Solistenkonzert

Längst überfälliges Festspieldebüt von Yuja Wang

Salzburg
06.08.2022 21:00
Manchmal braucht es einfach ein bisschen Hilfe von oben. Bei den Salzburger Festspielen sorgte ein Zufall jüngst dafür, dass die Ausnahmepianistin Yuja Wang am vergangenen Freitag endlich zu ihrem schon längst überfälligen Solisten-Debüt im Haus für Mozart kam.

Hätte eine gewisse Tabitha King Anfang der 70er nicht doch noch einmal einen aufmerksamen Blick in ihren Mistkübel geworfen und dabei zufällig ein Manuskript ihres Mannes Stephen entdeckt, dessen Buch „Carrie“ wäre niemals an die Öffentlichkeit gekommen und zu einem Welterfolg geworden. Manchmal braucht es in der Kunst einfach Unterstützung vom Schicksal. Das meinte es jüngst leider nicht so gut mit Pianist Evgeny Kissin, dafür aber umso besser mit Yuja Wang. Kissin musste sein Solistenkonzert in Salzburg wegen Armschmerzen absagen. Ein ebenbürtiger und vor allem spontaner Ersatz war gefragt und wenn jemand in der Branche für Spontanität steht, dann ist es Yuja Wang.

Außer für Spontanität ist die Wahl-New-Yorkerin für ihre virtuose Technik, ihr feines emotionales Gespür und und ihre Liebe zu himmelhohen Schuhen vom französischen Schustermeister Christian Louboutin bekannt, auf dessen roten Sohlen sie am liebsten die großen Bühnen dieser Welt betritt und auch ihren ersten Solistenabend in Salzburg bestritt.

Ihren großen Karrierestart verdankte sie einst auch ihrer Spontanität. 2007 gelang ihr mit 20 Jahren der Durchbruch, als sie für Pianistinnenlegende Martha Argerich beim renommierten Boston Symphony Orchestra einsprang. Darauf folgte eine steile Karriere, die sie auch schon 2015 zusammen mit dem Geiger Leonidas Kavakos zu den Salzburger Festspielen brachte. Damals war Yuja Wang gerade einmal 28 und begeisterte das Publikum nachhaltig neben dem etablierten Kollegen.

Warum musste es also so lange dauern, bis sie endlich ihr verdientes Solistendebüt beim Festival bekam, während alteingesessene Kollegen wie etwa Maurizio Pollini seit Jahren mit den scheinbar immer gleichen Programmen bei den Festspielen ein und aus gehen? Als es dann am vergangenen Freitagabend im Haus für Mozart endlich so weit war, zeigte sich erstaunlicher Weise, dass selbst ein Star von Wangs Kaliber offensichtlich noch so etwas wie Aufregung empfinden kann. Sichtlich angespannt und vor allem hochkonzentriert ging sie an die Werke von Schubert, Schönberg und Ligeti heran. Das machte die erste Konzerthälfte zwar blitzblank sauber, aber etwas technisch und kontrolliert. Die zweite Hälfte fiel dabei schon wesentlich lockerer aus und bei den Schlusswerken von Albéniz schien sie mit Instrument und Raum vollends eingegroovt.

Das Publikum quittierte dies mit großem Applaus und vielen Bravos, was Wang endgültig die Last von den Schultern nahm. Und wie Phönix aus der Asche stand sie dann auf einmal da, die spontane, freche und emotionale Pianistin. Frei nach dem Motto „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ gönnte sie sich und dem Publikum eine halbe Stunde voller unterschiedlicher Zugaben von Schubert über Glass bis Jazz und vor allem eines: jede Menge Spaß.

Larissa Schütz

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