16.07.2022 14:30 |

Folge der Energiekrise

Steirische Thermen stehen vor schwierigem Winter

Die Therme Loipersdorf erhält bald neue Eigentümer: Das wirft die Frage auf: Wie geht es der für den steirischen Tourismus so wichtigen Branche? Die Herausforderungen sind groß, gerade im nächsten Winter.

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Es war ein Paukenschlag, über den die „Krone“ vorab berichtete: Die Therme Loipersdorf, das Flaggschiff der steirischen Thermenlandschaft, wird verkauft. Neue Eigentümer sind die Merkur-Versicherung, die Baufirma Granit und die SHR GmbH, die Betreiber des Kurhauses in Bad Gleichenberg.

Versprochen wurde ein „zukunftsweisender Investitionsplan“, Details will man erst im Frühherbst bekannt geben. Logisch wäre es, würde die Merkur ihre Versicherungskunden im ebenfalls erworbenen Hotel Sonnreich unterbringen.

Loipersdorf macht Trend nicht mit
Gespannt auf die künftige Positionierung Loipersdorfs ist auch Tourismusforscher Oliver Fritz vom Wifo-Institut. Denn mit dem Thermen-, Erlebnis- und Schaffelbad bedienen die Oststeirer drei Segmente gleichzeitig. Der Trend geht aber hin in Richtung Spezialisierung.

Fakten

  • Zwei Millionen Nächtigungen: Diese Marke wird im Thermen- und Vulkanland in einem normalen Tourismus-Jahr geknackt. Aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie waren es 2020 und 2021 natürlich deutlich weniger. 
  • Die Thermen versuchen, bei der Energieversorgung immer unabhängiger zu werden. Die H2O-Therme setzt etwa auf Wärme aus regionalen Hackschnitzeln, in Bad Blumau und in Bad Radkersburg nutzt man die Kraft der Geothermie.

Das bestätigt auch Gernot Deutsch, Obmann des Thermenlands und Geschäftsführer in Bad Waltersdorf: „Die Resorts werden ihre Markenkerne verstärken, bei uns ist das beispielsweise der Qualitätstourismus für Erwachsene.“ Die Parktherme Bad Radkersburg wiederum will noch „erlebnisorientierter“ werden und eröffnete vor wenigen Wochen den Erlebnispark Fluidum.

Hotels werden zu Konkurrenten
Das Umfeld hat sich seit dem großen Thermen-Boom rund um die Jahrtausendwende stark geändert, erklärt Fritz. „So groß dimensionierte Anlagen wie damals würde man heute wohl nicht mehr errichten.“ Die Konkurrenz wurde viel größer: Es entstanden Thermen im benachbarten Ausland (Slowenien, Ungarn), viele Hotels errichteten eine eigene Wellnessinfrastruktur.

Rogner-Therme Bad Blumau investiert zehn Millionen Euro
Die steirischen Thermen versuchen dagegenzuhalten. So wurde vor Kurzem eine Zwei-Millionen-Investition in Bad Gleichenberg abgeschlossen. In Bad Blumau ist ein Volumen von zehn Millionen Euro geplant - gänzlich aus Eigenkapital, wie betont wird: Terrassen, Restaurants und der Saunabereich werden erweitert, auch ein neues Mitarbeiterhaus kommt.

Mehrere Investitionspläne für alle Bereiche liegen Geschäftsführer Christian Rotter von der H2O-Therme (Bad Waltersdorf) vor. Auch Bad Radkersburg kündigt Neuerungen an - nicht realisiert wird aber die Idee eines eigenen Hotels. Laut Geschäftsführer Patrick Sax strebt man eine enge Kooperation mit dem neuen Jufa-Hotel an.

Energiekrise trifft die Leitbetriebe stark
Wie ein Damoklesschwert über den Betrieben hängt die aktuelle Energiekrise. Die Preise explodieren. „Das trifft uns massiv“, betont Deutsch. Man könne die Mehrkosten auch nicht einfach an die Kunden weitergeben. Die Thermen wollen unabhängiger werden, neue Fotovoltaik-Anlagen kommen etwa in Bad Blumau oder bei der H2O-Therme.

Tourismusforscher Oliver Fritz sieht jedenfalls einen schwierigen Winter auf die Branche zukommen. Denn sollte es tatsächlich zu Gasrationierungen kommen, werden die Freizeit- und Hotelbetriebe kaum vollständig bedient werden können.

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