrage zur Causa. Wie bewerten Sie diese Protestsignale?
Sehr positiv. Die steirische Landesregierung und Politiker fast aller Parteien stehen an der Seite der Ukrainer und der Schutzsuchenden. Insofern ist es für diese Menschen ein wichtiges Signal, dass diese Solidarität auch in schwierigen Zeiten anhält.
Hat sich Murgg bei der Ukraine entschuldigt?
Das ist mir nicht bekannt.
Wie geht es den Menschen im Kriegsgebiet?
Sie sind widerstandsfähig und fest entschlossen, ihr Land weiter zu verteidigen. Und das tun sie - für viele unerwartet, für mich nicht - sehr erfolgreich.
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